Ein Moped steht im Walde

In unserer Region mit den vielen schönen Schlössern ist immer etwas los. So auch im Juli. Ein Rückblick

Das Waldsterben wird immer schlimmer. Und damit sind nicht die Leute gemeint, die sich dem neusten Trend anschließen und ihre gestorbenen Überreste neben Bäumen einbuddeln lassen. Waldsterben ist, wenn die Randfichten ein Klagelied singen, weil neben ihnen die Artgenossen die Äste hängenlassen. Schuld daran sind die Hitze, der fehlende Regen und Frau Merkel sowieso. Dass die nämlich einfach in den Urlaub fährt, während hierzulande die Kastanien mitten im Sommer Herbstgefühle entwickeln, ist ohnehin ein Skandal - aber ein anderes Thema.

Hier, in der wunderschönen Region rund um Flöha, kümmert man sich noch um die Bäume. Man rettet den Wald - wenn auch auf eine Art, auf die man erst einmal kommen muss. Da hat sich doch ein überaus gewiefter Zeitgenosse überlegt, dass man die Bäume irgendwie vor dem Umfallen schützen müsste. Und wie wollte er das anstellen? Indem er Mopeds an die Stämme schob. Richtig nah ran. An verschiedenen Stellen. In Augustusburg zum Beispiel. In der Nähe von Breitenau auch. Gute Idee eigentlich. Nur - wie soll man so einen Aufwand finanzieren? So ein Moped kostet doch schließlich Geld. Und eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer. Die Lösung: Die Zweiräder wurden kurzerhand gestohlen.


Und damit sind wir an einem Punkt, an dem der Spaß aufhört. Vor allem für diejenigen, die morgens in ihre Garagen geschaut und dort kein geliebtes fahrbares Sammlerstück mehr entdeckt haben. So passiert bei einigen Leuten in der Region. In Augustusburg zum Beispiel. Oder im Oederaner Ortsteil Wingendorf. Dort hat im Juli ein Mopedfan sogar gleich vier seiner Lieblinge vermisst - und er war dementsprechend geschockt. Was dann aber passierte, ist so wild, dass man jedem, der mal behauptet, in unserer schönen Region rund um Flöha sei nicht viel los, sagen kann, dass er damit einfach mal komplett Unrecht hat.

Denn die Mopeds tauchten wieder auf. Im Wald. Wo sonst. Mussten ja Bäume stützen. Eines sollte aber umgeparkt werden. Und dabei wurde der Simson-Dieb auf frischer Tat ertappt. Nicht von irgendwem. Wenn in Oederan Not am Mann ist, machen sich die gewählten Volksvertreter selbst auf den Weg, um für Recht und Ordnung zu sorgen. In diesem Fall: Stephan Drichelt (Freie Wähler). Der zog los, um eines der gesichteten Mopeds zu überprüfen. Und während er in den Wald fuhr, kam ihm doch ebendieses Moped, samt falschem Fahrer darauf, entgegen. Der Stadtrat fackelt nicht lange und stellte sein Auto quer, um den Dieb aufzuhalten. Nun ist Drichelt aber auch Chef des Klein-Erzgebirges in Oederan. Weshalb sein Auto wohl zu kurz war, um den Weg komplett zu verstellen. Also drehte Drichelt seinen Pkw noch einmal um 180 Grad (um die Querachse) und raste dem Moped hinterher. So lange, bis der Unhold aufgab, das Gefährt in den Wald legte und zu Fuß flüchtete. Das Ende vom Lied also: Der Stadtrat rettete das Kraftrad. Was mit den anderen Motorrädern wird, geworden ist oder noch werden könnte, die in den vergangenen Monaten in unserer schönen Region rund um Flöha verschwunden sind, ist hingegen noch nicht geklärt. Für die Besitzer bleibt nur die Hoffnung, dass die Polizei den richtigen Riecher hat. Und dass es bald wieder regnet, damit die Bäume Wasser bekommen und nicht mehr gestützt werden müssen.

Ärger gab es im Juli nicht nur um verschwundene und im Wald gefundene Mopeds. Auch die Jugend von heute und ihre wilden Gewohnheiten sorgten dafür, dass eine Verwaltung aktiv werden musste. In Oederan nämlich findet an diesem Wochenende ein Musikfestival statt. Nicht am 30. Wochenende in Folge in diesem Jahr. Auch ist es nicht der Auftakt für 20 noch folgende Konzerte an den kommenden Wochenenden. Nein, nur jetzt wird auf der Waldbühne im Ortsteil Börnichen musiziert. Das jedoch reicht, um Klage einzureichen. Öffentlich. Beim Stadtrat (das ist der mit dem Mopedjäger drin). Grund der Klage: Es ist viel zu laut in der Stadt, wenn auf der Bühne im Waldpark musiziert wird. Und das geht ja so nicht. Beklagt hat sich übrigens einer, der in 1,5 Kilometern Entfernung zur Bühne wohnt. Wenn der Wind günstig steht, kann er daheim jeden Ton mithören. Will er aber nicht. Und deshalb: Protest!

Die Reaktion der Stadtverwaltung kam prompt. In Oederan nimmt man die Anliegen seiner Anlieger nämlich ernst. Und so wurde gemessen, wie laut es dort ist, wo der Kläger wohnt, wenn kein Konzert in 1,5 Kilometern Entfernung stattfindet. Ergebnis: Tote Hose. An diesem Wochenende wird nun erneut gemessen. Das Ergebnis ist abzusehen. Es wird lauter sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Verwaltung daraus die richtigen Schlüsse zieht und dieses Hotten-Totten-Gelärme ein für allemal verbietet. Ab sofort wird leise gefeiert. Damit das klar ist. Wer soll denn sonst hören, wenn wieder einer ein Moped im Wald versteckt. Echt mal jetzt.

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