Eine Kammer voll mit Kunst

In Augustusburg gibt es seit etwa zwei Jahren ein kleines Antiquitäten-geschäft. Der Eigentümer kann zu seinen Objekten eine Menge erzählen.

Augustusburg.

Aus einer Haushaltsauflösung in Amsterdam stammt der 60 Zentimeter große Terrakotta-Panther, der nun im Schaufenster eines Antik-Geschäftes in Augustusburg zum Verkauf steht. "Der Panther wurde etwa 1925 gefertigt. Ich habe lange recherchiert, bis ich den Namen des Künstlers ausfindig machen konnte. Es ist der Franzose Charles Lemanceau", sagt Gerd Püschel und erzählt ein wenig über dieses seltene Stück, das zwischen afrikanischen und asiatischen Skulpturen, alten Bildern aus aller Herren Länder sowie erzgebirgischen Schnitzereien, alten Puppenstuben und vielen Büchern einen Platz gefunden hat.

Der 58-Jährige hat vor etwa zwei Jahren ein kleines gemütliches Antik-Geschäft mit dem Namen "Kunstkammer" in der Engen Gasse in Augustusburg eröffnet. Mit Liebe und Leidenschaft kauft und verkauft er Kunst und Antiquitäten. Mit mindestens genauso viel Enthusiasmus erzählt er Geschichten zu jedem einzelnen Stück, das er dort ausgestellt hat.

Gerd Püschel stammt aus Dittersdorf. "Mit 16 oder 17 Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich raus muss", sagt er. Von Glauchau über Zittau und Dresden führten seine Wege nach Berlin. Fast drei Jahrzehnte arbeitete der studierte Elektroingenieur als Verlagsvertreter für den Aufbau-Verlag, den größten Verlag der ehemaligen DDR. "Schon als Kind habe ich alles gelesen, was Buchstaben hatte", sagt Püschel. Beim Studium in Zittau übernahm er im Studentenklub die Kulturarbeit. "Dort sind damals viele Kontakte zu Musikern und Schriftstellern wie beispielsweise Hans-Eckardt Wenzel entstanden", sagt der Augustusburger. Für den in Hainichen lebenden Liedermacher Jörg Kokott schreibt er seit vielen Jahren Texte. Im Gespräch mit Gerd Püschel wird sofort klar, dass sein Herz besonders für die asiatische Kunst schlägt. Und im Speziellen für die Kunst aus Sri Lanka, seinem Lieblingsreiseziel. Viele Bücher in seiner Privatbibliothek handeln von Sri Lanka, das bis 1972 Ceylon hieß. Nach dem tragischen Unfalltod seiner drei besten Freunde, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen - er selbst hatte die Reise berufsbedingt in letzter Sekunde absagen müssen - fiel er in ein tiefes Loch. "Irgendwann bin ich dann in ein Reisebüro gegangen und habe, ohne lange zu überlegen, eine Reise nach Sri Lanka gebucht", so Püschel.

Das war der Beginn seiner Liebe zu der im Indischen Ozean gelegenen Insel. Über zwanzig Mal war er bisher dort. "Ich habe schnell Kontakt zu Einheimischen geknüpft, um sie besser kennenzulernen. Daraus entwickelten sich wunderbare Freundschaften, die bis heute bestehen." Er traf Maler und Schriftsteller, lernte viel über die Kultur des Landes. Von jedem Aufenthalt brachte er landestypische Kunstwerke mit, oftmals Auftragsarbeiten von Künstlern aus der Region.

Zu jedem Objekt gibt es natürlich interessante Geschichten, wie etwa zu einer Sarasvati, einer geschnitzten Göttin mit mehreren Armen, die heute in seinem Wohnzimmer steht. Als er 2004 den großen Tsunami vor Ort in Sri Lanka überlebte, hatte er diese Auftragsarbeit kurz vorher gekauft und auf seinen Schreibtisch gestellt. Nachdem er in sein verwüstetes Hotel zurückkehrte, fand er die Holzfigur unbeschadet im Hotelzimmer wieder.

Gerd Püschel arbeitet auch als freiberuflicher Lektor und macht Pressearbeit für einen Hamburger Verlag. Wenn er Zeit findet, fährt er gerne mal in die Niederlande - ein Eldorado für Antikhändler - und kauft dort Interessantes für seine "Kunstkammer" in Augustusburg ein, die freitag- und samstagnachmittags geöffnet hat.


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