Ein Fuhrpark aus zweirädrigen Raritäten

Die Schmuckstücke eines Motorradsammlers aus Warmbad können im Nussknackermuseum Neuhausen bestaunt werden. Darunter auch der Berliner Roller, mit dem alles begann.

Neuhausen.

Wie an einer Perlenkette aneinandergereiht stehen sie da, Maschine an Maschine. Insgesamt 87 Stück: Motorräder, Mopeds und Roller. Von der MZ aus Zschopau über die Jawa aus der Tschechoslowakei bis hin zur Schwalbe aus Suhl - alle Zweiradmodelle, die von 1949 bis 1989 in der DDR verkauft wurden. Zu sehen sind die Schmuckstücke in Neuhausen - als Sonderausstellung im Nussknackermuseum der Familie Löschner.

"Wir freuen uns, dass wir einen Partner gefunden haben, bei dem wir wissen, dass die Fahrzeuge gut und sicher aufgehoben sind und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", sagt Robert Schwarz aus Warmbad. Er hat den Fuhrpark zweirädriger Raritäten zwischen 1989 und 1995 gemeinsam mit seinem Vater zusammengestellt. Vor dem Umzug ins Museum stand ein Teil der Zweiräder im Schloss Neuhausen, der andere im Vereinshaus der Gemeinde. Zuvor waren die Maschinen in einer Scheune in Schönbrunn untergebracht. Als diese 1999 zu klein wurde, wurde der Sammler auf der Suche nach geeigneten Ausstellungsräumen in Neuhausen fündig.

Robert Schwarz erinnert sich noch genau an die Anfänge seiner Sammelleidenschaft. Dabei kommt der 41-Jährige regelrecht ins Schwärmen: "Als ich zehn Jahre alt war, stand vor unserem Haus ein Berliner Roller und rostete vor sich hin. Ich war von diesem Gefährt, das ich leider nur anschauen durfte, so fasziniert, dass mir meine Eltern zwei Jahre später, 1989, einen gebrauchten Berliner Roller schenkten. Mein Vater hatte ihn irgendwo aufgestöbert und wollte ihn mit mir wieder herrichten."

Als nach der Wende dunkle Wolken über das MZ-Werk in Zschopau zogen, forcierten die Zweiradfreunde aus Warmbad ihre Sammelleidenschaft. "Die ungewisse Zukunft des Werkes hat bei mir und meiner Familie endgültig das Interesse für die Technik geweckt", berichtet der promovierte Jurist. Schwarz senior und junior gaben Anfang der 1990er-Jahre Annoncen auf, die der damals 14-Jährige auf seiner Schreibmaschine tippte. Zudem durchstöberten sie zahllose Zeitungen und Anzeigenblätter. "Oftmals bis in den späten Abend hinein", sagt er.

Die Mühe lohnte sich. Viele Zuschriften gingen ein. "Mit einem Hänger am Auto meines Vaters fuhren wir durch Sachsen und in andere Bundesländer. Meistens waren es Schuppen, Scheunen oder Garagen gewesen, in denen die Besitzer die Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes zum Teil liebevoll ,eingemottet' hatten", sagt der Sammler.

So sei beinahe jede Woche ein Zweirad dazugekommen. Mal eine MZ, eine Simson, eine Jawa oder auch eine Awo. "Die Sammelleidenschaft hatte die ganze Familie erfasst. Ich war aber immer die treibende Kraft für die nächste Tour. Da ich damals noch Gymnasiast war, achteten meine Eltern natürlich sehr auf meine schulischen Leistungen. Die mussten stimmen", berichtet Robert Schwarz. Und die stimmten offenbar. Denn nach Angaben des Sammlers ist die gesamte Palette von in der DDR verkauften Zweirädern vollzählig: "Es gibt kein Großserienmotorrad, das fehlt", sagt der 41-Jährige. "Wir lassen uns aber gern eines Besseren belehren."

Der Museumskomplex in Neuhausen mit Motorradausstellung, Nussknackermuseum und dem technischen Museum "Alte Stuhlfabrik" ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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