Augustusburger Häuser erzählen ihre Geschichte

Auf zwei Stadtspazier- gängen zum Tag des offenen Denkmals können Interessierte am Sonntag Gemäuer in Augustusburg erkunden - von außen, teils von innen. Die vor 500 Jahren erbaute alte Apotheke gehört dazu.

Das Haus von Brigitte und Thomas Lindner wurde im Jahr 1518 erbaut und ist damit eines der ältesten Gebäude inAugustusburg. Von 1841 bis 1995 war darin eine Apotheke untergebracht. Heute befindet sich hier ein Kunstgewerbeladen.
Im Innern gibt es noch Apothekerschränke - gefüllt mit Geschirr,Dekomaterial und Kunsthandwerk.

Von CLAUDIA DOHLE (Text und Fotos)

Der Augustusburger Kulturförderverein hat sich für den Tag des offenen Denkmals etwas Besonderes einfallen lassen. Gemeinsam mit Schülern des örtlichen Regenbogen-Gymnasiums wird am Sonntag zu zwei Spaziergängen durch die Altstadt eingeladen. Hauseigentümer mehrerer historischer Gebäude erzählen dabei Geschichten zu ihren Häusern und gewähren Interessierten einen Blick ins Innere der Gebäude. Besucher erhalten außergewöhnliche Einblicke in die Vergangenheit. Nach der Begrüßung erfahren Besucher Eckdaten zur Stadtgeschichte, bevor es zum Spaziergang vorbei an mehreren geschichtsträchtigen Häusern geht, wie etwa der Stadtkirche "St. Petri", dem Lotterhof, dem Pfarrhaus, dem Waschhaus oder der alten Apotheke.

Diese besondere Stadtführung geht auf die, im letzten Jahr entstandene Broschüre "Denkmale in Mittelsachsen - Augustusburg. Zu Hause in der Altstadt" zurück, die sich mit der Historie alter Häuser in Augustusburg befasst, wie Heidrun Weber vom Kulturförderverein mitteilt. In ihrem Haus, dem Markt 10, gibt es noch eine Mangelstube. Dort können sich die Besucher am Sonntag bei dem Spaziergang durch die Altstadt eine Mangel ansehen, die laut Frachtbrief vor 90 Jahren mit dem Zug von Chemnitz nach Erdmannsdorf befördert wurde.

Zur Entwicklung der alten Apotheke können Thomas und Brigitte Lindner erzählen. Ihr Haus wurde 1518 gebaut, zwischendurch umgebaut, teilweise abgerissen und vergrößert. Es gehört zu den ältesten Gebäuden in Augustusburg. "Von 1841 bis 1995 war in diesem Gebäude eine Apotheke untergebracht", sagt Thomas Lindner, der das alte Haus 1995 gemeinsam mit seiner Frau erworben hatte. Nach einer grundhaften Sanierung konnte das Ehepaar einziehen, und Brigitte Lindner eröffnete vor 21 Jahren im Erdgeschoss einen Kunstgewerbeladen. Noch heute zeugen alte Apothekerschränke im Geschäft von dem Charme der alten Apotheke. Diese sind heute allerdings nicht mehr mit Schmerzmitteln, sondern liebevoll mit erzgebirgischem Kunsthandwerk und Deko für Haus und Garten gefüllt.

In den Nachbarräumen, die früher als Offizin, Laboratorium und Lagerräume dienten, zeigen die Lindners aktuell die Ausstellung "Kleine Apotheke". Gerätschaften, Glastiegel und Vierkantflaschen aus längst vergangenen Zeiten werden präsentiert. "Zwischendurch stellen verschiedene Künstler in diesen Räumen aus", sagt Thomas Lindner.

An und in so einem alten Haus gebe es permanent Arbeit, berichtet der 68-Jährige. So hat das Ehepaar im vergangenen Jahr beispielsweise die komplette Dacheinbindung neu machen lassen. Obwohl es keine Auflagen vom Denkmalschutz für die Dacheindeckung gab, wählten die Lindners eine altdeutsche Schiefereindeckung mit großen und kleinen Schieferplatten, damit ihr Dach optisch zum Gesamtbild des historischen Hauses passt.

