Bayrische Gaudi lässt das Festzelt in Oederan beben

Zum siebenten Mal wurde auf dem Marktplatz der Stadt ein Oktoberfest gefeiert. Doch nicht nur Stimmungsmusik lockte viele Gäste an.

Oederan.

Hunderte Gäste am Freitag, Hunderte Gäste am Samstag, noch einmal richtig viele Gäste am Sonntag: Das Oktoberfest in Oederan am vergangenen Wochenende ist ein voller Erfolg geworden. "Wir sind hochzufrieden", sagte Marco Metzler vom veranstaltenden Stadtmarketingverein. "Dass am Samstag mit der Schmittband beste Stimmung herrschen würde, hatten wir schon im Vorfeld gedacht. Dass das Festzelt aber auch schon am Freitag fast komplett voll war, hat uns schon ein wenig überrascht und sehr gefreut."

An beiden Abenden hatten sich sehr viele Besucher so gekleidet, wie es sich für eine bayrische Gaudi gehört: Die Frauen kamen im eng geschnürten Dirndl, wobei penibel darauf geachtet wurde, dass die Schleife an der Schürze bei vergebenen Damen rechts und bei Singles links gebunden war. Und was so manche Besucherin erst auf dem Fest erfuhr: Auch in der Mitte (dann geht niemanden an, welchen Beziehungsstatus man hat) oder hinten (dann ist frau verwitwet, noch Kind oder aber Kellnerin) kann die Schleife getragen werden. Bei den Herren gibt es derartige Prozeduren nicht, hier wird einfach eine Lederhose zum karierten Hemd getragen - so auch in Oederan. Das Verkleiden kam an, auch bei André Funke aus Freiberg: "Das hier ist wie Fasching. Aber eben ohne das nervige Bühnenprogramm", sagte er und feierte.

Am gestrigen Sonntag wurden dann nur noch sehr wenige Menschen in Trachten gesichtet. Zum Konzert mit einer Udo-Lindenberg-Coverband ging es ruhiger zu, auch hier war das Festzelt zur Freude der Organisatoren gut gefüllt.

PRO UND KONTRA

Pro: Wenn eine Stadt drei Tage lang gemeinsam feiert, dann ist das doch wunderbar. Das sagt Redakteurin Katrin Kablau. Oktoberfest mitten in Sachsen - warum denn nicht?

Die einen nennen es Oktoberfest, die anderen eben halt Mottoparty. Völlig egal. Schick zurechtgemachte Mädchen und Frauen sind doch nun wirklich kein Grund, sich aufzuregen. Gern darf's ein bisschen mehr sein - wer's sich traut, lässt tiefer blicken. In Oederan haben am Wochenende Jung und Alt ausgelassen gefeiert - sie haben die Gemeinschaft gefeiert.

Die gut gelaunten Gäste ziehen Dirndl und Lederhosen an, lassen sich animieren zum Mitsingen, Klatschen, Tanzen - spätestens nach der zweiten Maß auf den Bänken. Es ist "wurscht", wer das Original zu bieten hat.Ein ausverkauftes Festzelt - in diesen Tagen nicht ungewöhnlich - ist das, was letztlich zählt. Gastgeber und Organisatoren können sich doch nichts Besseres wünschen, als wenn ihr Publikum zufrieden ist und ausgelassen feiert. Das Geld sitzt locker, die Kasse stimmt.

Kontra: Um gemeinsam zu feiern, muss man keine Traditionen aus anderen Regionen abkupfern. Das sagt Redakteur Thomas Reibetanz. Gerade Oederan hat doch viel mehr zu bieten.

Das viel zu teure Bier wird in den viel zu großen Gläsern schal, wenn man es nicht so schnell trinkt, dass man fast von der viel zu harten Bierbank kippt. Die Musik dröhnt unablässig aus den Boxen, die Lederhose kneift. Und das alles nur, damit man mal wieder gemeinsam Spaß hat? Das brauche ich nicht. Zumal man ja nicht mal dazu kommt, in Ruhe seine viel zu teure Weißwurst zu essen, weil der Nebenmann denkt, er müsse auf der viel zu wackligen Bierbank Sirtaki tanzen, sobald auf der Bühne wieder jemand "Cordula Grün" grölt.

Dass gemeinsam feiern auch ganz anders geht, hat Oederan erst in diesem Jahr bewiesen. Die "Fête de la Musique" im Juni war genial. Kleine Bühnen in der ganzen Stadt, die dafür wie geschaffen ist. Musik verschiedener Art, ausgelassene und dennoch gelassene Stimmung. Und Bier gab es auch. Nur Weißwurst nicht. Braucht auch niemand.

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