Auch Freundschaft geht durch den Magen

Oberschüler aus Oederan haben derzeit Besuch aus einer kleinen französischen Stadt. Mit ihnen gehen sie auf eine kulinarische Reise durch Sachsen. Dass es überhaupt zum Austausch gekommen ist, liegt am großen Engagement einer einzelnen Lehrerin.

Oederan.

Man könnte es auch eine kleine Weihnachtsmarkt-Tour nennen, was Romane Halay gerade in Sachsen erlebt. Denn nach dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt am Sonntag und dem Freiberger Christmarkt am Dienstag hat sie am gestrigen Donnerstag auch den Striezelmarkt in Dresden kennengelernt. "So etwas haben wir bei uns nicht. Es ist toll, dass ich in der Vorweihnachtszeit hier bin", sagt die 14-Jährige. Sie gehört zur 15-köpfigen Schülergruppe aus dem 1600-Einwohner-Ort L'Île-Bouchard nahe Tours im Westen Frankreichs. Seit Samstag verbringen die Jugendlichen eine Woche in Oederan.

Im Austauschprogramm der hiesigen Oberschule mit der Einrichtung aus Frankreich geht es aber natürlich nicht nur darum, die Weihnachtsmärkte abzuklappern. "Wir haben die Woche unter das Motto 'Essen und Trinken' gestellt", sagt Katrin Lohse. "Da passen die Weihnachtsmärkte mit den vielen Leckereien gut rein, die Schüler haben aber auch die Freiberger Brauerei besucht oder in Dresden Plätzchen gebacken."

Katrin Lohse ist verantwortlich dafür, dass die Oberschule Oederan am Aufbau einer festen Schulpartnerschaft mit L'Île-Bouchard arbeiten kann. Denn die Französischlehrerin hat bei einer Fortbildung von einem Programm erfahren, das "Schüleraustausch für alle" heißt. "Ich fand das sehr interessant und wollte mit unserer Oberschule einen Partner finden", erzählt Lohse. "Leider waren wir dort zu klein. Die anderen Schulen wollten den Austausch mit viel mehr Schülern machen." Aufgeben wollte die Lehrerin aus Oederan aber nicht, also schaltete sie eine Anzeige auf der Homepage des deutsch-französischen Jugendwerks - fast zeitgleich mit einer gewissen Sabrina Reinard. Diese ist Lehrerin in L'Île-Bouchard und suchte auch nach einer eher kleinen Schule, um Kontakte für einen Austausch zu knüpfen.

Der Rest ging ziemlich schnell. Zunächst besprachen die Lehrer die Details, dann fanden interessierte Schüler einen Partner im jeweils anderen Land. "Am Anfang haben sie sich Briefe geschrieben. So richtig mit Papier und Stift", sagt Katrin Lohse und lacht. "Das war uns wichtig, denn es geht ja darum, die fremde Sprache besser zu beherrschen." Kurz vor der Austauschwoche, die zum Großteil über Förderprogramme finanziert wird, durften die Schüler dann über E-Mail und Whatsapp Kontakt aufnehmen, um die Details zu klären und sich besser kennenzulernen.

Romane Halay hat sich mit ihrer Gastgeberin sofort verstanden. Sie wohnt in dieser Woche bei der Familie von Milene Rebentrost und fühlt sich dort richtig wohl. Am heutigen Freitag kochen die zwei Mädchen und alle anderen Schüler des Austauschprogramms für die deutschen Eltern ein französisch-deutsches Essen. Im März soll es zum Gegenbesuch in Frankreich kommen.


Nur wenige Partnerschaften

Die Gymnasien und Oberschulen in der Region Flöha pflegen nur sehr wenige Partnerschaften mit Schulen im Ausland. Keine Austauschprogramme gibt es am Gymnasium Augustusburg sowie den Oberschulen Niederwiesa und Flöha-Plaue.

In Eppendorf gab es bis 2008 eine langjährige Partnerschaft mit dem College Grandville Liverdun in Frankreich. Nach einem Wechsel in der Leitung der französischen Partnerschule ruht die Zusammenarbeit seither. Wie es aus der Eppendorfer Schulleitung heißt, sei man aber bestrebt, die Partnerschaft wieder aufleben zu lassen.

Das Samuel-von-Pufendorf-Gymnasium in Flöha pflegt seit 2008 eine Partnerschaft mit einem Gymnasium im schweizerischen Winterthur. Zustande gekommen war der Kontakt durch das Hochwasser 2002. Die Schweizer hatten damals von der Flut rund ums Pufendorfgymnasium erfahren und Geld gesammelt. Sechs Jahre später besuchten die Schüler aus Winterthur erstmals Flöha. Die deutsche Delegation macht sich seither jeweils im Frühjahr auf zum Gegenbesuch. (tre)

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