Bikerin setzt 500 Euro Belohnung aus

Facebook-Fahndungen sind inzwischen gängige Praxis. Eine Rochlitzerin, der zu Himmelfahrt das Motorrad vor dem Schloss Augustusburg gestohlen worden war, geht noch einen Schritt weiter.

Augustusburg/Rochlitz.

Es ist ein verzweifelter Versuch: Die Bikerin, der zu Himmelfahrt auf dem Besucherparkplatz Südseite von Schloss Augustusburg die Kawasaki Z 750 gestohlen worden war, hat für sachdienliche Hinweise eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt. Sie will ihr Motorrad nicht abschreiben. "Einfach traurig: Es erschreckt mich sehr, dass in der heutigen Gesellschaft jemand so etwas tut", sagt die junge Frau aus dem Raum Rochlitz. Sei sei vorsichtig geworden, möchte aus diesem Grund anonym bleiben.

Rückblende: Es sollte eine schöne Feiertagsrunde gemeinsam mit der Freundin werden. Als die beiden Frauen mit den Motorrädern auf den Parkplatz Südseite fuhren, standen dort eine Vielzahl von Maschinen. Nach kurzem Überlegen habe sie ihre Kawasaki noch einmal umgeparkt - in Reihe mit den anderen - und das Lenkerschloss geschlossen.


Später gibt die Bikerin zu Protokoll, dass sie sich, um einige Fotos zu machen, nicht einmal 20 Minuten entfernte. Umso größer der Schock! "Wenn Mädels vom Motorrad absteigen, da ist es nicht ungewöhnlich, dass geguckt wird. Aber nicht, um einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten, um zu stehlen."

Zweimal binnen kurzer Zeit hatten Motorraddiebe auf dem Schloss-Parkplatz zugeschlagen. Während der Besitzer einer Kawasaki VN 900 am 1. Juni das Schloss erkundete, verschwand seine Chopper. Zeitwert: circa 8500 Euro. In den beiden besagten Fällen dauerten die Ermittlungen wegen des besonders schweren Diebstahls noch an, bestätigt Andrzej Rydzik, stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, auf Anfrage der "Freien Presse". Die Chopper war bereits einen Tag später auf einem Feldweg zwischen Sehma und Cunersdorf (Erzgebirgskreis), in der Nähe der Straße Bergblick, entdeckt worden.

Dieses Motorrad, sagt Andrzej Rydzik weiter, sei kriminaltechnisch untersucht worden. Die Ergebnisse der Spuren-Untersuchungen stünden noch aus. Es sei durchaus möglich, dass beide Motorräder vom selben Täter oder denselben Tätern gestohlen wurden. Auch aus diesem Grund laufe die Sachbearbeitung in beiden Fällen beim Kriminaldienst des Polizeireviers Mittweida zusammen.

Andrzej Rydzik: "Nach dem ersten Motorrad-Diebstahl haben uns zwei Zeugenhinweise erreicht, die bereits geprüft wurden. Die heiße Spur war nicht dabei. Unabhängig davon werden noch Bildsequenzen einer in Tatortnähe am 30. Mai laufenden Überwachungskamera ausgewertet. Zudem wurden bereits unmittelbar nach dem Diebstahl im Rahmen der Umfeldermittlungen mögliche Zeugen befragt. Jedoch waren keine konkreten Hinweise auf Personen oder potenzielle Transportfahrzeuge zu erlangen."

Ein Schwerpunkt der kriminalistischen Arbeit seien Motorrad-Diebstähle im Bereich Augustusburg nicht. Hinsichtlich der Fälle von Diebstählen von Mopeds oder Motorrädern gehen folgende Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor: 2018 gab es im Landkreis Mittelsachsen 60 derartige Diebstähle (2017: 61 Fälle), von denen 15 Prozent (2017: 26 Prozent) aufgeklärt werden konnten.

Die Hoffnung, ihre schwarz-weiße Kawasaki wiederzubekommen, will die Rochlitzer Bikerin nicht aufgeben. Gleich nach der telefonischen Anzeige des Diebstahls bei der Polizei postete sie auf Facebook ein Bild von der Z 750 mit dem Kennzeichen RL Z 750. Das Motorrad weist einige optische Besonderheiten auf - beispielsweise einen weißen Sitz für den Sozius, goldfarbene Kupplungsgriffe und einen Sportauspuff. Inzwischen ist der Post fast 700-mal geteilt worden - unter anderem auch nach dem Bericht auf der Seite "Freie Presse Flöha".

Was die "Facebook-Fahndungen" angeht, so sind sie insbesondere bei Diebstählen von Fahrzeugen jeglicher Art - auch Fahrrädern - mittlerweile gängig. Polizeisprecher Andrzej Rydzik: "Für uns stellen derartige ,Fahndungen' nach Gegenständen/Sachdingen zunächst kein Problem dar. Mitunter profitieren wir auch davon - in Form von Zeugenhinweisen. Wichtig ist uns allerdings, dass die Betroffenen den Diebstahl umgehend anzeigen und keine wertvolle Zeit verstreichen lassen." So sei die Chance durch Sofortfahndungen gegeben, dass Polizeistreifen die gestohlenen Fahrzeuge in ihren Zuständigkeitsgebieten möglicherweise ausfindig machen.


Das Problem: In Sekundenschnelle ist das gesicherte Motorrad verladen

Das Angebot an Sicherungssystemen für Motorräder ist mittlerweile vielfältig. Es reicht von elektronischen Wegfahrsperren, diversen Alarmanlagen bis hin zum bekannten Bremsscheibenschloss oder auch mechanischen Vorrichtungen, die Gasgriff und Bremshebel blockieren. Das alles macht es Dieben schwer, Motorräder oder Mopeds zu stehlen. Deshalb seien die Mechanismen aus Sicht der Polizei für den Diebstahlschutz unterwegs zu empfehlen.

Im Vergleich zu Autos haben Motorrad- oder Mopedbesitzer aber ein generelles Problem. "Trotz aller Sicherungen können sie im Zweifel von zwei Tätern oder gar einer Person in Sekundenschnelle unbemerkt beispielsweise in Transporter verladen werden", sagt Polizeisprecher Rydzik.

GPS-Ortung wiederum, die sich immer größerer Beliebtheit bei Bikern erfreut, verhindert jedoch keine Diebstähle. Sie erhöht mitunter jedoch die Möglichkeit, ein gestohlenes Fahrzeug wiederzufinden, heißt es von der Polizei. (ka)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...