Eine Wanderregion sucht Rezepte

Wahlen 2019: Für die Entwicklung von Frauenstein und Nassau fehlt es mitunter nicht nur am Geld, sagen manche Einwohner, sondern auch am Einsatz - von der Gemeinde und ihnen selbst.

Frauenstein/Nassau.

Die siebte Etappe der Wahlwanderung von Burkersdorf nach Nassau sollte vom Aufräumen und Holzmachen geprägt sein. Überall zerlegen Waldbesitzer Bäume, die der Sturm umgeknickt hat. Am Wochenende vor Ostern machen zudem viele Einwohner ihre Gemeinden schick.

Doch als ich zum Frühjahrsputz an der Burg in Frauenstein komme, sehe ich nur zwei, die die ehemalige Schanze freiräumen: Wanderwegewart Reiner Hengst und Harald Richter. Der Burgverein habe seinen Einsatz wegen des Wetters abgesagt. Generell gäbe es aber immer weniger, die mitziehen und viele, die meckern. "Wir müssen einen Weg finden, die Leute von der Couch zu bekommen", so Hengst. Er strebt das Qualitätswandersiegel für Frauenstein an, aber ohne Hilfe wird das nicht gehen. Damit der Blick auf die Burgruine wieder frei wird, haben Feuerwehrleute die Schanze freigeschnitten, die beiden Männer räumen nun Müll und Äste beiseite. Es ist ihr dritter Einsatz 2019. Mit Freiwilligen haben sie die drei Rundwege um die Burg nach dem Sturm wieder begehbar gemacht. Dass der Bauhof nicht alles schafft, ist ihnen klar. Auch der Wegewart schafft es nicht, alle 500 Kilometer Wanderwege regelmäßig abzulaufen.

Um staatlich anerkannter Erholungsort zu bleiben und dem bis 2019 geplanten Silbermannpfad zum Erfolg zu verhelfen, sei Nachhaltigkeit entscheidend. "Die Frage ist wieder: Wer pflegt den Weg?", so Hengst. Ehrenamtler könnten nicht alles machen, und Fördermittel zu bekommen, sei zu kompliziert und langwierig. Derzeit fehle es auch an Werbung. Dennoch fragten viele nach Touren, "und dann zeige ich ihnen, was sie nirgends anders finden".

Positiv heben die Männer hervor, dass die Durchfahrtsstraße saniert ist, auch wenn es lange gedauert hat, dass die Arbeiten am Breitbandausbau begonnen haben - "Wir haben noch ISDN" - und dass es noch kleine Geschäfte im Ort gibt, was auch den Touristen gefiele. Auch lobende Worte für den rührigen Kulturverein fallen. Am Mittwoch von 9 bis 12 Uhr wollen sie weiter aufräumen. Auch das Grüne Klassenzimmer im Gimmlitztal sollte am Sonnabend aufgeräumt werden, teilt Harald Richter mit. Als ich ankomme, ist keiner mehr da. Ich erreiche Nassau an der Kirche. Ein österlich geschmückter Platz liegt vor mir, das Café hat zu - die Besitzer sind 2018 in Rente gegangen. Später erfahre ich, dass der Ortsteil in dem Jahr auch beide Läden verloren hat.

Keines der drei Geschäfte ist wieder besetzt. "Da fehlt es an politischer Unterstützung", sagt Daniel Morgenstern,. Die Kommune könne aktiv nach Betreibern suchen. Dennoch kenne er viele, die in Nassau bauen wollten - aber nicht dürfen, weil es im Außenbereich liegt. Zudem ärgert ihn, dass Schule, Bad und viele Häuser so marode sind.

Ähnlich sieht es Familie Dittrich. "Es ist traurig", sagt der Rentner. "Nassau war früher ein feiner Ort." Die Kommune müsse mehr Druck auf Eigentümer ausüben, einstürzende Gebäude zu beseitigen. Und offen gegenüber Ideen sein: So habe es Pläne gegeben, im Schulgebäude Begegnungs- und Vereinsräume sowie einen Dorfladen einzurichten. "So etwas würde auch Jüngere hier halten", sagt die Frau. Hoffnung macht ihnen, dass ein paar junge Leute alte Höfe schick machen. Ihre Bitte an die Kommune: "Wir brauchen ein Bürgerforum, wo alle Ideen auf den Tisch kommen."

Die tour von Laura Kaiser ist am Sonntag in Neuhausen zu Ende gegangen. Beiträge können Sie im Internet unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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