Dorfladen füllt Markt-Lücken

Anzahl und Attraktivität des regionalen Einzelhandels wird zumeist positiv bewertet. Die Läden aber sind ungleich verteilt. Und so wird es bleiben.

Flöha/Augustusburg.

Die Zahlen sind eindeutig: Die Versorgung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs in den Städten und Gemeinden des Altkreises Flöha ist gesichert. Nach Berechnungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) liegt nur Augustusburg knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 0,4Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner. Alle anderen Städte und Gemeinden haben deutlich mehr Verkaufsfläche im Angebot.

Zahlen sind unbestechlich und doch ist eine Statistik immer nur ein flüchtiger Blick. Schaut man genauer hin, ergibt sich mancherorts ein anderes Bild. Zum Beispiel in Erdmannsdorf. Dort gibt es seit der Schließung des kleinen Ladens an der Chemnitzer Straße überhaupt keinen Nahversorger mehr. Das beklagen auch viele der Teilnehmer an der nicht repräsentativen Umfrage der "Freien Presse" zur Lebenssituation in der Region Flöha und rund um die Augustusburg. Andererseits werden alternative Einkaufsangebote nicht angenommen. Eine Direkt-Buslinie von Erdmannsdorf zum Netto-Markt nach Augustusburg wurde nach nicht mal einem Jahr Betrieb wieder eingestellt - mangels Nachfrage. Und auch der Liefer- service, den Edeka-Markt-Betreiber Christian Gabriel anbietet, findet kaum Nutzer. Ab einem Einkaufswert von 25 Euro aus dem normalen Sortiment, telefonisch oder per Fax bestellt, liefert Gabriel die Waren ohne zusätzliche Kosten bis an die Haustür. Nur etwa 15 bis 20 Kunden nutzen bislang regelmäßig diesen Service. Christian Gabriel (33) betreibt zwei Edeka-Supermärkte in Niederwiesa und in Flöha. In Niederwiesa ist er Monopolist. In Flöha gibt es mit Aldi, Lidl, Penny und Netto vier Mitbewerber. Die Stadt hat mit aktuell 1,25 Quadratmetern pro Einwohner nach Eppendorf (1,56) die meiste Verkaufsfläche bei Nahrungs- und Genussmitteln. Die hohe Dichte an Supermärkten muss nicht schlecht sein. "Ein breites Angebot zieht mehr Kundschaft an", sagt Gabriel. Aber jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Deshalb beurteilt Christian Gabriel die Pläne zur Ansiedlung eines weiteren Supermarktes im Neubau der Alten Baumwolle skeptisch. "Das wäre dann definitiv zu viel", sagt er.


Laden-Modell nicht übertragbar

Das sieht auch Thilo Walther so. Der Vorsitzende der Genossenschaft Unser Laden in Falkenau sitzt selbst an der Kasse des kleinen Supermarktes. 2009 eröffnete der Dorfladen in Falkenau, weil es dort damals - wie heute in Erdmannsdorf - kein Lebensmittelgeschäft mehr gab. Aktuell zählt die Laden-Genossenschaft 406 Mitglieder. Der Laden funktioniert - aber nur, weil die dörfliche Gemeinschaft intakt ist. Es sei ein Überlebenskampf, sagt Walther. Die Genossenschaft versucht all das anzubieten, was es im Dorf nicht mehr gibt. Man kann im Laden Lotto spielen, Briefe aufgeben, einen Catering-Service buchen oder sein Auto anmelden. Wäre das nicht auch ein Modell für Erdmannsdorf? "Die Laden-Genossenschaft kann man nicht einfach übertragen", sagt Thilo Walther. Es müssen Voraussetzungen erfüllt sein. Eine Mindestanzahl an Genossenschaftlern zum Beispiel oder ein hoher Anteil älterer, wenig mobiler Einwohner, weil die auf so einen Dorfladen angewiesen sind.

Auch ein Supermarktbetreiber entscheidet nüchtern nach Standortkriterien. Einwohnerzahl, Einkommen oder die Bevölkerungsentwicklung und das Einzugsgebiet seien zum Beispiel wichtige Kriterien für eine mögliche Ansiedlung, sagt Christian Gabriel.

Ein Laden ist Lust und Last

Damit scheint klar, dass Erdmannsdorf keinen Supermarkt bekommen wird. Ein Dorfladen könnte eventuell eine Perspektive sein. Vor allem in ländlichen Gebieten stopfen diese Läden oft eine Versorgungslücke. Evelyn Stumpe tut das zum Beispiel seit nunmehr 24 Jahren mit ihrem Einkaufsmarkt an der Talstraße in Kunnersdorf. Auf 70 Quadratmetern gibt es alles Nötige. "Es ist ein ständiger Kampf, aber es macht auch Spaß", sagt sie. Würde sie noch einmal mit so einem Laden starten? "Das weiß ich nicht", sagt sie. "Meinen Kindern würde ich das jedenfalls nicht empfehlen."

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