Der Wald ist keine Alternative zur Grünschnitt-Verbrennung

Weil es keine Ausnahmen mehr für Laubfeuer gibt, sind viele besorgt, weil zunehmend im Wald entsorgt wird. Forstexperten erklären, warum das keine Lappalie ist.

Flöha.

"Alles in den Wald schmeißen, da kostet es nichts." So reagiert nicht nur ein "Freie Presse"-Leser auf die Nachricht, dass das Verbrennen von Grünschnitt nun verboten ist. Gartenabfälle in der Natur zu entsorgen, ist offenbar bereits gang und gäbe in Mittelsachsen: "Im Umkreis fast aller Kommunen, an allen Stellen, wo man mit dem Auto heranfahren kann, finden wir Abfall", sagt Bernd Ranft. Er ist Leiter des Staatsbetriebs Sachsenforst im Forstbezirk Chemnitz, zu dem auch die Wälder im Norden des Landkreises gehören. Haufenweise lägen die Grünschnittabfälle zum Beispiel in der Struth zwischen Flöha und Euba. "Viele denken, das ist nicht schädlich - aber dem ist nicht so", sagt Ranft.

Hintergrund der Debatte: Seit März ist es in Sachsen auch nicht mehr ausnahmsweise erlaubt, im April und Oktober zu verbrennen, was an Laub, Gras, Hecken- und Strauchschnitt auf dem heimischen Grundstück anfällt. Obwohl das faktisch für Mittelsachsen nichts ändert - laut Landratsamt griff die Ausnahmeregelung aufgrund der vielen Entsorgungsmöglichkeiten schon zuvor nicht mehr - diskutieren viele auf der Onlineplattform Facebook unter dem Beitrag der "Freien Presse" darüber. Die Meinungen reichen von Zustimmung zum Verbot und Tipps für Verwendungsmöglichkeiten über Ärger wegen der Kosten für die Entsorgung bis hin zu Einzelnen, die für das weitere Verbrennen oder das Abladen im Wald plädieren.

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"Viele haben kein Unrechtsbewusstsein", sagt Bernd Ranft. "Aber stellen wir illegale Entsorgung fest, kann das bei der Abfallbehörde angezeigt und als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden." Das hat ihm zufolge logische Gründe: Über die Abfälle gelangen Samen und Pflanzen in den Wald, die dort nicht hingehören. "Das verändert die natürliche Zusammensetzung der Pflanzengesellschaft und kann zur Verdrängung heimischer Arten führen", erläutert er. Neophyten wie Drüsiges Springkraut, Japanischer Knöterich und Herkulesstaude nennt Kollegin Annette Waechter, zuständig für Privat- und Körperschaftswald, als Beispiele. Staudenknöterich etwa könne mehrere Meter pro Jahr wachsen und Bäume überwuchern.

Auch der Boden verändere sich: So lagern sich in einer Hecke, die an einer Straße wächst, Schadstoffe an, erklärt Waechter. Landet der Heckenschnitt im Wald, können sich Schwermetalle im Boden anreichern. "Eine hohe Auflage verursacht auch Schäden an den Wurzeln", so Ranft. Fallen Randbäume um, habe auch das mit regelmäßiger Grünschnittablagerung zu tun.

Sachsenforst habe nicht die Möglichkeiten, die Mengen an Grünschnitt aufzuräumen. Auch sei oft privater oder kommunaler Wald betroffen. Selbst Waldeigentümern ist es nicht erlaubt, ihren Gartenabfall mit in den Wald zu nehmen, erklärt Försterin Waechter: "Nur was vor Ort anfällt, darf dort bleiben." Feuer dürften die Waldbesitzer nach Anzeige bei Ordnungsamt und Feuerwehr entfachen, um Borkenkäfern das Brutmaterial zu entziehen.

Viele Leser glauben, kostenlose Annahme würde illegales Abladen im Wald verhindern. "Generell muss der Abfallerzeuger die Kosten für die Beseitigung tragen", erläutert dazu Frank Meyer, Sprecher des Sächsischen Umweltministeriums. Die öffentlich-rechtlichen Entsorger müssen laut Kreislaufwirtschaftsgesetz für die Bemessung der Gebühren eine Kalkulation aufstellen. Und die darf nur die Kostendeckung der Anlage zum Ziel haben, so schreibt es das Sächsische Kommunalabgabengesetz vor. Auf dem Aufwand für die Aufarbeitung des Grünschnitts beruht auch die Gebühr von 9,50 Euro pro Kubikmeter, die die Wertstoffhöfe der Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) verlangen, so Thomas Granz, Abteilungsleiter für Abfallwirtschaft. Dieser Abfall müsse gehäckselt und zum Teil kompostiert werden, bevor er verwertet werden könnte. "Der Aufwand ist höher als der Erlös", so Granz, "sonst wäre es kostenlos."

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