Anzahl der Schulschwänzer gestiegen

Das Fernbleiben vom Unterricht scheint ein wachsendes Problem im Landkreis zu sein. Doch wer Schulleiter der Region fragt, hört fast nur Gutes. Nur beim Lehrer einer bestimmten Klasse hört sich das etwas anders an.

Flöha/Freiberg.

In Mittelsachsen wurden in diesem Jahr bereits 474 Verfahren wegen Schulpflichtverletzung eingeleitet. Das sagt Cornelia Kluge, Sprecherin des Landkreises. Somit sind beim Referat Bildung jetzt schon 35 Anzeigen mehr als im gesamten vergangenen Jahr eingegangen - und etwa doppelt so viele wie im Jahr 2015. Es stellt sich also die Frage, welche Standorte besonders darunter leiden -und wie sie darauf reagieren.

Wer sich jedoch bei Schulen rund um Flöha erkundigt, bekommt zunächst viele gute Nachrichten zu hören. Frank Hunger, Leiter der Oberschule Oederan berichtet, dass es im Moment gar nichts Negatives zu berichten gebe. "Hin und wieder gibt es das schon mal", so Hunger. Aber dass jemand gar nicht mehr zum Unterricht komme, sei extrem selten, in den vergangenen zwölf Jahren gab es nur zwei Fälle. Dabei sei jeweils eine psychische Belastung der Schüler der Auslöser gewesen. "An kleineren Schulen wie unserer ist der Kontakt zwischen Jugendlichen und Lehrern intensiv", so Hunger. Das helfe dabei, Probleme früh zu erkennen.

Auch an der Oberschule Flöha-Plaue ist Schwänzen kein großes Thema, wie Schulleiter Falk Döring auf Anfrage sagt. "Momentan gibt es bei zwei Schülern Schwierigkeiten, allerdings noch nicht in einem meldepflichtigen Umfang." Schulen zeigen zumeist nach fünf Tagen unentschuldigtes Fehlen dem Referat Bildung des Landkreises an.

Auch in der Zweigstelle des BSZ Julius Weisbach in Flöha gibt es bei den Schulschwänzern "keine Größenordnung, die erwähnenswert wäre", sagt Schulleiter Dr. Wehrmeister. Alles gut also? Wo sind dann die ganzen Verweigerer? Wehrmeister rät, man solle mal Frank Dignas fragen. Er sei der Fachleiter für Bautechnik und Elektrotechnik, in Freiberg verantwortlich für das Berufsvorbereitende Jahr am BSZ für Technik und Wirtschaft. Zu ihm kommen diejenigen, die bislang keinen Hauptschulabschluss geschafft haben - aber dennoch berufsschulpflichtig sind.

"Wir haben jedes Jahr zuverlässig Schulschwänzer", sagt Frank Dignas am Telefon. "Eigentlich schon mit Ansage." Er startet seine Klasse mit circa 20 Schülern, das Schuljahr 2019/20 hat er am 19. August begonnen. Schon am nächsten Tag fehlten zwei Schüler. Gegen Ende wird sich - nach seinen Erfahrungen - die Klassengröße halbiert haben. Die Ursachen seien oft Drogensucht und auch die Abhängigkeit von Computerspielen. Alkohol sei mittlerweile kein großes Problem mehr. Vielmehr zockten die Schüler nachts - und seien dann am nächsten Tag nicht mehr aufnahmefähig. "Ein Problem ist auch, dass Eltern ihre Kinder oft decken", so Dignas. Nicht immer geschehe das aus falsch verstandener Fürsorge. Manche Erziehungsberechtigte wissen, dass Schwänzen teuer werden kann. Die höchste Strafe, die Dignas erlebt hat: 500 Euro. Nach Auskunft von Kreissprecherin Kluge können es sogar bis zu 1250 Euro werden.

Doch letztlich bleibt auch im Berufsvorbereitenden Jahr die Quote der Fernbleiber konstant. Woher kommen also die steigenden Zahlen? Das Landratsamt will auf Rückfrage nicht sagen, welche Städte oder Schulen zum Anstieg beigetragen haben. Doch Frank Dignas hat einen Verdacht. "In den größeren Städten sind die Probleme sicher noch viel stärker anzutreffen", sagt er. Doch die Mühe um jeden einzelnen Schüler lohne sich in jedem Fall.


Hilfsangebote für Schüler und Eltern

Das Jugendamt bietet Beratungen, bei denen gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen, den Eltern und der Schule versucht wird, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um so eine passgenaue Unterstützung bei der Integration in den Schulalltag zu ermöglichen. Auch die Erziehungs- und Familienberatungsstellen im Landkreis, die es in Burgstädt, Rochlitz, Frankenberg, Döbeln und in Freiberg gibt, unterstützen.

Ein Modellprogramm "Jugend stärken im Quartier" läuft in der Stadt Freiberg. Es bietet Maßnahmen insbesondere für schulverweigernde junge Menschen. So werden unter anderem eine Jugendberatungsstelle und das Teilprojekt "Neustart" gefördert, in denen insbesondere sozialpädagogische Fachkräfte zielgerichtet mit Kindern und Jugendlichen und bei Bedarf mit Eltern und Lehrkräften arbeiten.

Sogenannte alternative Schulformen bieten weitere Möglichkeiten, um unter anderem dem Schulschwänzen vorzubeugen oder dieses zu vermeiden. Beispiele sind das "Produktive Lernen" in der Oberschule "Am Holländer" in Döbeln und das Angebot "Alternative Beschulung Mittweida" in der Fichte-Oberschule Mittweida.

Die Diakonie Rochlitz bietet in der Erziehungs- und Familienberatung Hilfe bei Schulproblemen. (bp)

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