Angeklagter muss zehn Jahre in Haft

Weil er billig an ein viel zu teures Auto kommen wollte, musste ein Mann sterben. Nun endete der Totschlagsprozess von Breitenau - zumindest vorerst.

Chemnitz/Breitenau.

Im Fall des auf einem Feld bei Breitenau getöteten 38-Jährigen aus Chemnitz ist gestern am Landgericht Chemnitz das Urteil gefallen: Die Kammer befand den 33-jährigen Angeklagten aus dem Raum Flöha für schuldig und verurteilte ihn wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Vater des Opfers zeigte sich im Anschluss erleichtert, dass es zu einer Verurteilung gekommen ist. "Ob es dann zehn oder zwölf oder mehr Jahre sind - das bringt mir meinen Sohn nicht zurück", sagte Jürgen Schmidt, der als Nebenkläger auftrat. Allerdings bleiben für die Familie des 38-Jährigen - er hinterlässt eine kleine Tochter sowie eine Ehefrau - Fragen offen. In einem emotionalen Statement hatte Schmidt erklärt: "Wir hätten gerne gehört, was auf dem Feld passiert ist, aber das Schweigen des Angeklagten verhindert das." Irgendwann werde seine Enkeltochter Fragen stellen - und die könne er nicht beantworten. An den Angeklagten gewandt ergänzte er: "Für mich sind sie ein eiskalter Mörder, der einen Zeugen aus dem Weg räumen wollte, um das ergaunerte Geld auszugeben." Er und sein Sohn hatten dem Angeklagten insgesamt 35.000 Euro für den Kauf zweier Autos gezahlt, die am Tatabend, dem 3. April vorigen Jahres, übergeben werden sollten.

Auch diese Worte bewogen den Angeklagten nicht dazu, sich zu äußern. "Ich schließe mich meinen Verteidigern an", war alles, was er sagte. Diese hatten Freispruch gefordert und kündigten an, in Revision zu gehen. Der Prozess habe mehr Fragen offen gelassen als beantwortet, so Rechtsanwalt Andreas Kohn. In ihren Plädoyers hatten er und sein Kollege kritisiert, dass die Polizei sich zu früh auf ihren Mandanten eingeschossen habe, dabei sei nicht bewiesen, dass er den Peugeot gesteuert habe. Mindestens vier Personen seien im Prozess erwähnt worden, deren Rolle nicht geklärt sei. Zudem gebe es mindestens einen Schlüssel für die Garage, der anderen zugänglich war - auch der Vermieter hatte einen. Dass keine DNA-Spuren auf einen Dritten als Fahrer hinwiesen, sei mit Handschuhen erklärbar, so Kohn.

Die Kammer stützte ihre Urteilsbegründung vor allem auf die "exzellent gesicherte Spurenlage", so die Vorsitzende Richterin, die sich als falsch herausstellende Aussage des Angeklagten, dass er das Auto verkauft habe, sowie seine Aussagen seiner Ex-Frau und seiner Verlobten gegenüber, wonach er am Tatort war, ihm aber jemand ins Lenkrad gegriffen habe. Lenkbewegungen konnten die Gutachter auf dem Feld allerdings nicht feststellen.

"Laut der Sachverständigen gibt es keine Anhaltspunkte für ein zweites Fahrzeug oder eine dritte Person am Tatort", so die Richterin. "Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte nach einem Streit die Kon-trolle über sich verloren hat." Das Strafmaß bei Totschlag liegt zwischen 5 und 15 Jahren. Dass der Getötete sich freiwillig auf illegale Geschäfte mit dem Angeklagten eingelassen hatte, sei berücksichtigt worden. Nicht zuletzt erinnerte sie an das brutale Vorgehen, einen Menschen frontal anzufahren, zu wenden und den hilflos am Boden liegenden zu überrollen, woraufhin dieser an seinen schwersten Verletzungen verstarb. In dem Prozess waren seit Januar an 20 Verhandlungstagen 67 Zeugen und acht Sachverständige vernommen worden.

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Die Ereignisse im April 2017

4. April: Ein Lkw-Fahrer entdeckt die Leiche auf einem Feld und alarmiert die Polizei. Reifenspuren und Verletzungen deuten auf Überfahren hin. Die Spurensicherung findet Fahrzeugteile von einem blauen Peugeot 106. Die Witwe, die ihren Mann am Morgen vermisst gemeldet hatte, berichtet von einer Verabredung ihres Mannes am Abend zuvor mit einem Bekannten, der einen blauen Peugeot fahre. Dieser wird als Zeuge vernommen und gibt an, das Auto am Vortag verkauft zu haben.

5. April: Der angebliche Autokäufer existiert nicht. Der stark beschädigte Kleinwagen wird in der Garage des späteren Angeklagten vorgefunden.

6. April: Der nun dringend Tatverdächtige ist nicht auffindbar.

10. April: Die Polizei fahndet mit einem Foto nach dem Tatverdächtigen.

13. April: Der Verdächtige stellt sich der Polizei. Er sei nicht der Täter, sagt er. (kala)

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