Der Kampfjet in der Werksruine

Im Oederaner Ortsteil Wingendorf verfällt eine ehemalige Fabrik. Laut ihrem Besitzer soll sich daran bald etwas ändern. Und auch ein Geheimnis aus dem Inneren der zerstörten Gebäude soll dann gelüftet werden.

Wingendorf.

Es ist einige Zeit her, da haben sich Bewohner des eher beschaulichen Örtchens Wingendorf verwundert die Augen gerieben. Ein Kampfjet - allerdings flügellahm - rollte auf einem großen Anhänger durch die kleine Gemeinde, die zu Oederan gehört. Grund zur Sorge hatte deswegen niemand. Doch warum das Militärflugzeug durch das verschlafene Dorf rollte, wusste auch niemand so genau.

Des Rätsels Lösung kann nun ein Mann liefern, der aus seinem Namen aber ein Geheimnis macht - noch. "Ich möchte mich mitsamt meiner Firma zu erkennen geben, wenn die Baumaßnahmen auch wirklich gestartet sind", sagt der Mann, der aus der Berliner Region stammt. Bauen will er an den Gebäuden in Wingendorf ab diesem Frühjahr. Das ist auch dringend notwendig.

Denn die ehemalige Tuchfabrik an der Talstraße zwischen Frankenstein und Bräunsdorf verfällt zusehends. Anwohnern und Wanderern macht vor allem das große Fabrikgebäude direkt an der Straße Sorgen. Denn wenn das zusammenfällt, könnten die Mauer- und Dachteile auch Autos oder Menschen treffen. "Um dieses Gebäude werden wir uns auch zuerst kümmern, wir wollen es absichern", sagt der Investor.

Danach soll Stück für Stück auch der Rest des Areals saniert werden. Abreißen ist dabei keine Option, denn die ehemalige Fabrik steht unter Denkmalschutz. "Leider auch der große Schornstein", sagt der Investor. "Den braucht kein Mensch mehr, er muss aber stehen bleiben. Das wird wohl einer der teuersten Posten."

Insgesamt will der Berliner etwa 10 Millionen Euro in die Sanierung des Areals investieren, nach eigenen Angaben kommt das Geld komplett aus eigener Tasche. Wenn alles fertig ist, soll die Zentrale eines Forstbetriebes samt Maschinenpark dort ihren Standort haben.

In dem riesigen Gebäudekomplex, zu DDR-Zeiten Betriebsstätte des VEB Technische Textilien Meerane, wurde bis zur Wende unter anderem Zwirn für Sport- und Campingartikel und für Uniformen hergestellt. Nach der Wende war der Betrieb einer der ersten, der schließen musste, die Gebäude verfielen. "Es ist ein Glück für unseren Ort, dass sich ein Investor gefunden hat, der diese Gebäude retten will", sagt Ortsvorsteher Gunter Hammer. "Ich bin mit dem Mann in Kontakt, er war auch schon oft im Ort zu Besuch. Deshalb bin ich überzeugt, dass das Projekt gelingen wird."

Laut Pressestelle des Landratsamtes Mittelsachsen wurde für die Sanierung der ehemaligen Fabrik ein bauplanungsrechtlicher Vorbescheid erteilt. Ein Bauantrag liege jedoch noch nicht vor. "Dafür muss ich mich erst noch mit dem Denkmalschutz einigen", sagt der Investor. "Ich bin aber optimistisch, dass wir bis zum Frühjahr alles geklärt haben."

Ob die Gebäude, von denen die Verwaltungs- und Wohneinheiten in ihrer Bauweise an ein kleines Schloss erinnern, nur für das Forstunternehmen genutzt werden, sei noch offen. "Es kann auch gut sein, dass in einem Teil eine Art Museum oder ein Rastplatz für Wanderer entsteht", sagt der Investor, der seit dem Erwerb der Gebäude mit vielen Problemen zu kämpfen hatte. So sei die Idee, ein "Eulenhotel" aus der Ruine zu machen, eine völlig falsche Herangehensweise gewesen, sagt der neue Besitzer des Areals. Um den Tieren Zugang zu verschaffen, habe man Fensterscheiben eingeschlagen. "Dadurch ist Feuchtigkeit ins Innere gelangt, das Dach ist abgesackt", sagt der Besitzer. Mit weißen Planen wurde versucht, das Gebäude vor weiteren Schäden zu schützen. "Allein diese Maßnahme hat mich 100.000 Euro gekostet." Mittlerweile hängen auch diese Planen nur noch teilweise an den Gebäuden.

Bleibt eine Frage offen: Warum versteckt sich ein zerlegter Kampfjet in einer der ehemaligen Fabrikhallen? "Das ist ein Hobby von mir", sagt der Investor. "Wenn alles fertig saniert ist, möchte ich das Flugzeug gern aufstellen und als kleine Sehenswürdigkeit präsentieren." Nach seinen Angaben handelt es sich bei dem Militärflugzeug um einen Starfighter. Das ist ein einstrahliges Kampfflugzeug der Lockheed Corporation aus Burbank in den USA.

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