Diese Oederaner heben (sich) ab

Im Modellflugverein lernen die Kinder viel mehr als Fliegen. Viele von ihnen könnten bei der Deutschen Meisterschaft antreten, doch Wettkampf ist nicht das Wichtigste.

Oederan.

Einen ungewöhnlichen Weg bei der Nachwuchsarbeit geht der Oederaner Modellflugverein: Grundschüler aus Leubsdorf können eine AG besuchen, wo sie das Fliegen im Miniaturformat lernen. Wem es gefällt, der bleibt nach der vierten Klasse dabei. Inzwischen ist aus der Idee, die Vereinsmitglied Peter Goldmann vor 12 Jahren hatte, eine Mannschaft entstanden, die wettbewerbsreif ist. Am Wochenende haben sich sieben der 14 Kinder und Jugendliche für die Deutsche Jugendmeisterschaft qualifiziert. Dabei mussten zuerst Goldmann und Vereinschef Daniel Ostmann lernen, wie Jugendarbeit funktioniert.

Heute sagt Goldmann: "Der Erfolg gibt uns recht." Ob sie im September in Bonn antreten, steht dem Jugendleiter zufolge noch nicht fest. Ohnehin stehe das Gewinnen nicht im Fokus, sondern der Spaß und gemeinsames Lernen: "Bei uns hilft einer dem anderen." Das gelte in der AG, die er mit Jürgen Kempe betreut, wie auf dem Flugplatz bei Gahlenz. Die Älteren helfen den Neuen bei den ersten Gehversuchen. Die finden im ersten dreiviertel Jahr in der Halle statt. "Dabei lernen sie mit Quadrokoptern die Grundbegriffe des Fliegens", schildert Goldmann. Im Frühjahr jeden Jahres erkundet dann eine neue Gruppe das Fliegen im Freien. Erst mit Trainingsmodellen, dann mit eigenen Flugzeugen. Dann gelte es, das Kunstfliegen beherrschen zu lernen.


Auf diesem Weg lernen sie, zählt Goldmann auf: verschiedene Basteltechniken, Werkstoff- und Klebereinsatz, Holzbearbeitung und Zeichnen sowie Thermik, Aerodynamik und Wolkenbildung. Die Windrichtung bestimmen, das können alle schnell, so Goldmann. Schließlich spielt auch Elektronik eine Rolle. Dann können sie sich in vier Kategorien messen: dem Freiflug, wo es darum geht einen Holzsegler möglichst lang in der Luft zu halten oder in der Team-Kategorie F-Schlepp mit einer motorisierten Maschine einen Segler hochzuziehen. Beim Motorkunstflug für Junioren und Experten muss eine vorgegebene Figurenfolge nachgeflogen werden.

Und wenn all die Übung aufgeht, werden die Nachwuchsflieger mit Punkten belohnt: So wie Juliane Böhme, die ihren Elektrosegler gerade mal eine Woche fliegt und einen siebten Platz im Segelflug belegte, wo in zwei Minuten ein Landeplatz erreicht werden muss. Oder Noah Rüger, der genug Punkte für den dritten Platz sammelte, obwohl er nach zwei von drei Runden ausschied. Wegen eines technischen Defekts stürzte sein Modell ab. Keine Frage, so Goldmann, dass die Vereine, die aus Roßwein und Grimma angereist waren, beim Suchen halfen.

"Es gibt keine Verlierer", lautete das Fazit von Vereinschef Daniel Ostmann. Es zähle vielmehr der Gewinn neuer Freundschaften unter Wettkampfgegnern. Ernüchternd sei nur, dass nicht mehr sächsische Vereine zur regionalen Jugendmeisterschaft angereist seien. Aber selbst in Oederan hat der Flugsport noch keine lange Tradition: Der Verein wurde erst 1991 mit zwölf Mitgliedern gegründet. Jetzt sind es 75.

Die Platzierungen des Modellflugvereins Oederan bei der Regionalen Jugendmeisterschaft des Deutschen Modellfliegerverbandes: Im Freiflug: 1. Chris Nürnberger (12), 3. Juliane Boehm (11). Im Elektrosegelflug: 2. Nils Nürnberger (15), 3. Valentino Ostmann (14). Im Motorflug (Junior): 1. Alec Fahsel (12). Im Motorflug (Expert): 2. Tim Halberstadt (14), 3. Noah Rüger (17). Im F-Schlepp: 2. Platz Team Alec Fahsel/Nils Nürnberger.

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