Baumkrone, Borke und Stamm immer fest im Blick

Im Zweifel besser fällen: Kommunen und Private überlassen bei der Begutachtung von Bäumen auf ihrem Grund und Boden nichts dem Zufall.

Oederan.

Wenn Sie dieser Tage einer Frau begegnen, die mit einem Hammer auf einen Baumstamm schlägt, dann bloß nicht wundern. Christiane Müller ist Baumkontrolleurin. Sie prüft für viele Behörden, aber auch für Privatpersonen, ob Bäume auf deren Gelände gesund und noch bruch- und standsicher sind. Eben hat sie im Auftrag der Stadtverwaltung Oederan ein Baumkataster erstellt. Das für Augustusburg ist in der Endfertigung. Und morgen verhandelt die Expertin mit Niederwiesa über ihre Dienstleistung.

"Ich finde Bäume beeindruckend. Sie verdienen Ehrfurcht und unseren Respekt", sagt Christiane Müller. "Während wir von ihnen als Sauerstoffproduzenten abhängig sind, kommen sie ohne uns aus. Und manchmal denke ich angesichts besonders alter Eichen oder Linden: Wenn sie erzählen könnten ..."

Christiane Müller ist gelernter Forstwirt und seit ihrem Studium in Tharandt Magister der Forstwissenschaften mit einer Zertifizierung durch die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau. Seit 2007 ist sie selbstständig im Bereich der Baumkontrolle. Lange war sie für das Landesamt für Straßenbau und Verkehr an Staats- und Bundesstraßen tätig. "Zunächst schaue ich mir die Krone an. So ergibt sich ein Bild von der Vitalität des Baumes", erklärt Christiane Müller, die in Pockau-Lengefeld Wohnung und Büro hat. "Danach begutachte ich den Stamm, ob dort eventuell Faulstellen infolge von Blitzeinschlag oder Anfahrschäden durch Autos zu finden sind." Auch auf Pilze richtet die Fachfrau ihr Augenmerk. Dabei unterscheidet sie zwischen weniger gefährlichen Arten wie dem Judasohr und gefährlichen Exemplaren wie etwa dem Schwefelporling. Der zersetzt sehr schnell den Stamm, sodass die Standsicherheit eines Baumes nicht mehr gewährleistet ist. Zuletzt nimmt Christiane Müller den Stammfuß unter die Lupe. Hier prüft sie auf freiliegende Wurzeln, Faulstellen und auch auf Pilzbefall.

Den Großteil ihres Arbeitstages verbringt die Expertin in der Natur. Zeitvorgaben, wie viele Bäume sie pro Tag zu begutachten hat, gibt es nicht. Kann es auch gar nicht, denn "jüngere Bäume habe ich ruckzuck fertig. Bei älteren hängt es dagegen von den Schadsymptomen ab, wie lange ich brauche", sagt die Mutter zweier Kinder. Als Werkzeug dient nicht nur der erwähnte Hammer, der zur Klangprobe genutzt wird. Auch auf die Bohrwiderstandsmessung und die Schalltomografie hat sich Christiane Müller spezialisiert. Über die Laufzeit des Schalls entsteht ein Bild, das den inneren Zustand des Baumes anzeigt.

"Eine Linde etwa, die innen längst hohl ist, kann außen noch einen gesunden Holzring haben. Ich muss aber bei meiner Einschätzung immer auf Nummer sicher gehen." Daher erlaube zum Beispiel auch eine gesunde Baumscheibe keine Rückschlüsse über den Zustand des gefällten Baumes.

In Sachen Sicherheit ist Christiane Müller nicht allein: "Zum Glück wächst das Bewusstsein dafür, dass Bäume gepflegt werden müssen." Einmal pro Jahr gehöre eine Sichtkontrolle einfach dazu. "Wenn etwas passiert, fragt die Versicherung nach, ob kontrolliert wurde."

Fällen dürfe man übrigens nur zwischen Ende Oktober und Ende Februar außerhalb der Vegetationsperiode. Ist jedoch Gefahr in Verzug, kann auch während der Vegetationsperiode gefällt werden. Allerdings sind stets die kommunalen Baumschutzsatzungen zu beachten, und die Untere Naturschutzbehörde muss eingebunden werden.

Ob die Dürre 2018 langfristig Schäden angerichtet hat, könne man jetzt noch nicht sagen. Zeit dafür ist im Frühjahr. Auch da ist Christiane Müller wieder mit Hammer unterwegs.

FLL-Baumkontrolleurin@gmx.de

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