Eppendorf muss mehr bezahlen für seinen Kulturbahnhof

Eine Dampflok wie zu Kleinbahnzeiten wird vor dem Eppendorfer Bahnhof nicht wieder einfahren. Dennoch geht die Kommune den Umbau des Hauses an. Und das, obwohl er schon vor Baustart die Gemeindekasse mehr belastet als gedacht.

Eppendorf.

Der Umbau des ehemaligen Eppendorfer Bahnhofes zu einem Kultur- und Dorfgemeinschaftshaus nimmt langsam immer mehr Fahrt auf. Zur jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag einigten sich die Räte nun endgültig darauf, das rund 800.000 Euro teure Vorhaben in den kommenden zwei Jahren anzupacken.

Doch zunächst galt es noch eine finanzielle Kröte zu schlucken. Denn schon bevor der erste Handwerker seine Arbeit am historischen Gebäude überhaupt aufgenommen hat, ist der geplante Eigenanteil der Gemeinde gestiegen. Die Kommune muss nun knapp 230.000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen, dass entspricht einer Steigerung um rund 30.000 Euro. Die Erklärung dazu lieferte Bürgermeister Axel Röthling (SPD) sofort mit. Die Gemeinde hatte im Fördermittelantrag förderfähige Kosten in Höhe von knapp 799.000 Euro ausgewiesen. Nach Prüfung durch das sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft wurde jedoch entschieden, dass Eppendorf für dieses Vorhaben nur etwas mehr als 758.000 Euro erhalten wird.

"Die geplante Photovoltaikanlage und Teile der Innenausstattung, wie zum Beispiel Tische, Stühle und weiteres bewegliches Mobiliar werden nicht gefördert", sagte Röthling. Dadurch erhöht sich der Eigenanteil. Die Gemeinderäte sahen die Mehrbelastung der Gemeindekasse jedoch nicht kritisch und stimmten dem Vorhaben einstimmig zu. Der Fördersatz beträgt 75 Prozent, das Geld stammt aus dem Programm "Vitale Dorfkerne und Ortszentren".

Ob nun die geplante Photovol-taikanlage, obwohl sie nicht förderfähig ist, dennoch gebaut wird, sei noch nicht klar. "Grundsätzlich sind wir nach den gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet, die erneuerbaren Energien zu nutzen. Jetzt wollen wir aber klären, ob wir aufgrund des Denkmalschutzes davon befreit werden können", sagte der Bürgermeister. Davon abgesehen sei die Finanzierung der Anlage zunächst aus den Eigenmitteln geplant.

Röthling machte aber auch kein Geheimnis daraus, dass der Umbau eines alten Gebäudes immer mit einem gewissen Restrisiko verbunden sei. "Das haben wir zum Beispiel bei der Sanierung der Eppendorfer Kirche gemerkt", sagte das Gemeindeoberhaupt. Während der Arbeiten kamen versteckte Mängel zum Vorschein, die trotz sorgfältiger Planung so nicht vorausgesehen werden konnten.

Zwar machte der Bürgermeister die Bedenken öffentlich, doch deshalb werde der Sanierungszug jetzt nicht mehr angehalten. In der vergangenen Woche trafen sich Vertreter der Vereine, die als spätere Nutzer des sanierten Bahnhofes in Frage kommen könnten. "Wir haben zunächst Ideen über das künftige Nutzungskonzept ausgetauscht. Es war eine sehr gute Runde", schätzte Röthling ein. Allerdings bleibe abzuwarten, ob die Vorstellungen und Wünsche der Vereine bautechnisch und förderunschädlich umgesetzt werden können. Um die Gedanken besser bündeln zu können, wurde mit den beiden CDU-Gemeinderäten Daniel Lindner und Ulrike Seyfert sowie den Modellbahnexperten Lutz Wundram und Tobias Stellmacher ein Gremium ins Leben gerufen, dass die Fäden in der Hand behalten möchte. "Ich war bei der Zusammenkunft dabei und sehe uns jetzt auf einem guten Weg, das Projekt umsetzen zu können", zeigte sich Daniel Lindner optimistisch.

"Jetzt wollen wir uns zunächst einen Architekten heraussuchen, der das Projekt ins Detail planen soll. Zu sagen, inwieweit dann die Wünsche der Vereine berücksichtigt werden können, ist zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich nicht möglich", sagte Röthling.

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