Artenschutzprogramm fürs Birkhuhn

Naturschützer und der Freistaat erarbeiten derzeit gemeinsam Maßnahmen. Ob die hiesigen Bestände vor dem Aussterben bewahrt werden können, ist jedoch noch ungewiss.

Marienberg.

Lange ist um eine Lösung gerungen worden. Nun scheint sie gefunden zu sein. Das Konzept müsse zwar noch schriftlich fixiert werden, im Grundsatz bestehe mit dem Land Sachsen jedoch Einigkeit, sagt Naturschützer Udo Kolbe. In den kommenden zehn Jahren sollen seinen Worten zufolge diverse Maßnahmen umgesetzt werden, um das drohende Aussterben des Birkhuhnes in der Kammregion zu verhindern.

Schon seit Jahren setzt sich die Initiative Birkhuhnschutz für ein umfassendes Artenschutzkonzept ein. Dies war wegen der stetig zurückgehenden Bestände seitens des Freistaates auch für die hiesige Region zugesagt, bislang allerdings nicht verwirklicht worden. Die Forderung der Naturschützer: 730 Hektar der vom Sachsenforst bewirtschafteten Fläche sollen unmittelbar dem Birkhuhnschutz zugute kommen sowie 1000 Hektar angrenzende Flächen birkhuhnfreundlich gestaltet werden. Derzeit liefen noch Abstimmungen, welche Areale sich eignen, sagt Udo Kolbe. Es handle sich aber lediglich um Detailfragen.


Der "Freien Presse" bestätigte das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, dass die Gespräche auf einem guten Weg sind. "Ich gehe davon aus, dass es in Kürze ein Artenschutzprogramm für das Birkhuhn geben wird, mit dem auch die Naturschützer der Initiative Birkhuhnschutz Sachsen leben können", erklärte auf Nachfrage Sprecher Frank Meyer. Details sollen aber erst später veröffentlicht werden. In einigen Wochen soll es soweit sein.

Gegenüber "Freie Presse" betont Udo Kolbe, dass die Naturschützer aktiv einbezogen werden. Auf diese Weise lasse sich sicherstellen, dass eine langfristige Lösung gefunden wird, die die Beteiligten gemeinsam tragen können. Im Kern der auszuweisenden Gebiete sollen die Balzplätze der Birkhühner stehen. Wichtig sind zudem die angrenzenden Areale, die den Hennen Brutmöglichkeiten bieten. Ebenfalls wichtig: Versteckmöglichkeiten vor Feinden sowie ausreichende Futterquellen. Laut Udo Kolbe benötigen die Birkhühner freie Flächen mit losen Baumgruppen sowie Büschen. Im Wald können sie auf Dauer kaum bestehen. Daher sei vorgesehen, in den betreffenden Gebieten auf Wiederaufforstungen zu verzichten und mitunter in Wäldern auszulichten. Dies bedürfe noch einiger Abstimmung mit dem Freistaat.

Dabei sah es vor Kurzem noch ganz anders aus. Angesichts der geringen Bestände - in der sächsischen Kammregion gibt es nur noch rund 30 Birkhühner - hatten die Naturschützer wiederholt mit Nachdruck auf die Probleme hingewiesen. So betonte jüngst Kolbe, dass schnell etwas passieren müsse: "In wenigen Jahren könnte es zu spät sein." Auf Nachfrage sagt er nun, dass der gesteckte Zeithorizont von zehn Jahren dem Bestand die Chance bietet, sich zu erholen. Inwiefern das Artenschutzprogramm umfassenden Erfolg hat, vermag er nicht zu sagen. Dies hänge auch davon ab, ob aus dem Nachbarland Tschechien Birkhühner einwandern. Dort gibt es noch rund 350 Exemplare. Eines steht für Kolbe fest: Die Rettung des Birkhuhnes wird ein Kraftakt.


Druck auf Freistaat nahm zuletzt deutlich zu

Hatten sich die Birkhuhn-Bestände im Zuge des Waldsterbens bis in die 1990er Jahre im Erzgebirge bis auf geschätzte 150 Tiere erholt, gingen sie nach der Aufforstung in den Folgejahren immer weiter auf aktuell rund 30 zurück. Dass die Art hierzulande noch nicht gänzlich ausgestorben ist, ist auch dem Nachbarland Tschechien zu verdanken. Dort gibt es aktuell noch eine etwas größere Population. Einige Tiere wanderten in die sächsische Kammregion ein.

Angesichts der alarmierenden Zahlen nahm zuletzt der Druck auf den Freistaat Sachsen zu. Die Naturschützer wiesen immer wieder auf die prekäre Lage hin und erhielten dabei Unterstützung vonseiten der Politik. Das Thema erhielt zudem mediale Aufmerksamkeit. So berichtete "Freie Presse" mehrfach über die Entwicklung. Dass der Freistaat nun ihren Forderungen nachkommt, gibt den Naturschützern hinsichtlich der Birkhuhn-Rettung neue Hoffnung. (geom)

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