Als sich Familie Lindner damals das Haus ansah, verliebte sie sich trotz vieler Bedenken in das alte Gemäuer. "Es hat uns angelächelt und uns gesagt, dass wir hereinkommen sollten", sagt Thomas Lindner. In mühevoller Arbeit sind neben den Gewerberäumen auch zwei Wohnungen entstanden. Eine nutzt das Ehepaar privat, die andere wird als Ferienwohnung vermietet.

Die Ausstrahlung des geschichtsträchtigen Hauses hat Familie Lindner nicht nur außen, sondern auch innen bewahrt. Alte Möbel zieren die Räume, originale Türen aus vergangenen Jahrhunderten sind restauriert worden. "Wir haben versucht, den antiken Charme zu erhalten und möglichst viel zu restaurieren", berichtet Thomas Lindner. So befindet sich in der alten Eingangstür der ehemaligen Apotheke noch eine Schließklappe, die damals für den Nachtdienst zum Herausgeben von Medikamenten genutzt wurde.

Die Rundgänge durch die Augustusburger Altstadt beginnen am Sonntag, 10 und 14.30Uhr. Dazu gehören auch geführte Besichtigungen einzelner rekonstruierter Wohnhäuser. Die Teilnahme ist kostenlos.

Denkmaltag: Vom Hochzeitszauber bis zum Düsenwebautomat

In Freiberg befindet sich unter der Adresse Kirchgäßchen 1 mit Eingang zum Obermarkt das Pressehaus, welches in den Jahren 2002 und 2003 grundlegend saniert wurde. Die Innenausstattung der drei nebeneinander stehenden Grundstücke stammt aus Spätgotik, Renaissance und Barock und ist somit eindrucksvoller Zeuge der historischen Stadtentwicklung. Holzbalken- und Lehmfelderdecken, eine bemalte Holzbohlenwand oder der tonnengewölbte Keller können bei Führungen in der Zeit von 10 bis 17 Uhr erlebt werden.

In Flöha werden im Baustellenführungen im Neubaukomplex der Alten Baumwolle angeboten, der zu einem Einkaufszentrum umgebaut wird. Der Einblick auf der Baustelle ist jeweils ab 9, 10 und 11 Uhr möglich. Thema ist der Spagat zwischen den Anforderungen des Dankmalschutzes und einer zeitgemäßen Nutzung von denkmalgeschützter Bausubstanz.

Die Villa Gückelsberg veranstaltet am Sonntag einen "Hochzeitszauber". Von 11 bis 18 Uhr gibt es Angebote zum Thema Heiraten in der denkmalgeschützten Villa. 500 Hochzeiten wurden dort in den vergangenen zehn Jahren gefeiert. Der Eintritt kostet 5 Euro. Paare in Brautkleid und Hochzeitsanzug haben freien Eintritt.

In Braunsdorf ist die Schauweberei am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 10 Uhr wird die Dokumentation mit Zeitzeugen gezeigt. Jeweils um 11 und 14 Uhr gibt es Führungen durch die teils noch originalgetreu eingerichteten Produktionshallen. Ab 14Uhr hat die Kreativwerkstatt geöffnet. Der Förderverein übernimmt die gastronomische Betreuung.

In Hennersdorf hat die Alte Spinnerei von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen mit einer Besichtigung des Hauses und der angeschlossenen Wasserkraftanlage finden jeweils um 11, 13 und 15 Uhr statt. Es gibt Kaffee und Kuchen, Holzbretter können bemalt und farbenfroh gebeizt werden.

In Oederan wird ab 14 Uhr im Webereimuseum ein Düsenwebautomat vorgeführt. Dies soll die Erinnerungen an die Oederaner Stoffherstellung an der Eppendorfer Straße auffrischen. (wjo/mbe)

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