Amtsärztin: Corona ist keine Pest

Sechs Mittelsachsen wurden wegen des Virus überwacht. Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.

Freiberg.

Meist empfängt Landrat Matthias Damm mit Händedruck. Doch bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Landratsamt streckt Kreissprecher André Kaiser den Journalisten einen Zettel entgegen. Darauf steht: "Wir verzichten ... auf Händeschütteln - eine ... wirksame Maßnahme, die Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden."

Im Gespräch steht dann die neuartige Infektionskrankheit Corona auf dem Programm. Laut Amtsärztin Annelie Jordan wurden bislang sechs Personen wegen einer möglichen Infektion mit dem Virus überwacht. Doch es gab keine Infektion. Fünf Betroffene seien in häusliche Quarantäne gegangen. Ein Mann, der zuvor in China war, wurde in der Klinik für Infektionsmedizin am Klinikum Chemnitz behandelt. Auch bei ihm habe sich der Verdacht nicht bestätigt. Die anderen hatten sich in Italien in Gebieten mit hohen Infektionsraten aufgehalten.

Unterdessen laufen die Telefone im Gesundheitsamt heiß, da Mittelsachsen - oft Rückkehrer von einer Italienreise - wegen möglicher Ansteckung oder Prävention nachfragen. Drei Mitarbeiter sind am Telefon. Zudem träfen E-Mails aus China ein, wo etwa Studenten fragten, was sie bei der Heimreise beachten müssen. Die Behörde hat laut Jordan den Reaktionsplan für den Fall der Fälle aktualisiert und sei durch Übungen, auch mit dem Rettungsdienst, vorbereitet. Falls Infektionen aufträten, kämen die Erkrankten in die Chemnitzer Infektionsklinik. Doch auch andere Krankenhäuser hätten Isolierräume. Die Ärztin warnt vor Panik. "Das ist völlig fehl am Platz", sagt sie. "Es ist nicht die Pest, es sind nicht die Pocken. Es handelt sich um einen Virus - wie bei der Influenza." Landrat Damm ergänzt: "Unser Landkreis hat 305.000 Einwohner. Wir haben sechs Fälle, wo der Verdacht ausgeräumt werden konnte."

Laut Jordan macht das Amt bei Verdachtsfällen eine gründliche Anamnese. Wer mindestens 15 Minuten engen Kontakt zu Kranken hatte, sollte freiwillig zwei Wochen in häusliche Isolation, zweimal täglich Fieber messen, sich täglich beim Gesundheitsamt melden. Strikte Hygiene sollte beachtet werden. Wer etwa nah an einem Infizierten im Flugzeug saß, aber keinen engen Kontakt hatte, sollte auch in häusliche Isolation. Die Krux: Eine Krankschreibung erhalte man dafür nicht, sondern müsse Urlaub nehmen oder Heimarbeit vereinbaren. Bisher habe es aber keine Probleme gegeben. Jordan: "Wir rufen Reiserückkehrer auf, sich bei uns zu melden." (hh)

Fragen zur Corona-Infektion beantwortet das Gesundheitsamt, Ruf 03731 7996249.

www.freiepresse.de/corona


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.