Brexit wirft Schatten voraus

In 54 Tagen könnten die Briten die EU verlassen. Die IHK schätzt, dass etwa 1000 Unternehmen in der Region davon betroffen sind. Hiesige Unternehmer berichten.

Flöha/Freiberg.

Mehr als 1100 Kilometer trennen Flöha und London. Der Brexit scheint weit weg, doch er ist näher als gedacht. Auch hiesige Unternehmen beobachten die zähen Verhandlungen. Denn: Einige der örtlichen Firmen trifft der Austritt und seine Folgen.

Spiga Flöha: Das Textilunternehmen mit Sitz in Falkenau produziert jährlich 200 Tonnen Spitze und hat Geschäftsbeziehungen auf der Insel. Ein unkoordinierter Brexit würde das 1993 gegründete Familienunternehmen hart treffen. "Wir exportieren zwar recht wenig nach Großbritannien, aber anfallende Zölle würde unseren Handel beeinträchtigen", sagt Angela Uhlmann, die bei Spiga für die Buchhaltung verantwortlich ist. Ein Handelsabkommen mit den Briten sei daher nach den Worten von Angela Uhlmann sehr wichtig, um die Beziehungen und den Warenaustausch auch weiterhin aufrechterhalten zu können.


Westernbedarf Halang: Eva-Maria Halang aus Freiberg hat jahrelang sehr intensive Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien gepflegt. Mit ihrem Mann führt sie ein Geschäft für Westernbedarf, das sich mit zwei Näherinnen auf die Herstellung von historischen Zelten spezialisiert hat.

Ob Römer, Mittelalter oder Wikinger: Anfragen kommen aus der ganzen Welt. "In Großbritannien gibt es eine relativ große historische Szene und mehrere große Messen, wo Händler zusammenkommen und Waren verkaufen", erzählt sie. Doch als im Juni 2016 das Volk für den Brexit gestimmt hatte, "ging es rapide abwärts", so Halang. "Die Briten sind vorsichtiger geworden. Statt nach außen zu gehen, bleiben sie nun lieber bei einheimischen Partnern", schildert sie. Der Export von Zelten nach Großbritannien sei kaum noch der Rede wert. Etwa 20 Prozent des Umsatzes seien dadurch weggebrochen.

Flexitex Kunnersdorf: "Uns betrifft der Brexit zum Glück nicht. Wir verfolgen die Verhandlungen und das langwierige Hin und Her nur in den Medien", sagt Carmen Uhlmann. Sie ist Chefin von Flexitex, die Kleidung für die Industrie herstellen. Aber auch sie kann nachvollziehen, dass es andere Unternehmen in der Region trifft. "Ich hoffe für alle, dass gute Regelungen für den Handel getroffen werden", sagt sie weiter.

IHK: Die Industrie- und Handelskammer Chemnitz schätzt, dass im Kammerbezirk Chemnitz - dazu zählt auch Mittelsachsen - etwa 200 bis 300 Unternehmen direkt und 700 bis 800 indirekt vom Brexit betroffen sind. Zudem haben aktuell 15 britische Unternehmen ihren Sitz in Mittelsachsen. Auch für sie werde der Brexit Folgen haben, teilt Annette Schwandtke, Geschäftsführerin der IHK-Regionalkammer Mittelsachsen, mit. Sie erklärt: Die schleppenden Verhandlungen und die fehlende Ratifizierung eines Abkommens mit Großbritannien bringen Planungsunsicherheit für die Unternehmen und verhindern Investitionen. Bei einem ungeordneten Brexit fällt für Unternehmen die Freizügigkeit für den Waren-, Personen- und Dienstleistungsverkehr weg, die durch den Binnenmarkt bislang garantiert wird. Ein No-Deal-Brexit bedeutet Bürokratiebelastung und Mehrkosten für die Unternehmen.

Checkliste Die IHK stellt auf ihrer Internetseite für Unternehmen eine Brexit-Checkliste bereit: www.ihk.de/brexitcheck

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