Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Grünhainichen

In der "Alten Schule" in der Erzgebirgsgemeinde ist die Hälfte des Personals und der Bewohner infiziert. In Mittelsachsen sieht eine Regelung des Landkreises künftig Obergrenzen beim Feiern vor.

Grünhainichen/Freiberg.

Mit der "Alten Schule" in Grünhainichen ist in einem weiteren Pflegeheim im mittleren Erzgebirge das Coronavirus ausgebrochen. 27 der 48 Bewohner und 24 der 49 Beschäftigten wurden positiv getestet, teilte das Landratsamt am Montagabend mit. Nach einem ersten positiven Test in den Reihen des Personals am vergangenen Dienstag seien alle Bewohner und Beschäftigten der Einrichtung unverzüglich getestet worden. Die deutliche Erhöhung der Infektionszahlen sei erst am Montag und am Wochenende amtlich bekannt geworden.

Der Erzgebirgskreis hat derweil am Montag festgelegt, ab sofort auf seiner Internetseite nur noch Infektionszahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu veröffentlichen. Damit reagiert die Behörde nach eigenen Angaben auf häufige Unstimmigkeiten. "Die Zahlen des RKI basieren auf den Meldungen des Gesundheitsamts des Erzgebirgskreises", erklärte ein Sprecher. Nachdem der Landkreis am Freitag 1418 Corona-Infizierte gemeldet hatte, stieg deren Anzahl mit Stand Montag, 0 Uhr, laut RKI auf 1581. Die Inzidenz der Fälle der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner lag demnach bei 126,9.

Mit einer neuen Verfügung reagiert der Landkreis Mittelsachsen hingegen auf die steigenden Corona-Infektionszahlen in Mittelsachsen. "Da am Wochenende der Landkreis die Marke von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten hat, muss das Landratsamt eine Allgemeinverfügung erlassen", erklärte am Montag Kreis-Sprecher André Kaiser. Die ursprünglich für Montag angekündigte Neuregelung soll nach seinen Worten nun voraussichtlich am heutigen Dienstag erlassen werden. "Geregelt wird darin beispielsweise, dass Familienfeiern in Gaststätten mit maximal 50 Personen stattfinden können und dass bei Betriebs- und Vereinsfeiern bis 25 Personen zulässig sind. Außerdem müssen beispielsweise Hotels und Gastronomiebetriebe die Daten von Gästen zur Nachverfolgung erheben", kündigte Kaiser an.

Nach zahlreichen neuen festgestellten Coronafällen in den vergangenen Tagen hatte der Landkreis zum Wochenwechsel die für die Entscheidung wichtige, erste kritische Marke gerissen: Mit 35,8 bekannten Fällen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen laut Statistik des Robert-Koch-Institutes vom Montag lag man über dem Grenzwert von 35. Am Montagnachmittag gab das Sächsische Sozialministerium den Wert 36,2 an.

Das Kreis-Gesundheitsamt meldete am Montag zwei weitere positive Befunde an die Landesregierung. Somit registrierte die Behörde seit März 590 Fälle und erstellte 2902 Quarantänebescheide. 2371 Personen verließen die Quarantäne wieder. Zuletzt waren am Sonntag in Mittelsachsen 26 neue Coronafälle gemeldet worden. Am Samstag waren es 22, am Freitag 21 Fälle.

Das Gesundheitsamt nimmt, unterstützt vom DRK, durchschnittlich 50 Tests pro Tag vor, wobei die Betroffenen zeitlich versetzt bestellt werden. "Größere Testungen gab es in den vergangenen Tagen an der Grundschule Mohsdorf und einer Kita in Lichtenau." Die Ergebnisse liegen laut Kaiser noch nicht vollständig vor. Derzeit laufe zudem die Kontaktermittlung des Hortes in Mohsdorf, wo ein Kind positiv getestet wurde.

Schnell reagiert hat die Bundeswehr auf ein Hilfeersuchen aus dem Kreis: Zur Unterstützung des Gesundheitsamtes arbeiten seit Montag 13 Bundeswehr-Soldaten in der Behörde. "Die Soldaten werden eingearbeitet durch das Personal des Gesundheitsamtes, sie unterstützen die Behörde." Laut Kaiser verstärken sie hauptsächlich die Rechercheteams zur Kontakt-Nachverfolgung. Auch Mitarbeiter der Stadt Freiberg sind im Einsatz.

Wegen eines Corona-Verdachtsfalls ab sofort geschlossen ist die Freiberger Tourist-Information. Das teilte der amtierende Oberbürgermeister Holger Reuter am frühen Montagnachmittag mit. Er ergänzte: "Sobald die Ergebnisse der Schnelltests vorliegen, informieren wir weiter." Zunächst gelte die Schließung für Montag und Dienstag, ist der Internetseite der Stadt zu entnehmen. In dringenden Fällen stehe montags bis Freitags, 10 bis 18 Uhr der Bereitschaftsdienst unter Ruf 03731 273-664 zur Verfügung. (mik/grit/hh/rickh)

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