Ein reizender Abend: Am Tisch mit Champions-League-Siegern

Die Skatspieler aus Erdmannsdorf und Flöha haben einen der größten Titel ihres Sports geholt - und den "Freie Presse"-Reporter mitspielen lassen. Es kam zum peinlichsten Sieg in dessen Leben.

Flöha.

Eines vorweg: Skat ist kein Glücksspiel. Skat ist Denksport und Strategiespiel. Es gibt nationale und internationale Verbände, es werden Meisterschaften ausgerichtet. Es gibt sogar Profis. Und es gibt mich, der - wenn es viel ist - dreimal im Jahr Skat spielt. Und dessen größter Erfolg es war, vor einigen Jahren bei einem Turnier in einem Sportlerheim nicht die Kerze für den Letztplatzierten gewonnen zu haben.

Umso schwieriger wird es nun, das zu erklären, was sich am Montagabend im Gartenlokal "Rosenheim" zu Flöha abgespielt hat. Denn ich habe nicht nur mit den frisch gekürten Champions-League-Siegern Skat spielen dürfen - ich habe auch gewonnen. Was dann doch in erster Linie Glückssache war, denn meine Karten waren einfach gut. "Im Laufe eines Turniers hebt sich das Kartenglück auf", sagt Torsten Neumeister und bleibt trotz seiner Niederlage ganz ruhig. Er ist einer der vier Spieler des SV Vier Wenzel Flöha-Erdmannsdorf, die nach dem Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft am vergangenen Wochenende auch den Champions-League- Pokal holten. "Viel mehr kann man als Team eigentlich nicht gewinnen", sagt Neumeister.

Da Skat im Gegensatz zu Fußball oder anderen beliebten Sportarten am TV-Bildschirm nur sehr schwer nachvollziehbar ist, sind die Spieler aus Flöha und Erdmannsdorf im Gegensatz zu Ronaldo oder Zidane nicht ganz so berühmt. Und ihr Geld müssen sie auch noch mit normaler Arbeit verdienen. In der Freizeit aber nutzen sie fast jede freie Minute, um zu trainieren. "Natürlich verbindet man bei diesem Sport das Gesellige mit dem Training", sagt Stefan Hasterock. "Aber es ist eben nicht so, dass man sich einfach an einen Tisch setzen und Turniere gewinnen kann. Man muss wirklich an sich arbeiten, am Ball bleiben und immer wieder dazulernen."

Umso peinlicher ist mir, was an diesem Abend passiert. Die Karten stimmen, ich kann auf viele Spiele reizen, verliere kein einziges. Nach reichlich zwei Stunden ist die Liste mit 48 Spielen durch, ich bin Sieger. Champions-League-Sieger-Besieger. "Ich werde mir davon ein T-Shirt machen lassen", sage ich lachend. So richtig können die Vier Wenzel, gegen drei der Siegermannschaft habe ich gespielt, nicht mitlachen. Mein Sieg wurmt sie dann doch schon ein bisschen, auch wenn sie es nicht zugeben wollen. "Im Laufe eines Turniers werden 20 Serien à 48Spiele gespielt", sagt Torsten Neumeister. "So viel Glück, dass man sowohl Deutscher Meister als auch Champions-League-Sieger wird, gibt es da nicht."

Ich habe verstanden - und es trotz meines Sieges auch beim Spiel gemerkt. Denn all die Gespräche mit den Spielern fanden statt, während die Karten gelegt wurden. Während ich krampfhaft versucht habe, mir zu merken, welche Buben schon gespielt sind, haben meine drei Mitspieler im Blick, ob es für sie überhaupt noch zum Sieg reichen kann. Das ging mir oft einfach zu schnell. Ich werde meine Karriere wohl auf dem Höhepunkt beenden.


Das beste von 48 Teams

Der SC Vier Wenzel Flöha-Erdmannsdorf konnte in der Besetzung Kurt Drechsel (32 Jahre), Torsten Neumeister (42), Stefan Hasterock (39) und Benjamnin Diener (33) in Rotenburg an der Fulda die Chamions League im Skat gewinnen. Nach mehr als zehn Stunden Spielen an zwei Tagen stand Diener zudem als bester Einzelspieler fest. Am Turnier nahmen auf Einladung die 24 besten deutschen Teams sowie 24 internationale Vertretungen aus aller Welt teil. (tre)

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