E-Autos noch immer Exoten auf den Straßen Mittelsachsens

Nur etwa jeder 1500. Pkw fährt derzeit im Landkreis ausschließlich mit Strom. Dabei schwärmen die Fans von ihren Mobilen - darunter auch in Oederan.

Oederan/Flöha.

Für Jörg Hammerschmidt steht fest: "Die Nachfrage nach Elektroautos ist viel größer als das Angebot." Der Hilbersdorfer hatte sich schon 2009 ein Elektroauto zugelegt. Zu der Zeit waren die "Stromer" im Landkreis an einer Hand abzählbar. Ende 2018 waren zwischen Rochlitz und Neuhausen 115 reine Elektro-Pkw zugelassen - rund 0,06 Prozent aller Pkw im Landkreis.

Dass der Anteil nicht deutlich höher ist, liegt für Hammerschmidt an den Herstellern: "Lieferzeiten von acht bis zwölf Monaten sind ebenso wenig akzeptabel wie die begrenzte Auswahl." Als Familienauto mit Anhängekupplung etwa falle ihm nur der Tesla Model X ein: "Der rangiert aber jenseits der 100.000 Euro."

Andere Hemmnisse wie das dünne "Tankstellen"-Netz und geringe Reichweiten bezeichnet der 52-Jährige als "Probleme, die vor allem in den Köpfen der Leute existieren". Das Laden sei für viele zu Hause möglich, zudem gebe es immer mehr öffentliche Ladesäulen. "Meine Frau pendelt jeden Tag mit unserem Kleinwagen 90 Kilometer zur Arbeit und zurück." Der 2011 zum E-Auto umgerüstete Opel Agila könne mit vollem Akku etwa 120 Kilometer fahren: "Bei neueren Elektroautos geht es deutlich weiter."

Er selbst habe sich vor zehn Jahren noch geärgert, dass sein damaliges Auto im Winter auf der vier Kilometer langen Fahrt ins Büro nicht einmal warm geworden sei, aber viel Benzin verbraucht habe. "Da habe ich mich umgesehen, ob es nicht auch etwas anderes gibt." Inzwischen stehen in seiner Garage auch noch zwei Pedelec, ein E-Roller und ein kleiner elektrischer E-Scooter - der "Charly" von MZ aus Zschopau.

"Nie wieder Scheiben kratzen", nennt Bianco Wüst von der Bergakademie Freiberg als großen Vorteil der "Stromer". Eine Standheizung sei stets an Bord; da der Antrieb kaum Abwärme erzeuge, würden E-Autos elektrisch beheizt. Der Diplomingenieur ist von der Spurtkraft und Lautlosigkeit des Mitsubishi i-MiEV angetan, den er im Dauertest am Institut für Elektrotechnik fährt.

Nachteile seien aber die hohen Preise für Elektro-Autos und zu wenige Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum, urteilt Wüst. Die Reichweite verringere sich stark bei Klimatisierung des Fahrzeugs. Das werde auch von steuerlichen Anreizen sowie günstigen Lade- und Parkgelegenheiten nicht aufgewogen.


Die Professorin

Jana Kertzscher ist Professorin für Elektrotechnik an der TU Bergakademie. Sie ist überzeugt, dass die Batteriepreise fallen und E-Autos preiswerter werden als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der Wartungsaufwand sinke drastisch - Ölwechsel, Riemen, Turbolader, Zündkerzen, Kupplungen, Schaltgetriebe, Dichtungen und mehr entfielen. "Das E-Auto in Kombination vieler kleiner bidirektionaler Ladepunkte wird sich zum idealen Netzstabilisator unserer vielen regenerativen Erzeuger entwickeln, weil die meisten Fahrzeuge sowieso zu 95 Prozent an einem Ladepunkt stehen werden." (jan)


Der Polizist

Klaus-Dieter Erber ist als Bürgerpolizist mit einem Elektro-Mercedes in Reinsberg und Großschirma unterwegs. Der B-Klasse-Wagen sei für ihn ideal, so der Hauptkommissar: "Die Reichweite liegt bei 140 Kilometern, und ich fahre täglich etwa 80 Kilometer." Zu Dienstende rolle er im Revier Freiberg an die Ladesäule, es reiche aber auch eine normale Steckdose aus. Als Hindernis für "Normalbürger", sich ein E-Auto anzuschaffen, sieht der 58-Jährige das Preis-Leistungs-Verhältnis. Reichweiten und Lademöglichkeiten müssten besser werden: "Ein Kabel über den Bürgersteig zu legen, ist nicht statthaft." (jan)


Der Bürgermeister

Steffen Schneider (l., Foto: Hendrik Jattke/Archiv) hat das erste Elektroauto für den Fuhrpark der Stadt Oederan abgeholt. "Der Renault Zoe ist unser beliebtester Dienstwagen", sagt der Bürgermeister, "er ist neu, sehr leise und hat eine starke Beschleunigung". Touren in Ortsteile, ins Landratsamt, zur Landesdirektion nach Chemnitz und zu Dresdner Ministerien seien mit dem 300-Kilometer-Akku problemlos möglich. Zudem gebe es eine kostenlose Abschleppgarantie. Auch das nächste Fahrzeug werde ein Stromer: "In Sachen Umwelt führt an Elektroautos kein Weg vorbei. Wir wollen Vorreiter sein." (jan)

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