Erfolgsgeheimnis: der eigene Stil

Die Manufaktur Björn Köhler lädt zum Handwerkstag ein. Dass diesmal weit mehr als Weihnachtsmänner und Krippenfiguren zu sehen sind, hat seinen Grund.

Eppendorf.

Rote Knollennase auf einem langen weißen Bart, roter Mantel, Pudelmütze und riesige Füße: Diese Weihnachtsmänner sind längst das Markenzeichen des Eppendorfer Kunsthandwerkers Björn Köhler. Zu Tausenden haben die lustigen Gesellen in den letzten 30 Jahren die Werkstatt in alle Himmelsrichtungen verlassen.

Dabei war der erste kleine Mann eher eine Art Verlegenheitslösung: "Am Vorabend des Nikolaustages 1987 fiel mir siedendheiß ein, dass ich noch kein Geschenk für meine damalige Freundin - meine heutige Ehefrau Peggy - hatte", erzählt Björn Köhler. In einer zweistündigen Nachtaktion in seiner kleinen Werkstatt entwickelte er die Figur. "Ich hätte nie gedacht, dass dieses Motiv so eine Resonanz findet."

Hat es aber. Selbst in Amerika und in Australien gibt es Sammler. Inzwischen können sie unter 100Varianten des Ur-Weihnachtsmannes wählen. Diese und viele andere Anekdoten aus der Firmengeschichte sind Teil einer Ausstellung, die zum Tag des traditionellen Handwerks am Wochenende bei Kunsthandwerker Björn Köhler zu sehen ist. Anlass ist das 30-jährige Firmenbestehen.

Die Ausstellung, die Bilder, Zeitdokumente, Zeitungsausschnitte und erste gefertigte Figuren umfasst, befindet sich genau dort, wo Björn Köhler seinen Berufsweg begann. In dem Anbau an eine Garage standen Maschinen, die er noch mit seinem Vater vor der Wende erbaut hatte. 1980 bis 1982 absolvierte er seine Lehre und machte später die Meisterprüfung. Die in der Tasche, meldete er zum 1. Januar 1989 ein Gewerbe als selbstständiger Drechslermeister an. Dass das genehmigt wurde, führt Köhler vor allem darauf zurück, dass mit den Weihnachtserzeugnissen seinerzeit Devisen für den klammen DDR-Haushalt erwirtschaftet werden konnten.

Doch womit? Es gab weder Maschinen noch das nötige Material einfach so zu kaufen. Dem Neueinsteiger wurde vielmehr von der damaligen Kreisplankommission, die über Materialverteilung entschied, ein Kubikmeter Holz zugewiesen - das Schriftstück dazu ist in der Ausstellung zu sehen. Doch noch ehe Köhler loslegen konnte, wurde er am 1. November 1989 zum Militär eingezogen. "Also meldete ich mein Gewerbe wieder ab. Keiner ahnte da, dass acht Tage später die Mauer fallen würde", erinnert sich Köhler. Die DDR löste sich auf, seine Armeezeit endete. Im Juli 1990 - in der Woche der Währungsunion - meldete er sein Gewerbe wieder an. Und die ersten Rechnungen, die er noch in DDR-Mark ausgeschrieben hatte, flossen als D-Mark in die Kasse.

Allerdings lief das Geschäft nicht mehr von allein. Im Osten fand sich kein Absatzmarkt mehr. Und so drechselte er zwei, drei Wochen in der Garage und machte sich mit seinen Figuren im Trabi auf den Weg gen Westen. Er stoppte in vielen Kleinstädten und fragte nach Kunstgewerbeläden. Dabei war beim Direktverkauf der Erzeugnisse mancher Rückschlag hinzunehmen, doch die Tür-Klinkenaktionen machten auch Mut. Köhler: "Ich erlebte, wie meine künstlerische Handschrift ankommt." Auf positive Resonanz stießen vor allem seine Krippenfiguren, die er in Kleinserien fertigte.

Als Meilenstein bezeichnet Köhler die erste Teilnahme an der Fachmesse Ambiente 1994 in Frankfurt/Main. Und mit dem Designpreis Tradition und Form, der 1995 erstmals verliehen wurde und seinerzeit an ihn ging, wuchs das mediale Interesse an der Eppendorfer Firma. Heute läuft das Geschäft, die Firma hat mittlerweile 43 Mitarbeiter, und die Werkstatt platzt aus allen Nähten. Deshalb plant der dreifache Familienvater die Erweiterung der Produktionsräume. Erste Planungen dazu gibt es, 2020 sollen sie umgesetzt werden.

Doch jetzt liegt sein Fokus erst mal auf dem diesjährigen Handwerkstag. "Der macht viel Arbeit", weiß der 54-Jährige, "aber das ist eine sinnvolle Investition. Man kommt mit dem Publikum ins Gespräch, und das erlebt vor Ort, welche Wertschöpfungskette in unserer Manufaktur stattfindet."


Zuschauen und Ausprobieren

Einige Aktionen zum Tag des traditionellen Handwerks am Sonntag:

Eppendorf: Köhler Kunsthandwerk zeigt 10 bis 17 Uhr das Entstehen der Figuren und eine historische Drechselbank. Land Ei GmbH, Rülke GmbH, Uhren Oehme öffnen 10 bis 17Uhr.

Memmendorf: Der Gasthof "Goldener Stern" organisiert 10 und 14 Uhr Spinnen/Filzen sowie 10 und 14 Uhr Hofführungen.

Niederwiesa: Die Historische Schauweberei Braunsdorf bietet 10 bis 18 Uhr ein Programm, 15 Uhr Führung.

Oederan: Die Weberei- Museum organisiert von 10 bis 17 Uhr Schauvorführungen im Weben, Schriftsetzen, Drucken und Klöppeln. Zur gleichen Zeit zeigen das Dorfmuseum Gahlenz altes Landhandwerk und das Klein-Erzgebirge die Herstellung, Bau und Wartung von Miniaturobjekten.

Riechberg: Von 9 bis 17 Uhr lädt die Drechslerei Volkmar Wagner ein.

Alle Veranstaltungsorte in der Region stehen am Samstag auf Seite 12.

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