An der Kasse entscheidet sich die Zukunft

Vor zehn Jahren wurde der Dorfladen in Falkenau eröffnet. Er gilt weiterhin als Pilotprojekt, aber die wirtschaftliche Situation ist zunehmend schwierig.

Falkenau.

Auf der Generalversammlung vor drei Wochen im Falkenauer Lehngut hat Thilo Walther die Vertrauensfrage gestellt. Soll der Falkenauer Dorfladen erhalten bleiben oder nicht, fragte der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft "Unser Laden Falkenau" die knapp 100 anwesenden Mitglieder angesichts stagnierender Umsätze und steigender Kosten. Erstmals seit der Eröffnung im Juli 2009 hat der Falkenauer Dorfladen im vorigen Jahr rote Zahlen geschrieben. Zugleich stehen dringende Investitionen an.

Die Situation ist schwierig, sagt Thilo Walther. Die Euphorie, mit der der Dorfladen vor zehn Jahren eröffnet wurde, sei einem Gefühl der Selbstverständlichkeit gewichen. Zugleich hat sich die Altersstruktur im Flöhaer Ortsteil verändert. Falkenau ist jünger geworden. Junge Leute sind mobil, sie kaufen entlang ihres täglichen Arbeitsweges ein oder fahren eben schnell mal rüber nach Flöha, wo nach der Rewe-Eröffnung inzwischen sechs große Supermärkte und Lebensmittel-Discounter zur Auswahl stehen. "Wir brauchen einen neuen Impuls für die Solidarität", sagt Walther. Das heißt: Der Laden mit inzwischen rund 5000 Artikeln im Sortiment braucht Einkäufer und Umsatz. Dabei sind Thilo Walther und sein Team weit davon entfernt, den Kopf in den Sand zu stecken. Dass der Dorfladen im Kampf um den billigsten Preis nicht mithalten kann, ist Walther klar. Er versucht stattdessen mit zusätzlichen Angeboten den Laden zum Lebensmittelpunkt zu machen. Post- und Lottoservice, Partyservice und Catering oder die Nach-Hause-Lieferung gehören längst zum Angebot.


Demnächst soll ein Kunden-Kummer-Kasten aufgestellt werden. "Wir wollen erfahren, was sich die Leute wünschen, was sie gut finden, was nicht", so der 57-Jährige. Was möglich ist, soll ermöglicht werden, sagt der gelernte Gastronom und Feinkost-Vertreter, der von Beginn an als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Genossenschaft steht und inzwischen auch täglich im Laden. Dazu kommen drei Teilzeitkräfte. Wegen des Mindestlohns blieb die vierte Stelle nach dem altersbedingten Ausscheiden von Marktleiterin Gabriele Hübner unbesetzt, die Stundenzahl der Mitarbeiter wurde reduziert, die Öffnungszeiten sind seit 2015 eingeschränkt. Weitere Serviceangebote scheitern damit am fehlenden Personal. "Die Rahmenbedingungen sind für den gesamten Einzelhandel schwierig", sagt Thilo Walther. Im Gegensatz zu großen Handelsketten hat ein kleiner Genossenschaftsladen aber keinen Spielraum, um steigende Kosten abzufedern. Walther mag Politik nicht pauschal kritisieren, aber wenn es ernst gemeint sei mit der Stärkung des ländlichen Raumes, dann müsse ein Dorfladen wie der in Falkenau unterstützt werden. Er freut sich indes über den sehr fairen Mietvertrag der Stadt Flöha für das Laden-Gebäude und er könne, so sagt er, immer mit der Unterstützung der CDU-Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann rechnen, die selbst eins von aktuell rund 400 Genossenschaftsmitgliedern ist.

Neben dem Dorfladen in Falkenau gibt es in Sachsen in Bad Schlema einen zweiten Frischemarkt, der als Genossenschaft geführt wird. Der Genossenschaftsverband - Verband der Regionen verzeichnet aber ein wachsendes Interesse an Genossenschaftsläden. Insgesamt gebe es im Verbandsgebiet, das neben Ostdeutschland, Bremen, Hamburg sowie die Bundesländer Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein umfasst, 15 Genossenschaftsläden, sagt Sabine Brömmer aus der Verbandspressestelle. Sie sagt, dass genossenschaftliche Dorfläden die ideale Form sind, um Lücken in der ländlichen Nahversorgung zu schließen - vor allem dann, wenn Einkaufsmöglichkeiten mit weiteren Serviceangeboten oder Gastronomie ergänzt werden. Das Genossenschaftsmodell sei Hilfe zur Selbsthilfe und setze statt auf Gewinnmaximierung auf demokratische Strukturen, so Brömmer weiter.

Zurück nach Falkenau und die Vertrauensfrage bei der Generalversammlung. Die große Mehrheit der gut 100 Genossenschaftler beschloss, dass der Laden bleiben soll. "Entscheidend aber ist", sagt Thilo Walther, "dass in unserem Laden eingekauft wird".

Das zehnjährige Bestehen des Dorfladens wird am Sonnabend von 14 bis 19 Uhr gefeiert - mit Spiel, Spaß sowie Essen und Trinken auf dem Laden-Gelände in Falkenau.


Kommentar: Kaufen istder Preis

Ein Dorfladen wie der in Falkenau wird immer ein Exot in der Einzelhandelslandschaft bleiben. Marktwirtschaftlich sind diese Läden chancenlos im Konkurrenzkampf mit Supermärkten und Discountern. Eine behutsame Förderung, die nicht den Wettbewerb verzerrt, scheint deshalb unverzichtbar.

Getragen werden solche Dorfläden aber vor allem vom Solidaritätsgedanken - heißt: Wer den Laden will, und sei es nur als ergänzende Einkaufsmöglichkeit, der muss in diesem Laden einkaufen. Das ist der Preis für ein Stück Lebensqualität vor der eigenen Haustür.

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