Drei Millionen Euro teures Foyer: "Muss das sein?"

Das Erdgeschoss am Landratsamt in Freiberg soll umgebaut werden. Doch ob die Behörde so bürgerfreundlicher wird, da gehen die Meinungen auseinander.

Augustusburg/Niederwiesa.

Vier Monate nach dem Kreistagsbeschluss laufen die Planungen für die Umgestaltung des Foyers für das Landratsamt-Hauptgebäude an der Frauensteiner Straße in Freiberg. Sprecher André Kaiser erklärte auf Anfrage, die Kreisräte im Technik- und Umweltausschuss sollen über erste Ergebnisse im November informiert werden. "Vorher werden wir vor diesem Hintergrund, dass sich im Zuge der Planungen noch Dinge entgegen der ersten Ideen ändern können und gegebenenfalls auch werden, noch keine Details nennen", so Kaiser.

Wegen Problemen bei der Planung und stark gestiegenen Baupreisen hatten die Kreisräte zugestimmt, dass das Landratsamt seine Zentralisierungs-Pläne für den Hauptsitz abspeckt. Das Geld aus dem Investitionsprogramm "Brücken in die Zukunft" soll nun am Hauptsitz in Freiberg ("Werner-Hofmann-Haus") nur noch für einen neuen Eingangsbereich und einen Neubau des Flachbaus eingesetzt werden, in dem unter anderem Veterinär- und Gesundheitsamt unterkommen. Zu den weiteren Investitionen gehört der barrierefreie Umbau am Standort Rotvorwerk.

Wenn im November nun für das Hauptgebäude erste Entwürfe vorliegen sollen, so wird das Ergebnis mit Spannung erwartet. Linke-Fraktionschef Gottfried Jubelt und Grünen-Kreisrat Sebastian Walter hatten bereits Nachfragen angekündigt. Jubelt, der zur Kreistagssitzung am Kreis-Standortkonzept Zweifel hatte, erneuerte nun seine Kritik: "Warum muss das so groß werden, warum müssen wir angesichts des Bedarfs in vielen Bereichen 3 Millionen Euro investieren? Muss das ein so großes Prestigeprojekt sein?" Bei jedem Projekt müsse die Verwaltung fragen: "Gerade bei Steuermitteln müssen wir sparsam sein und nur ausgeben, was wir auch von privatem Geld reinstecken würden." Der Chef der 16-köpfigen Fraktion würde ein Personalkonzept für die Kreisverwaltung sowie Angaben über Besucherströme sehen wollen, ehe über Standorte zu entscheiden ist. So meldet der Augustusburger Jubelt Zweifel an, ob am Rotvorwerk aus dem "Brücken"-Programm Kfz- und Asylbewerberamt nach dem Andrang zur Flüchtlingskrise getrennt werden sollen: "Ist das angesichts sinkender Flüchtlingszahlen nötig?"

Wie viele Gäste durchs Foyer ins Landratsamt kommen, dazu macht Sprecher Kaiser keine Angaben: Eine Statistik zu Besucherströmen gebe es nicht, sagte er auf Nachfrage. Mit dem jetzigen Projekt sollten Arbeiten am Brandschutz verbunden werden mit einer offeneren Gestaltung: So sollten etwa "die Glaswände sowie die Glastüren unmittelbar, wenn man das Haus betritt, entfernt und der Infobereich komplett umgebaut werden." An einem offenen, mit einem (wie jetzt) mit einem Mitarbeiter besetzten Infostand sollen Bürger Informationen zu Ansprechpartnern erhalten oder Post abgeben können. Zudem gebe es Vorstellungen, die Zugänge zum benachbarten Beratungsraum umzugestalten. In Sachen Bürgerfreundlichkeit fordern nicht nur Linke, auch Kreisräte von SPD/Grüne einen großen Schritt: "Der Landkreis ist noch lange nicht da, wo er sein könnte und müsste", sagt Chef Axel Buschmann. "Moderne Verwaltungen sind Servicezentralen für die Bürger, die für die leicht erreichbar und jederzeit ansprechbar sind. In Lettland oder Estland kann man fast alle Behördengänge online erledigen. Davon sind wir Lichtjahre entfernt."

Und der Niederwiesaer Sebastian Walter (Grüne) sagt: "Nach der Kreisreform vor zehn Jahren, die den Rückzug des Staates aus dem ländlichen Raum eingeläutet hat, brauchen wir eine Verwaltung, die wieder nah am Bürger ist." (mit hh)

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