Ein echter Hingucker

Landwirtschaft sorgt nicht selten für Gesprächsstoff. In Schönerstadt ist es der neue Güllebehälter, mit dem die Agrozuchtfarm für Aufsehen sorgt. Und das absichtlich.

Schönerstadt.

In einem Dorf kommt man schnell ins Gerede. Das passierte natürlich auch, als die Agrozuchtfarm Breitenau neben dem Stall für ihre Jungrinder in Schönerstadt einen neuen Güllebehälter bauen ließ. Über Gülle-Sammeltransporte aus den umliegenden Orten wurde debattiert, mit denen die Breitenauer ihr Geld verdienen wollten. Geredet wird heute immer noch: Aber nicht über dieses unhaltbare Gerücht.

Der Güllebehälter, 30 mal 8 Meter groß, ist eine Ersatzinvestition. "Wir konnten sechs kleine Behälter, Baujahr 1974, damit außer Betrieb nehmen", sagt Hans-Jürgen Gerlach, der Vorstandsvorsitzende der Breitenauer Genossenschaft. Der Neubau mit mehr Lagerkapazität entspreche der neuen Düngeverordnung, die 2020 wirksam wird. Was den Landwirt freut: Das Bauwerk mutiert beinahe zum Ausflugsziel. "Es fahren viele her, um es sich anzuschauen."

Warum? Die Landwirte haben aus dem Betonkoloss ein imposantes Kunstwerk gemacht. Genauer gesagt, war es Guido Günther. Der Chemnitzer Künstler, Inhaber der Kreativagentur "Rebel Art", hat der grauen Fläche mit der Sprühdose Leben eingehaucht - freihändig. Sieben Tage lang hatten drei Künstler den speziellen Künstlerlack aufgetragen. "Bei einem großen Landschaftsmotiv wie diesem beginnen wir mit dem Hintergrund: mit Himmel, Wiesen, Horizont ... und man arbeitet sich so dann nach vorn", erklärt Guido Günther. Gesprayt wird im Raster von einem Meter, bei Details sind es 50 Zentimeter.

Und nun fährt ein Traktor - auf der Fläche 15 Meter lang und drei Meter hoch - über die saftig grüne Weide, die den Blick zum Hetzdorfer Viadukt freigibt. Drei Kühe blicken auf den Betrachter herab, neugierig wie eben nur Rindviecher schauen können. Über der Szenerie thront Schloss Augustusburg. An schönen Tagen verschwindet die Grenze des Himmels auf dem Bild mit dem in echt. Unterstützt worden ist Guido Günther bei dieser Arbeit von Benjamin Sprunk und Markus Esche. Letzteren beschreibt der "Rebel Art"- Firmengründer als Spezialisten für fotorealistische Arbeiten. "Landmaschinen sind voll sein Ding. Da stimmt jedes Detail", sagt der Chemnitzer.

Und Landwirt Hans-Jürgen Gerlach nickt zufrieden. Er kenne den skeptischen Blick auf die Landwirtschaft heute, sagt er. "Die Bevölkerung nimmt das nicht so wahr, aber Landwirtschaft ist gläsern. Nirgends wird so viel kontrolliert wie in Deutschland. Doch Landwirtschaft ist eben nicht die Idylle, die man bei seinem Urlaub in den Bergen sieht." Gerlach hofft - gerade auch durch solche besonderen Aktionen wie die hier in Schönerstadt - auf mehr Akzeptanz und Anerkennung für die Arbeit seiner 33 Mitarbeiter. Und um eine Vielzahl von regionalen Produkten anbieten zu können, müsse eben auch im Herbst und im Frühjahr Gülle auf die Felder ausgebracht werden. In den Ställen der Agrozuchtfarm Breitenau stehen insgesamt 1300 Rinder, 300 Jungrinder sind es in Schönerstadt.

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