Brauhaus Freiberg: Kündigungen drohen

Die Radeberger Gruppe will Vertrieb und Verwaltung zentralisieren. Zudem soll so auch der Generationswechsel abgefedert werden. Denn Teile der Geschäftsführung gehen in den Ruhestand.

Freiberg.

Die Presseabteilung der Radeberger Gruppe stellt gestern das Positive der neuesten Entwicklungen heraus. "Erst einmal die gute Nachricht: Das Freiberger Brauhaus bleibt das Freiberger Brauhaus", teilt eine Konzernsprecherin mit. Die Brauerei werde ihren "hervorragenden Job in unserem umkämpften Markt natürlich mit unveränderter Schlagkraft fortsetzen". Die Charmeoffensive hat ihren Grund. Gestern hatte die "Bild"- Zeitung Details einer internen Versammlung öffentlich gemacht, bei der die Freiberger Geschäftsführung die Angestellten über Veränderungen in den nächsten Monaten unterrichtet hatte. Der Konzern bestätigte sie gestern. Und noch mehr: Es drohen Kündigungen.

Im Kern geht es laut Konzernangaben bei den Entscheidungen darum, Geschäftsbereiche des Freiberger Brauhaus zum 1. Januar 2018 an den Mutterkonzern abzugeben. Die Entscheidung dazu fiel bereits Ende April. Nun sollen zwei Bereiche, die Verwaltung und der Vertrieb, in die zentralen Strukturen des Konzerns in Berlin, Frankfurt und Dortmund integriert werden. Künftig wird das Freiberger Brauhaus beispielsweise nicht mehr in eigenem Namen Rechnungen verschicken. Sie sollen vom Mutterhaus versendet werden. Auch die eigene Vertriebsmannschaft wird aufgelöst.


Der Radeberger Konzern teilt auf Anfrage mit, dass im kaufmännischen Bereich der Verwaltung für fünf Beschäftigte eine Lösung gefunden werden muss. Bei der Vertriebsmannschaft könnten vielleicht zwölf Stellen ganz entfallen. Die anderen Mitarbeiter würden andernorts integriert werden können. Eine genaue Zahl nannte die Konzernsprecherin nicht. Man habe versucht, "entstehende Härten" so klein wie möglich zu halten. Insgesamt hat das Freiberger Brauhaus 145 Mitarbeiter.

Für die Belegschaft kam die Ankündigung am Freitag überraschend, wie Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) bestätigte. Noch im Februar hatte das Freiberger Brauhaus schließlich ein neues Eingangsgebäude vorgestellt, in dem neue Büros unter anderem für den Vertrieb geschaffen worden waren. Man werde nun versuchen, in den anstehenden Gesprächen mit der Geschäftsführung "die Angestellten so teuer wie möglich zu verkaufen", sagte Lißner. So sollen die Einschnitte für sie möglichst gering gehalten werden.

Der Freiberger Betriebsrat äußerte sich gestern nicht gegenüber der "Freien Presse". Sein Vorsitzender sei diese Woche nicht im Haus, hieß es auf Anfrage. Die Gewerkschaft NGG schloss aber Streiks oder andere Arbeitskampfmaßnahmen erst einmal aus.

Die Radeberger Gruppe begründet die Umstrukturierungen in Freiberg mit dem schwierigen Biermarkt. Seit Jahren ist der Bierkonsum in Deutschland rückläufig. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hatte vor wenigen Wochen eine Studie vorgestellt, wonach jeder Deutsche 2016 im Durchschnitt rund 74 Liter Bier und Biermix-Getränke kaufte und dafür knapp 90Euro ausgab.

Damit sank der Absatz mengenmäßig um rund 2,3 Prozent. Auch die Radeberger Gruppe hatte im vorigen Jahr nach eigenen Angaben mit diesem Trend zu kämpfen. Der Getränkeumsatz ging um ein Prozent zurück, auch wenn der Umsatz um rund 1,5 Prozent gesteigert werden konnte. Niels Lorenz aus der Geschäftsführung sprach von "tiefen Einschnitten", vor denen der Biermarkt stehe.

Zum anderen will die Radeberger Gruppe nach eigenen Worten mit der engeren Anbindung an das Mutterhaus auch den baldigen Wechsel in der Geschäftsführung des Freiberger Brauhauses abfedern. Steffen Hofmann, Mitglied der Geschäftsführung, wird im November dieses Jahres in den Ruhestand gehen. Michael Eßlinger, Sprecher der Geschäftsführung, folgt rund ein Jahr später. "Wir wollten den Übergang ,ihres' Freiberger Brauhauses in die neue Anbindung gerne mit der tatkräftigen Unterstützung der beiden Kenner des Brauhauses und seiner Menschen umsetzen", sagte eine Konzernsprecherin.


Kommentar: Kein Trost

Das Freiberger Brauhaus ist eine Institution in der Region. Von daher sorgt die Ankündigung der Radeberger Gruppe für einiges Aufsehen. Schließlich war das Freiberger Brauhaus bisher stolz darauf, seine Eigenständigkeit auch in der Radeberger Gruppe gewahrt zu haben. Damit ist es nun wenigstens ein Stück weit vorbei.

Die Frage ist allerdings, was die Alternative gewesen wäre. Als eigenständige Brauerei hätte das Freiberger Brauhaus wahrscheinlich Mühen, auf den Markt zu bestehen. Im Radeberger Konzern sind die Chancen da größer. Dass dieser Vorteil auch mit Einschnitten verbunden ist, zeigt sich jetzt. Den Mitarbeitern, die nun ihren Arbeitsplatz wechseln oder verlieren, ist das aber wahrscheinlich kein großer Trost.

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