Ein paar Federn als letzte Spur

Aus der Voliere von Egon Schramm ist ein Goldfasan gestohlen worden. Der Züchter verliert einen der letzten Vögel, Altstadt-Passanten eine Attraktion.

Augustusburg.

Am Wochenende war er noch da. Saß locker-entspannt auf dem kleinen Ahornbaum in der Voliere. So muss der Goldfasan wohl auch da gesessen haben, als der Dieb kam, vermutet Egon Schramm. "Wahrscheinlich hat er ihn gepackt und in einen Sack gestopft." Der Boden ist mit Federn übersät, die vier großen Schwanzfedern mit blutigen Kielen künden davon, dass sich das Tier gewehrt haben muss. Dass ein Marder oder ein Fuchs den Goldfasan geholt haben könnte, schließt Egon Schramm aus. Marder beißen ihre Beute tot, saugen sie aus und lassen die Kadaver liegen.

So war es vor zwei Wochen. Ein Marder war nachts durch eine Lücke im Maschendraht in die Voliere geschlüpft und hat alle Vögel tot gebissen, die sich im Freien aufhielten. Nur der Goldfasan und eine Henne überlebten, weil sie im geschlossenen Teil der Voliere übernachtet haben. Nun ist also auch noch der Goldfasan-Hahn weg. In den vier Volieren von Egon Schramm (82) ist es einsam geworden. Die letzte Goldfasan-Henne teilt sich den Platz mit einer Handvoll Kanarienvögel.

Egon Schramm ist von klein auf ein Tierfreund gewesen. 1944 als ein Bekannter seines Vaters eingezogen wurde, bekam er dessen Goldfasan-Paar. Schramms Vater hatte damals eine große Taubenzucht. Die Fasane zogen bei den Tauben ein und das Pärchen vermehrte sich. Später kamen Diamant-Fasane (Amherst) dazu, die Egon Schramm eigentlich noch schöner findet als die Goldfasane. Egon Schramm spezialisierte sich auf Ziergeflügel, war in den 1950er-Jahren Mitbegründer des Ziergeflügelvereins in Flöha. Die Vögel in seinen Volieren waren für viele Augustusburger ein beliebter Anlaufpunkt. "Oft blieben Kinder am Zaun stehen und erfreuten sich an den Vögeln", sagt Egon Schramm. Und die Kinder seien später mit ihren Kindern oder Enkeln an den Volieren stehen geblieben. Egon Schramms Ziervögel waren eine gefiederte Institution in der Altstadt von Augustusburg.

Die Zebrafinken hat er schon vor einer Weile abgegeben. Von den Kanarienvögeln will er sich vor dem Winter auch noch trennen. Und neue Goldfasane werde es nicht geben, sagt Egon Schramm, der im Berufsleben Hygieneinspektor war.

Hinweise auf den Fasan-Dieb, gibt es bislang nicht. Angezeigt hat Egon Schramm den Diebstahl auch nicht. "Ach was", winkt er ab. Was könnte ein Dieb mit einem Fasan anstellen wollen? Schmecken wird ihm der Vogel jedenfalls nicht", sagt Egon Schramm. Und dran ist nicht viel mehr als an einer Taube. Der Hahn hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel - "bestimmt ein zähes Tier", sagt Schramm und schmunzelt. Wie alt der gestohlene Goldfasan war? "Das weiß ich gar nicht genau", sagt Schramm, "die Jahre gehen ins Land ..."

Im vergangenen Jahr war schon einmal ein Goldfasan aus der Voliere von Egon Schramm verschwunden. Daran hatte ihn seine Frau erinnert, sagt der Rentner. Er trauert weniger um den Goldfasan, als er bedauert, dass die Kinder nun in seinen Volieren nichts mehr zu sehen haben.


Markant: Goldgelbe Haube

Der Goldfasan ist eine Hühnervogelart. Markante Merkmale des Hahns sind die goldgelbe Haube, die intensiv rote Unterseite und die grün und blau schimmernden Partien an Rücken und Flügeln. Die Henne ist überwiegend beigebraun und schwarz gebändert. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt im mittleren China. Die Körperlänge des Hahns beträgt etwa 100 Zentimeter, das Gewicht zwischen 700 und 800 Gramm. Die Henne ist deutlich kleiner. (mbe)

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