Bewegung am Unfallschwerpunkt

Wieder hat es in Oederan gekracht, wieder an der Kreuzung Gerichtsstraße mit der B 173. Wieder gab es Verletzte. Und wieder werden die Rufe nach der Umgehungsstraße laut. Die kommt auf absehbare Zeit nicht - doch für eine andere Lösung könnte bald Baustart sein.

Oederan.

Die Bundesstraße 173 durch Oederan bleibt für Autofahrer ein Ärgernis. Neben den Engstellen am Markt ist es vor allem die Kreuzung mit der Gerichtsstraße, an der es häufig zu brenzligen Situationen und auch zu schweren Unfällen kommt. Die Einmündung liegt an einer Kurve in einer Senke; die Sicht ist durch ein Haus direkt an der Kreuzung stark eingeschränkt. Erst am Montag kam es wieder zu einem Unfall, als ein Motorroller, der auf der Bundesstraße in Richtung Freiberg fuhr, von einem aus der Gerichtsstraße kommenden Pkw gerammt wurde. Der Rollerfahrer wurde schwer verletzt.

"Wenn Unfälle passieren, sind immer Menschen beteiligt, die Fehler machen", sagt Oederans Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler). "Es ist dennoch allen klar, dass diese Kreuzung gefährlicher ist als andere." Deshalb sei man schon seit längerer Zeit gemeinsam mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Gesprächen und Planungen, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen.

Dabei geht es um den Bau eines Kreisverkehrs, und der rückt nach vielen Jahren der Vorplanung nun etwas näher. "Im Grunde fehlt nur noch die Zustimmung aller Anlieger, dann kann Baurecht erteilt werden", sagt Bürgermeister Schneider.

Mit den Grundstücksbesitzern muss dabei unter anderem abgestimmt werden, ob verschiedene Flächen für den Zeitraum des Baus - zum Beispiel für das Aufstellen von Containern oder das Abstellen der Baumaschinen - genutzt werden dürfen. Auch muss geklärt werden, wie Geschäftstreibende in der unmittelbaren Umgebung der Kreuzung auch während der für etwa neun Monate angesetzten Bauzeit erreichbar sein können.

Der Stadtrat indes hat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für den Bau des Kreisels gegeben. Nach einer längeren Debatte mit vielen Fragen der Räte stimmten diese mehrheitlich dafür, dass das Lasuv bauen darf. Den Fragen stellte sich zur Sitzung Jens Geu, Referatsleiter für Planung im Landesamt. Er konnte unter anderem diejenigen beruhigen, die sich um Staus im Winter sorgen, weil Lastwagen in der Senke keinen Schwung mehr holen können. "Die Straße ist an dieser Stelle noch nicht so steil, dass ein Lkw nicht aus dem Stand anfahren könnte", sagte Geu. Er betonte, dass der Randbereich der Mittelinsel planmäßig befahrbar sei, sodass Lkw im Bedarfsfall auch relativ gerade durch den Kreisverkehr kommen könnten.

Wann genau der Umbau der Kreuzung beginnen könnte, ist noch offen. Während Bürgermeister Schneider auf das kommende Jahr hofft, heißt es aus der Pressestelle des Lasuv: "Einen belastbaren Termin für einen möglichen Baubeginn können wir noch nicht benennen, da in dieser frühen Planungsphase die Erlangung des Baurechts zeitlich schwer abzuschätzen ist. Wir wollen im ersten Halbjahr 2020 den Vorentwurf abschließen und dann darauf basierend die Baurechtsunterlagen erstellen."

Beim Wunsch, eine andere gefährliche Stelle der B 173 in Oederan zu entschärfen, haben die Stadträte unterdessen eine Niederlage eingesteckt. Das Landratsamt lehnte den Antrag auf die Einrichtung einer Tempo-30-Zone am Markt und in der Chemnitzer Straße ab. "Gegen diese Entscheidung werden wir aber Widerspruch einlegen", sagte Steffen Schneider.


Kommentar: FaktorMensch

Elf Sekunden. Elf Sekunden vor uns erreichte der junge Mann in seinem Sportwagen die Kreuzung in Flöha. Nachdem er ab Freiberg 15 Kilometer lang versucht hatte, uns schneller zu machen, indem er unfassbar nah auffuhr. Und uns nahe Oederan waghalsig überholte. Dass vor uns im Berufsverkehr viele weitere Autos ein schnelleres Fahren unmöglich machten, interessierte ihn nicht. Er wollte Gas geben. So kam es an mehreren Stellen entlang der B 173 zu brenzligen Situationen.

Dass eine Kreuzung zum Unfallschwerpunkt wird, liegt nicht nur an der Bebauung, sondern am Faktor Mensch, der das Fahrzeug steuert. Dennoch schieben viele die Schuld auf die Behörden, die nicht schnell genug handeln würden - wie beim Bau des Kreisverkehrs in Oederan. So wie wir Schuld hatten, als wir den jungen Mann in seinem Sportwagen nicht schnell genug fahren ließen.

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