Auf der MZ: Von Ungarn über Augustusburg auf die Route 66

Weltenbummler auf zwei Rädern verwirklichen den Traum ihrer Väter. Das Motorradmuseum auf dem Schellenberg ist dabei eine Pflichtstation.

Augustusburg/Zschopau.

Für Péter Tiszavölgyi und Zoltan Köver stand von Anfang an fest, dass ihre Tour von Ózd im Norden Ungarns nach Los Angeles über Zschopau führen muss. "Zurück in die Heimat, sozusagen", sagt Péter Tiszavölgyi. Denn die Ungarn sind auf MZ-Motorrädern unterwegs. Am Dienstagmorgen gönnten sie sich und ihren Maschinen - einer ETZ 250, Baujahr 1985, und einer TS 250 von 1974 - eine Verschnaufpause auf dem Zschopauer Markt.

"Unser Ziel ist das Ende der Route 66 in Santa Monica in Kalifornien", sagt Zoltan Köver, stellt die Kaffeetasse auf den Tisch und zieht den Reißverschluss seiner Lederjacke auf. "MZ to USA" steht auf dem schwarzen T-Shirt. "Mit der MZ in die USA" sei ein unerfüllter Traum ihrer Väter gewesen. Sie wollen ihn sich verwirklichen, berichten die 31 und 35 Jahre alten Biker, die seit ihrer Jugend befreundet sind - obwohl Tiszavölgyi inzwischen als Software-Entwickler in den USA seine Brötchen verdient und Köver bei einer Firma in London arbeitet, die Akkumulatoren herstellt.

"Die MZ ist das erste Motorrad, mit dem ich gefahren bin. Ich habe es von meinem Vater übernommen. Ich bin schon viele Motorräder gefahren, Supersportler, Chopper und Tourer. Aber die MZ ist etwas ganz Besonderes", schwärmt Péter Tiszavölgyi. "In Ungarn besitzen die Zweitakter aus Zschopau noch immer Kultstatus. Früher haben alle Ungarn ihre Fahrschule auf einer MZ gemacht. Denn damals gab es auch bei uns noch keine anderen Motorradmarken." Sein Kumpel ist ebenfalls MZ-vorbelastet. Dessen Vater Karoly Köver war ein bekannter ungarischer Straßenrennfahrer und pilotierte unter anderem auch MZ-Maschinen über den Asphalt. Auf dem Sachsenring drehte der schnelle Ungar ebenfalls gekonnt am Gas.

Auf ihrem Trip lassen es die zwei aber weit ruhiger angehen. "Bei der Hitze machen wir auch öfters eine Pause", sagt Péter Tiszavölgyi. Samstagfrüh seien sie in Ózd, seiner rund 150 Kilometer nordöstlich von Budapest an der Grenze zur Slowakei gelegenen Heimatstadt, gestartet. Am Dienstagmorgen überquerte das Duo den Erzgebirgskamm.

Erstes Ziel der MZ-Fans war das MZ-Altwerk. "Man kann die Geschichte atmen", sagt Tiszavölgyi beim Blick auf die ehemaligen Produktionsstätten. Viel Zeit für die "alten Zeiten" bleibt aber nicht. Denn nach dem Kaffee auf dem Neumarkt wollen die Ungarn ein paar Kilometer weiter gleich noch einmal in die Geschichte des Motorradbaus eintauchen: Schloss Augustusburg, "einer weiteren Pflichtstation". Nach fast drei Stunden dort schwingen sich Tiszavölgyi ("Eine großartige Ausstellung. Wir sind absolut begeistert.") und Köver auf ihre Maschinen. Die beiden betagten Zschopauerinnen sehen aus wie Packesel. Die Ladung besteht aus Zelt, Schlafsack, mehreren Taschen mit Wechselklamotten, Ersatzteilen, etwas Werkzeug und einigen Flaschen Zweitaktöl. "In meinen Jackentaschen habe ich noch jede Menge Kleinteile für den Fall der Fälle", sagt Zoltan Köver.

Auf den bisherigen knapp 700 Kilometern seien sie von der Defekthexe verschont geblieben, hoffen die Motorradfahrer, dass auch weiterhin alles rund läuft. Denn bis nach Amsterdam, dem nächsten Zwischenziel ihrer "MZ to USA"-Tour, sind es noch einmal 750 Kilometer. In den Niederlanden trennen sich die Biker dann erst einmal von ihren zweirädrigen Gefährtinnen. Die Motorräder werden in die USA verschifft. In ein paar Monaten soll dort das Abenteuer weitergehen - auf der Route 66. Die Weltenbummler freuen sich auf jeden Kilometer des legendären Highways durch die Staaten. "Ein Traum", sagt Péter Tiszavölgyi und streicht mit der Hand über den Tank seiner MZ.


Auf "MZ to USA" mit dabei

Tagesaktuelle Berichte und Bilder von ihrer Motorradreise veröffentlichen die Weltenbummler auf Facebook unter "MZ to USA". So sind unter anderem Fotos aus Zschopau und ein Film vom Motorradmuseum in Augustusburg zu sehen.

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