Die Kraft der Wassermassen

Fünf Jahre nach dem Hochwasser ist ein Großteil der Schäden beseitigt. Die Schadenssumme geht in die Hunderte Millionen Euro. Für die Mittelsachsen bleibt die Erinnerung an das Unwetter, starke Helfer und die Aufbauarbeit.

Flöha.

Rund 171 Millionen Euro Schaden allein an öffentlichen Einrichtungen, Straßen, Plätzen, Mauern und Deponien, rund 4000 meist ehrenamtliche Helfer im Hochwassereinsatz: Die Bilanz nach der Juniflut 2013 in Mittelsachsen fasst den Kraftakt in Zahlen. Sie seien mitunter weit über ihre körperlichen Belastungsgrenzen gegangen, lobt Landrat Matthias Damm (CDU) die Einsatzkräfte. Zudem habe es unzählige freiwillige Helfer gegeben und - wie bei dem Augusthochwasser 2002 auch - eine große Solidarität. Auf rund 370.000 Euro beziffert Damm die Spenden an den Kreis, so unterstützten die Partnerlandkreise Mittelsachsen. Die Fluten beschädigten ebenfalls private Gebäude und Grundstücksanlagen.

Tausende Helfer im Einsatz: Durch die lang anhaltenden Regenfälle im Frühjahr 2013 waren die Hilfskräfte, vor allem die Feuerwehren, bereits Tage zuvor im Dauereinsatz. Besonders betroffen waren Orte entlang von Zwickauer und Freiberger Mulde sowie von Zschopau und Flöha. Am 2.Juni spitzte sich die Lage zu, der damalige Landrat Volker Uhlig (CDU) rief um 10 Uhr Katastrophen-Voralarm und 13.30 Uhr Katastrophenalarm für den gesamten Kreis aus. Im Einsatz waren Kameraden aus 203 Feuerwehren, Kräfte des Technischen Hilfswerks, Rettungsdienstler, Soldaten der Bundeswehr und die Polizei.

Hunderte Menschen mussten evakuiert werden. Betroffen waren vor allem Einwohner im Raum Penig und Döbeln, die vorwiegend zeitweise in Schulen und Turnhallen untergebracht wurden. 73 Abschnitte auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen waren gesperrt.

Millionen für Reparatur und mehr Schutz: Viele Betroffene wurden binnen elf Jahren zum zweiten Mal von den Wassermassen heimgesucht. Den Wiederaufbau bezeichnet Landrat Damm als große Leistung der Menschen. Ein Großteil der Schäden sei inzwischen beseitigt. Millionen-Investitionen sind in den Hochwasserschutz geflossen, so in Flöha und Döbeln. Damm bezeichnet den avisierten Bau eines Regenrückhaltebeckens in Oberbobritzsch als sehr wichtig. "Es ist Bestandteil des gesamten Hochwasserschutzkonzeptes der Mulde und damit für das Funktionieren des Gesamtsystems unverzichtbar. Ich sehe es als ein positives Signal an, dass nach dem Gerichtsverfahren an den Planungen entsprechend weitergearbeitet werden soll." Das Verwaltungsgericht Chemnitz hat den 2014 ergangenen Planfeststellungsbeschluss, der eigentlich Baurecht schaffen sollte, als rechtswidrig und nicht vollziehbar eingestuft. Das Verfahren hatten die Grüne Liga Sachsen und der Naturschutzverband Sachsen angestrengt. Deren Antrag, die Planfeststellung komplett aufzuheben, folgte die zuständige Kammer indes nicht.

Nach Einschätzung des ersten Kreis-Beigeordneten Lothar Beier wäre der Kreis mit der Beseitigung der Flutschäden an Straßen, Brücken, Deponien und im Hochbau ohne die volle Kostenübernahme durch Land und Bund noch nicht so weit. Beseitigt seien alle Schäden an damaligen Kreis-Liegenschaften. An der Flöhaer Rettungsleitstelle beispielsweise wurde mit Zuschüssen einAnbau an die bestehende Fahrzeughalle gesetzt. Umfangreiche Bauarbeiten waren auch an der Berufsschul-Außenstelle Flöha nötig, ein mobiles Hochwasserschutzsystem wurde installiert.

205 Projekte zählt der Landkreis allein an Straßen und Ingenieurbauwerken zur Wiederaufbauarbeit. 39von 160 Projekten an Kreisstraßen seien abgeschlossen, so Referatsleiterin Claudia Richter. "Derzeit sind noch 14 im Bau beziehungsweise werden derzeit öffentlich ausgeschrieben." 2019 sollen sechs Maßnahmen folgen. Allein in 70 Fällen wurde in Kreisstraßen sowie Ersatzneubauten von Brücken und Stützwänden investiert. Dabei führten steigende Baukosten in den vergangenen beiden Jahren laut Claudia Richter zu Kostensteigerungen bei den Hochwassermaßnahmen. Als größtes Straßenbauvorhaben nennt sie den Neubau der Stützwand an der Striegis in Grunau für rund 1,5Millionen Euro. Dort hatte das Hochwasser die gesamte Kreisstraße weggespült.

Rund 508.600 Euro flossen zudem in die Sanierung von fünf Altdeponien beziehungsweise Altablagerungen des Landkreises.

Vorsorge und Vorräte wichtig: Neben staatlichem Schutz ist individuelle Vorsorge vor Katastrophen nötig. Daran erinnert der zweite Kreis-Beigeordnete Jörg Höllmüller. Dies könne "bei baulichen Anlagen beginnen und endet bei einem entsprechenden Vorrat an Lebensmitteln". Einmal jährlich erklingt in Mittelsachsen zudem flächendeckend der Signalton als Zeichen für den Eintritt einer Katastrophe beim Sirenentest. Die jüngste Probe am 5.Mai ist laut Höllmüller reibungslos verlaufen. Außerdem arbeite der Kreis an der Einführung einer App, um die Bevölkerung bei Bedarf informieren zu können.

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