Endlich Sonne für die Siedler von Hartha

Mit Planwagen und zu Fuß ist auch in diesem Jahr wieder ein Tross in historischer Aufmachung der Region unterwegs. Die Zwischenstation nahe der Räuberschänke war für alle eine Geduldsprobe.

Hartha.

Es war 16.10 Uhr am ges-trigen Nachmittag, als die Sonne sich zum ersten Mal über dem Feld bei Hartha blicken ließ. Jubel brandete auf unter denen, die tapfer im Freien geblieben waren, um auf genau diesen Moment zu warten. Und der Rest kroch jetzt auch aus den durchnässten Zelten und Planwagen hervor: Er war überstanden, der bislang wettertechnisch schlimmste Tag des diesjährigen Historischen Besiedlungszuges. Von frühmorgens bis zum Nachmittag hatte es fast ohne Unterbrechung geregnet.

Dass es die etwa 150 Teilnehmer ausgerechnet am Ruhetag, der nahe dem Gasthaus "Räuberschänke" eingelegt wurde, erwischte, hatte gute und schlechte Seiten. "Die gute Seite ist, dass wir bei dem Mistwetter nicht auch noch laufen müssen", sagte Michael Ehnert. "Denn es hat ja nicht nur geregnet, es war auch noch recht windig. Das ist kein gutes Wetter zum Laufen." Ehnert führt als Lokator den Zug an, der die Landnahme in den Striegistälern, wie sie um 1156 auf Initiative des Markgrafen Otto von Wettin tatsächlich erfolgte, nachstellt - in diesem Jahr bereits zum 25. Mal.

Die schlechte Seite des Regenwetters, wie es die etwa 150 Teilnehmer gestern erlebten: Am Ruhetag kann nicht wirklich viel gemacht werden. "Wir haben in erster Linie geschlafen", beschrieb Luisa Bräuer ihre Hauptbeschäftigung am Ruhetag. Gemeinsam mit zwei weiteren Freundinnen hat die 15-Jährige aus Limbach-Oberfrohna in einem Planwagen ein Domizil für die neuntägige Reise gefunden. "Wir kennen uns von einem Reiterhof in Limbach, auf dem wir regelmäßig sind, und machen zum zweiten Mal beim Besiedlungszug mit", erzählt Anna Opitz. Die 19-Jährige hat es sich an diesem nassen Donnerstag ebenfalls hauptsächlich im warmen Schlafsack gemütlich gemacht. "Viel mehr war nicht möglich", sagt sie. "Aber nach dem Gelage am Vorabend tat das auch mal ganz gut."

Ein Schelm, der bei Gelage an ein ausuferndes Besäufnis denkt. Beim Besiedlungszug steht das Wort für ein üppiges gemeinsames Mahl, dazu kommt traditionell die Siedlerhochzeit, bei der zwei Teilnehmer feierlich verheiratet werden. Ort des Geschehens war in diesem Jahr das Feld nahe der Räuberschänke, die übrigens derzeit wegen Urlaubs geschlossen hat. "Also konnten wir auch dort nicht hin, um uns wenigstens ein bisschen aufzuwärmen oder Bowling zu spielen", sagte der Lokator Michael Ehnert mit einem Augenzwinkern. "Am Ende hat es ja mit dem Wetter noch hingehauen."

Heute nun geht der Historische Besiedlungszug auf seine siebente Etappe, die über Memmendorf und Schönerstadt bis nach Braunsdorf führt. Am Sonntag soll das Ziel in Sachsenburg erreicht werden.

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