Der Mann hinter den Plakaten

Bald verschwinden sie wieder aus den Orten: die großen Plakatwände. Um sie aufzustellen, ist Thomas Mücke bis ins Vogtland gefahren. Für den Flöhaer hat das nichts mit Politik zu tun.

Flöha.

An Kreuzungen, auf Wiesen und am Straßenrand, lächelnd oder ernst, im Anzug oder im Kapuzenpullover blicken sie auf Autos und Radfahrer: Die Menschen auf den Plakatwänden, die zur Europawahl am Sonntag antreten. Anders als bei den kleinen Plakaten an den Laternenmasten, die manch fleißige Lokalpolitiker mitunter noch selbst aufhängen, zieht für die Aufstellung der großen Wände kein Tross an Parteianhängern durch das Land. Es sind Leute wie Thomas Mücke. Der selbstständige Maler und Allrounder aus Flöha war dafür auch dieses Jahr wieder im Sondereinsatz.

38 Plakate pro Fuhre, zwei Männer, ein Lastwagen: In dieser Konstellation wurden das Erzgebirge und das Vogtland nach und nach mit Plakatwänden bestückt. Im Fahrerhaus saßen Mücke und ein Teamkollege einer Oberlichtenauer Firma, die den Auftrag bekommen hatte. "Insgesamt waren wir neun Tage unterwegs", schildert der 43-Jährige. Dabei habe er eine Menge Orte zu sehen bekommen, die er noch nicht kannte. "Man fährt sonst nur auf der Autobahn vorbei und weiß gar nicht, was es alles gibt", erzählt er und schwärmt von Waschleithe, Morgenröthe-Rautenkranz und Klingenthal, schön geschmückt im sonnigen Osterwetter. Für die Männer im Lkw eine willkommene Abwechslung: Denn was Zeit kostet, ist nicht das Aufstellen, sondern die Fahrt, so Mücke. "Für eine Tour im Erzgebirge bis nach Hammerunterwiesenthal waren wir an einem Tag 400 Kilometer unterwegs."


Wo die Plakate hinkommen, dass haben zuvor die Orte festgelegt. Meistens wählen sie Freiflächen außerorts, Parks so gut wie nie und Privatflächen nur, wenn die Eigentümer es erlauben, berichtet Mücke. Es ist nicht die erste Wahl, für die er Plakate stellt. Eine App verrät den Männern die GPS-Koordinaten für den Stellplatz. Dort angekommen, stellt sich die Frage "Wo sehen es die meisten?", nach der sie die Ausrichtung bestimmen. Zehn Minuten dauere es dann, ein Plakat aufzustellen: Zuerst wird die beklebte Wand samt Gestell abgeladen. "Zu zweit geht das geradeso", sagt Thomas Mücke. "Es ist eine ganz schöne Arbeit, aber einfacher als zwei Stunden Aufladen am Tag zuvor." Dann werden drei metallene Erdnägel 50 Zentimeter tief in die Erde gehämmert, damit das Plakat dem Wind standhält.

"Es kommt vor, dass eins umgeschmissen wird, wenn jemandem die Partei nicht passt", so Mücke, aber selten. Dass Plakate mit Farbe verunstaltet werden, sehe er ab und zu - die der Linken und Grünen öfter. Erst wenn die Parteien einen Auftrag gäben, werden sie repariert. Ob er selbst auch Sprüche abbekommt? Ja, sagt er - "zum Beispiel, wenn wir jemandem die Sicht verstellen". Dabei sei das leicht zu lösen: An die Gemeinde wenden, und wenn die Ersatz findet, fährt die Firma erneut hin und stellt das Plakat um.

Am Ende der neun Tage standen 240 Plakate mehr zwischen Plauen, Zwickau und Marienberg. Über die Inhalte hat sich Mücke keine Gedanken gemacht: "Dafür war keine Zeit."

Ab Montag verschwinden sie wieder aus den Ortsbildern. Die Gestelle werden eingelagert, bis eine Firma sie für Werbung mietet oder die nächste Wahl ansteht. Thomas Mücke würde gerne wieder mitmachen. Er schätze die Abwechslung. "Es ist mal was anderes. Dumme Sprüche würden mich nicht stören."

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