Auf den Flügeln der Musik

Blechbläser, umgeben von Blättern und umschwirrt von Insekten? Ein Ständchen im Wald gibt es nicht alle Tage.

Erdmannsdorf.

Welch stimmungsvoller Wochenendausklang: Zum 17. Mal lud der Posaunenchor Erdmannsdorf zur Serenade am Schwarzen Teich ein. Das abendliche Ständchen am Sonntag erfüllte alles, was eine solche harmonische Begegnung gelingen lässt.

In idyllischer Waldlage und im Schein der untergehenden Sonne brachten 23 Blechbläser, darunter Gäste des Ensembles, unter der Leitung von Klaus Hiller ein unterhaltsames Repertoire zu Gehör, welches so recht nach dem Musikgeschmack eines aufgeschlossenen Publikums war.

Rund 100 Musikfreunde hatten sich von Erdmannsdorf und Augustusburg aus auf den Weg ins Waldstück am E-Weg gemacht und erreichten die an heißen Tagen auch von Wildschweinen heimgesuchte Wasserstelle bestens gelaunt. Für weniger Konditionsstarke hatten die Organisatoren der Kirchgemeinde einen Fahrdienst eingerichtet. Und so nahmen die Ausflugshungrigen rund um den kleinen Waldsee ihren Platz ein. Da die bereitgestellten Bänke schnell besetzt waren, bot der Waldboden aber auch das Grün des Gewässerrandes einen härteren Platz zum Verweilen.

Auf ging es zu einer Weltreise auf den Flügeln der Musik. Ein abwechslungsreiches Programm bot Kurzweil, binnen 60 Minuten erwiesen sich die zwei Dutzend Akteure als taktvolle Gastgeber mit beachtlichem Zusammenspiel. Dabei mixten die Trompeter und Posaunisten mit den die Flügelhörner und Tuba spielenden Hobbymusikanten einen anspruchsvollen Reigen. Der Streifzug umfasste stilistische Variationen aus verschiedenen Epochen mit dem Madrigal des Barock genauso, wie die Künstler jene Spielweisen aufführten, die Land und Leute charakterisieren: So galt ein musischer Abstecher mit dem Walzer von der "Schönen blauen Donau" den Wiener Walzerkönigen, der "Washington Post March" holte die wuselnden amerikanischen Postbeamten an die Zschopau, und der Jägermarsch widmete sich den Naturburschen der Steiermark. Am Fuße des Schellenbergs kam "La Montanara" genauso gut an wie der Klassiker vom "Vogelbeerbaum". Auch Volkslieder à la "Hoch auf dem gelben Wagen" fehlten nicht. Zudem versuchten sich die mittelsächsischen Randerzgebirger mit "Oh Arzgebirg, wie bist du schie" an einer für sie dennoch fremden Sprache. Angela Ehnert übernahm den Part der Reisebegleiterin und gab mit ihrer Moderation charmant manch Hintergrundinformation. "Wir haben an einem romantischen Ort den Schlüssel zu Ihren Herzen: die Musik", sagte sie. Die findigen Musikanten versorgten selbst an einem so abgelegenen Ort das Mikrofon mit Energie: Eine Autobatterie hatten Kfz-Experten im Ensemble dafür angezapft.

Der Reiz des Ereignisses liegt am nichtalltäglichen Konzertpodium. Kein Wiener Musikvereinsgebäude noch Semperopersaal können die Atmosphäre im Grünen mit natürlichem Echo und Hall bieten. In dieser Kulisse kommt der warme Klang des gefühlvoll gespielten Bleches so richtig ins Schwingen und Tragen, umsäuselt von Blättern und umschwirrt von surrendem Getier.

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