Der fünfte Streich der Gahlenzer

Die überdimensionalen Pyramiden aus dem kleinen Dorf stehen bereits in Sachsen, Japan und Amerika. Das neueste Exemplar wird noch in dieser Woche über den Atlantik nach Alabama verschifft.

Gahlenz.

Sie kommt auf neun Meter Höhe. Die dritte Großpyramide, die in diesen Tagen bei der Firma Erzgebirgische Volkskunst in Gahlenz gebaut wird, geht in die USA. Derzeit wird sie für den Export vorbereitet. Darüber hat Geschäftsführer Gundolf Berger informiert. Die Figuren auf der Pyramide sind typisch für Amerika: der Sheriff mit dem goldenen Stern und der Feuerwehrmann mit dem markanten Helm.

Auf einem der sechs Teller der Konstruktion steht auch die Figur von Johann Gottfried Cullmann. "Dieser wanderte 1866 aus Rheinland-Pfalz aus. Im Bundesstaat Alabama gründete der Unternehmer die Stadt, die später nach ihm benannt wurde", sagt Geschäftsführer Berger. Die beiden bisher für den amerikanischen Markt produzierten Großpyramiden stehen in den Bundesstaaten Texas und Colorado, so der 64-Jährige.


32 Figuren werden die neue Pyramide zieren - die größten sind fast einen Meter groß, die kleinsten 40 Zentimeter. Neben landestypischen Exemplaren zieren auch Bergmann, Engel und andere Vertreter des Erzgebirges die Arbeit.

Die Gahlenzer Holzkünstler gelten als die Experten für Großfiguren und Riesenpyramiden. Mit der 14,60 Meter hohen Striezelmarkt-Pyramide für Dresden schaffte es das Unternehmen 1997 ins Guinnessbuch der Rekorde. Für den Weihnachtsmarkt in Tokio hatten sie vor vier Jahren eine Weihnachtspyramide gebaut, die nur zehn Zentimeter kleiner ist als das Dresdner Rekordbauwerk. Im Sommer vergangenen Jahres entstand eine gut fünf Meter hohe Weihnachtspyramide für ein Casino in Cripple Creek, südlich von Denver (USA).

"Dieses Exemplar zeigt das kunsthandwerkliche Können in unserer Region", so Gundolf Berger selbstbewusst. "Da kommt nichts von der Stange; alle Bauteile sind extra für diesen Auftrag angefertigt worden", ergänzt der Firmenchef, der das Gewicht der Pyramide mit rund fünf Tonnen beziffert. Hinzu kommen 600 Kilogramm schwere Gewichte, um die Standfestigkeit zu gewährleisten.

Ein Mehrwert der Konstruktion: Alle Pyramidenkomponenten passen in einen Seecontainer. "Allein der vier Meter große Stahlunterbau, den ein Großwaltersdorfer Schmied anfertigte, bringt zwei Tonnen auf die Waage", so Berger. Eine Herausforderung seien Beleuchtung und Antrieb gewesen. "Der amerikanische Markt kennt nicht die 230-, sondern 110-Volt-Stromversorgung. Darauf mussten wir uns einstellen." Die langjährige Erfahrung im Unternehmen helfe, Spezialanfertigungen zu realisieren. "Seitdem wir die Dresdner Striezelpyramide gebaut haben, ist viel handwerkliches Wissen hinzugekommen. Dafür stehen beispielsweise die Flügel, die erheblichen Wind- und Wetterbelastungen ausgesetzt sind", so Berger.

Noch Ende der Woche wird die jetzt zur Probe teilaufgebaute Pyramide, die in keine Werkhalle mehr passt, für die Seereise verpackt und dann nach Amerika geschickt. Sobald die Fracht jenseits des Atlantiks eintrifft, werden zwei Gahlenzer Holzfachleute nach Amerika aufbrechen, um das Kunstwerk im 14.500-Einwohner-Städtchen Cullman aufzubauen. Letzteres liegt in dem gleichnamigen County (Landkreis) im Südosten der USA liegt.

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