Die Schicksalssinfonie macht einen Kantor zum Diktator

In Augustusburg wird am Sonntag Beethovens 5. Sinfonie aufgeführt. Die Orchestermusiker treffen sich morgen erstmals. Wie geht das denn zusammen?

Pascal Kaufmann - Kirchenmusiker

Für Sie berichtet: Matthias Behrend

Mit der Aufführung der 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens erlebt die Augustusburger Stadtkirche am Sonntag eine Premiere: Ein 42 Musiker zählendes Sinfonieorchester hat sich bislang noch nicht im Altarraum versammelt. Dazu kommt, dass sich die Musiker aus Sachsen und Sachsen-Anhalt am morgigen Freitag erstmals zum Orchester zusammenfinden. "Neben einigen erfahrenen Orchester-Hasen der Robert-Schumann-Philharmonie sind die Mehrzahl der Musiker Stundenten der Hochschulen in Dresden, Leipzig oder Berlin", sagt Pascal Kaufmann (25).

Der Augustusburger Kirchenmusiker hat die Aufführung der Sinfonie initiiert und dafür seine Kontakte aus der eigenen Studienzeit in Dresden genutzt. Die Orchestermusiker werden morgen in Quedlinburg eintreffen. Dort ist Pascal Kaufmanns zwei Jahre älterer Bruder Markus Domkantor, und es wird am Samstag eine erste Aufführung der Beethoven-Sinfonie geben. Am Sonntagmorgen reisen die Musiker dann per Bus nach Augustusburg, wo ab 17 Uhr in der Stadtkirche erneut das Ta-Ta-Ta-Taaaa erklingt. Das sehr bekannte Eingangsthema der 5. Sinfonie, die auch als Schicksalssinfonie bekannt ist, sei zugleich die größte Hürde und bei Dirigenten gefürchtet, sagt Pascal Kaufmann.

Wie dirigiert man eigentlich ein Orchester, das zuvor nie zusammen musiziert hat? "Das ist natürlich eine besondere Herausforderung, auf die ich mich sehr freue", sagt der Kirchenmusiker. Jeder der 42 Musiker beherrscht perfekt sein Handwerk, also sein Instrument. Der Dirigent muss das zusammenführen. "Als Dirigent werde ich kurzzeitig zum Diktator", sagt Kaufmann, der in Dresden Kirchenmusik studiert hat und seit Anfang des Jahres Kirchenmusiker in Augustusburg ist. Mit der Sommermusik hat er im Juli und August bereits seine erste erfolgreiche Konzertreihe veranstaltet. Auch dabei nutzte er seine Studienkontakte und holte junge Musiker nach Augustusburg.

Eigentlich ist Pascal Kaufmann mit dem Klavier großgeworden. "Aber das Dirigieren war Teil meines Studiums", sagt Kaufmann, der zwar noch nicht die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, wohl aber Musiker dirigiert hat, die nie zuvor zusammengespielt haben. "Ein Orchester funktioniert ja nicht wie eine Demokratie", sagt Pascal Kaufmann. Der Dirigent gibt den Takt vor, nach dem sich jeder richten muss. Der Kartenvorverkauf für das Konzerterlebnis ist gut gelaufen, sagt Kaufmann. Neben der 5. Sinfonie mit ihren vier Sätzen kommt am Sonntag auch der Totentanz von Franz Liszt zur Aufführung - ein Zyklus für Orchester und Klavier, den Pascal Kaufmanns Bruder Markus als Solist spielen wird.

Sinfoniekonzert "Durch die Nacht zum Licht" in der Augustusburger Stadtkirche am Sonntag ab 17 Uhr. Karten für 10, ermäßigt 8Euro gibt es noch bis Freitag in der Tourist-Information im Stadthaus in Augustusburg oder am Sonntag ab 16 Uhr an der Abendkasse, dann aber für 15, ermäßigt 12 Euro.

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