Die Geburt eines fremden Kindes veränderte ihr ganzes Leben

Gynäkologin Elke Sättler übergibt nächste Woche ihre Niederwiesaer Praxis - nach fast dreißig Jahren Selbstständigkeit. Die Versorgung der Patientinnen bleibt gewährleistet, doch ein bewegender Arbeitsalltag endet.

Niederwiesa.

Es war dieser eine Moment. Damals. In der Frauenklinik. Eine Frau lag in den Wehen. Das Köpfchen des Kindes war bereits zu sehen. Plötzlich bespritzte die Hebamme das Kind mit Wasser und es öffnete seine Augen. "Da wusste ich, ich möchte Frauenärztin werden", beschreibt Elke Sättler den Moment, der ihrem Leben ein bestimmtes Ziel gab. Sie war damals gerade 18 Jahre alt und absolvierte nach dem Abitur ein praktisches Jahr, bevor sie zum Medizinstudium zugelassen wurde.

Fünf Jahre suchte die Medizinerin, die in Niederwiesa aufgewachsen ist, eine Nachfolgerin für ihre Frauenarztpraxis im Niederwiesaer Ärztehaus. 1991 hatte sie sich dort selbstständig gemacht. Vorher war sie nach der Facharztausbildung in Frankenberg und Chemnitz in Flöha in der Poliklinik angestellt. Über 2500 schwangere Frauen hat sie seither mit einem Team von drei Arzthelferinnen betreut, das die Jahre über das gleiche blieb. Dafür sei sie sehr dankbar.

Was ist das Schöne an ihrem Beruf? "Das Vertrauen, das man genießt. Und dass ich Frauen in verschiedenen Lebenslagen helfen kann. Man ist Freundin, Mutter und Oma zugleich", sagt die zweifache Mutter. Die Probleme, mit denen die Frauen zu Elke Sättler kommen, sind vielschichtig. Das war immer so. Dennoch hat sie das Gefühl, dass es Frauen heute viel schwerer haben, alles unter einen Hut zu bekommen. Auch dass immer mehr bösartige Krankheiten auftreten, sei ihr aufgefallen. Woran das liegt, darüber könne man nur spekulieren. Darum sei es umso wichtiger, die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen. Ihre Patientinnen kommen durchschnittlich mit 16 Jahren zum ersten Mal in die Sprechstunde - vor allem, um das Thema Verhütung anzugehen. Teilweise ist die ganze Familie in Behandlung bei Elke Sättler.

"Meine älteste Patientin war fast 100 Jahre alt", sagt die 66-Jährige. Was einen guten Frauenarzt ausmacht? "Er sollte gut zuhören, auf die Leute eingehen und sich regelmäßig fortbilden." Um die Zukunft ihres Berufsstands mache sie sich keine Sorgen. Aber die Rückkehr zu den Medizinischen Versorgungszentren sieht sie eher kritisch. "Ich denke, dass man als Selbstständiger mit mehr Herzblut dabei ist, als ein Angestellter".

Dass ihre Nachfolgerin Katja Tittmann diese Leidenschaft mitbringt, davon ist Elke Sättler überzeugt. "Wir haben uns bereits vor fünf Jahren bei einer Weiterbildung in Leipzig kennengelernt, und die Chemie stimmte sofort", sagt die stolze Oma. Sie führten erste Gespräche über eine mögliche Nachfolgeregelung. Doch damals war es für die 40-Jährige, die dreizehn Jahre lang in der Chemnitzer Frauenklinik gearbeitet hat, noch nicht möglich zu wechseln. "Der Zeitpunkt war erst jetzt richtig reif", sagt die dreifache Mutter, die in Chemnitz wohnt. Seit Anfang November wird sie von Elke Sättler eingearbeitet. Der Praxisalltag ist doch etwas anders, als der einer Klinik. Das fängt bei Formularen an und hört bei der Abrechnung auf.

"Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung und vor allem auf die Patientinnen, die mir hoffentlich ihr Vertrauen schenken werden", sagt Katja Tittmann. Einige Neuerungen soll es geben, die Praxis renoviert werden. Ein Ultraschallgerät wird angeschafft. Mammasonographie und ein Bluttest zum Ausschluss von genetischen Krankheiten sollen angeboten werden.

Für Elke Sättler beginnt indes mit dem letzten Arbeitstag am kommenden Donnerstag ein neuer Lebensabschnitt: "Ich möchte mich mehr um meine Enkel kümmern, mein Knochengerüst in Ordnung bringen und Zeit mit meinem Mann verbringen. Er hat mich in all den Jahren sehr unterstützt und musste oft zurückstecken."

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