Ein Stadtschreiber, berittene Boten und 450.000 Euro

Augustusburg hat im sächsischen Ideenwettbewerb ein hohes Preisgeld gewonnen - Der Bürgermeister will damit endlich die Chancen der Digitalisierung sichtbar machen

Augustusburg.

Mit dem Gewinn von 450.000 Euro Preisgeld im sächsischen Ideenwettbewerb "Simul plus" will die Stadt Augustusburg Digitalprojekten Schwung verleihen. Bei dem Wettbewerb wurden insgesamt 4,85 Millionen Euro Preisgeld an 334 Projekte in zwei Kategorien verteilt. Immer ging es um kreative Ideen, Konzepte und Projekte zur Stärkung und Entwicklung des ländlichen Raumes. Mittelsachsen war dabei besonders erfolgreich und räumte mit mehreren Wettbewerbsbeiträgen über eine Million Euro Preisgeld ab.

Eine zentrale Rolle im Augustusburger Wettbewerbsbeitrag spielt das Lehngericht, das 2017 an den Chemnitzer Unternehmer Lars Fassmann verkauft wurde. Der Konzepttitel "Von Stadtschreibern und berittenen Boten als Vorreitern der Digitalisierung im ländlichen Raum" wirft im Zusammenhang mit Digitalisierung indes einige Fragen auf, welche die "Freie Presse" versucht zu beantworten.


Wofür werden die 450.000 Euro Preisgeld konkret verwendet?

Mit dem Preisgeld sollen zunächst drei Projektstellen befristet über zwei Jahre finanziert werden, sagte der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer kürzlich im Stadtrat. Es soll einen Mitarbeiter geben, der das gesamte Projekt koordiniert, alle Aktionen erfasst und innovative Lösungen vorantreibt. Das ist der digitale Stadtschreiber. Weiterhin wird es einen Mitarbeiter geben, der durch die Ortsteile fährt, die Digitalangebote erklärt, Fragen aufnimmt und zum Mitmachen begeistert - der berittene Bote sozusagen, der eine soziale Funktion ausübt. Und es soll eine dritte Stelle geben, einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, der oder die Konzepte weiterentwickelt. Die Ausschreibung der Stellen werde derzeit vorbereitet, sagte Neubauer. Weiterhin werden im Lehngericht am Markt ein sogenannter Coworking-Space und ein Fab-Lab eingerichtet. Das wird die Augustusburger Digital-Zentrale.

Was ist ein Coworking-Space und ein Fab-Lab und was findet dort statt?

Ein Coworking-Space ist eine Art Gemeinschaftsbüro. Geplant sind zwölf Arbeitsplätze im Lehngericht mit schnellem Internetzugang. Die Arbeitsplätze können von jedem genutzt werden - etwa für zeitlich befristete Projekte. Die Idee ist: Man arbeitet zwar für sich, aber nicht allein. Es soll eine Richtfunkstrecke aufgebaut und damit eine Übertragungsgeschwindigkeit von 250 Megabit pro Sekunde bereitgestellt werden. Davon soll unter anderem auch das Stadthaus profitieren. Im Fab-Lab, einem Technik-Labor, stehen Geräte bereit, die ausprobiert werden können, etwa ein 3-D-Drucker. Im Lehngericht wird auch die Digitalschule angesiedelt, wo Kurse zu Fragen der Nutzung von Internet und Digitalgeräten angeboten werden. Eine erste Schulung über Möglichkeiten, mit der Suchmaschine Google Geschäfte voranzutreiben, gab es bereits im Februar.

Welche baulichen Veränderungen gibt es am Lehngericht?

Größere Baumaßnahmen wird es anfangs nicht geben, sagt Lehngericht-Eigentümer Lars Fassmann, Vorstandsvorsitzender der Chemmedia AG, die E-Learning-Angebote, Lernmanagementsysteme und Softwarelösungen anbietet. "Die Räume sind fertig", sagt Fassmann, sie werden lediglich ausgestattet. Parallel zur Digitaloffensive werde auch die kulturelle Belebung des Lehngerichts vorangetrieben, kündigt Fassmann an. Dazu seien aber größere bauliche Investitionen erforderlich. Das erfolge schrittweise.

Um welche konkreten Digitalprojekte geht es?

Die bereits erwähnte Digitalschule, die grundsätzlich jedem offen steht. Das Projekt Kleinstadtmenschen, das die Erinnerungen alteingesessener Augustusburger sammelt und als digitaler Erzählband multimedial verfügbar gemacht werden soll. Oder die permanente Überwachung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen per Smartphone oder Tabletcomputer, die alten Menschen eine längere Selbstständigkeit in der eigenen Wohnung ermöglichen soll.

Wie werden die Gelder, Tätigkeiten und Projekte abgerechnet?

Das Preisgeld muss projektbezogen verwendet werden, sagt Dirk Neubauer. Orientierung ist das von der Stadt eingereichte Konzept (Stadtschreiber und berittener Bote). Die drei Stellen werden von der Stadt ausgeschrieben und die geeigneten Bewerber dafür ausgewählt. Da es sich bei den 450.000 Euro um ein Preisgeld und keine Förderung handelt, ist keine aufwendige Abrechnung erforderlich. Es müsse lediglich der Nachweis erbracht werden, dass mit dem Geld das eingereichte Projekt nach zwei Jahren vorangetrieben worden ist. mbe

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...