Damit auch Töchter eine Chance haben

Heike und Andreas Koinzer aus Erdmannsdorf kennen Nepal von ihren Reisen. Mit ihrem Verein "Upaka" unterstützen sie Mädchen in dem armen Himalaya-Land.

Erdmannsdorf.

6500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Erdmannsdorf und Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal. Nicht nur die vielen Kilometer trennen die beiden Orte. Auch der Wohlstand, das Gesundheitswesen oder die Bildungschancen liegen weit auseinander. Um Kindern, speziell Mädchen, Chancen auf eine gute Schulbildung zu geben, wurde vor fast drei Jahren der Verein "Upakar" in Erdmannsdorf gegründet.

"Upakar heißt ,Helfende Hand'", sagt Heike Koinzer. "Man kann das Wort auch mit ,Glück' übersetzten." Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas, einer ihrer Töchter und vier weiteren Freunden gründete sie im Mai 2016 den Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, Mädchen in Nepal einen Schulbesuch und eine damit bessere Zukunft zu ermöglichen.


Die meisten Einwohner Nepals sind Hindus und Buddhisten. "Sie leben in bescheidenen Häusern und betreiben größtenteils Landwirtschaft für den Eigenbedarf oder führen traditionelle Handwerke aus. Besonders auf dem Land, wo die Armut sehr groß ist, werden Kinder in die täglichen Arbeiten einbezogen", berichtet Heike Koinzer. "Da Töchter nach der Hochzeit zur Familie des Mannes ziehen und die Söhne als ,Altersvorsorge' zu Hause bleiben, ist es oft nur den Jungen vorbehalten, eine Schule zu besuchen. Die Mädchen müssen im Haus helfen, auf dem Feld arbeiten oder werden schlimmstenfalls nach Indien verkauft. Durch fehlende Schulbildung ist es den Mädchen nicht möglich, einen Beruf zu erlernen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen."

Sie hätten auf Rundreisen die Armut im Land gesehen, berichtet die Erdmannsdorferin. "Die Idee, helfen zu wollen, gab es schon länger. Wir haben aber drei, vier Jahre gebraucht, um den richtigen Weg zu finden." Zusammen mit dem nepalesischem Freund Lakpa Sherpa wurde überlegt, was man tun könnte. "Er ist jetzt unsere Kontaktperson in Kathmandu und organisiert alles vor Ort", sagt Kathleen Hösel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Durch Werbung und Mundpropaganda hat es der Verein geschafft, in kürzester Zeit 40 Unterstützer für die Sache zu gewinnen. "Für 30Mädchen konnten wir schon Paten finden", freut sich Heike Koinzer über die Resonanz. Eine Patenschaft für ein Mädchen kostet 30 bis 40Euro im Monat. "Davon werden das Schulgeld, die Schuluniform, Sportkleidung, Unterrichtsmaterial und ein warmes Essen bezahlt."

Lakpa Sherpa kümmert sich vor Ort darum, dass das Geld in der Schule bezahlt wird. Er ist es auch, der Vorschläge nach Sachsen durchgibt, welche Mädchen als Nächstes unterstützt werden können.

Im vergangenen Jahr waren Heike und Andreas Koinzer wieder auf Rundreise in Nepal. Dabei haben sie selbstverständlich auch Zeit mit "ihren" Kindern verbracht. Jedes Mädchen hat vom Verein einen Schulranzen bekommen, bestückt mit kleinen Naschereien und Schulmaterial. "Es macht einfach total glücklich, und es wird einem warm ums Herz, wenn man die leuchtenden Kinderaugen sieht. Es ist ein herrliches Gefühl, manchmal kommen auch Tränen der Freude. Wir sehen, wie sich die Kinder mit der Hilfe des Vereins und der Unterstützung der Pateneltern entwickelt haben. Sie sind selbstbewusster geworden, lernen fleißig und freuen sich, eine Schule zu besuchen zu können. Wir bekommen jährlich die Zeugnisse und sehen die sehr guten und guten Resultate", berichtet Heike Koinzer von der letzten Begegnung.

"Wir freuen uns über jeden neuen Paten, der bereit ist, für einige Jahre ein Kind finanziell zu unterstützen. Wir sind aber auch glücklich, wenn man uns durch Spenden weiterhilft", sagt Andreas Koinzer. Bis auf eine kleine Aufwandsentschädigung für Lakpa Sherpa, der etwas Geld für seine Arbeit vor Ort bekommt, geht jeder Cent in die Schulbildung der Mädchen. "Weil wir ein eingetragener Verein sind, dürfen wir auch Spendenquittungen ausstellen", sagt Andreas Koinzer.

Die nächste Tour nach Nepal ist für 2020 geplant. Bis dahin hoffen die Mitglieder auf neue Unterstützer oder Paten, die helfen wollen, einigen Mädchen in Nepal eine Chance auf ein besseres Leben zu geben.

Kontakt Der Verein ist im Internet vertreten und kann unter Telefon 037291 20204 erreicht werden. www.upakar.de

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