Erzleuchten: Des einen Freud - des anderen Leid

Das Feuerwerk vom Wochenende sorgt für Kontroversen. Bauern und Naturschützer zeigen wenig Verständnis für die Aktion.

Stollberg.

Feuerwerk auf vier Anhöhen im Erzgebirge: Das hat am Wochenende zahlreiche Schaulustige erfreut - und für Unmut gesorgt. Feuerwerke zu dieser Jahreszeit sieht der Regionalbauernverband Erzgebirge als Riesenproblem. "Während zu Silvester alle Tiere im Stall sind, stehen viele jetzt draußen. Auch in der freien Natur haben momentan Rehe und Hirsche Junge und brauchen Ruhe", erklärt Geschäftsführer Werner Bergelt. Kritisch sieht er Feuerwerke in dieser Größenordnung auch wegen der materiellen Schäden. So hätten Besucher, die das Geschehen verfolgten, ihre Autos auf ein frisch bestelltes Feld geparkt. "Dass die Untere Naturschutzbehörde der Aktion zugestimmt hat, verstehe ich nicht."

Ausdrücklich genehmigen muss die Ordnungsbehörde des Erzgebirgskreises nach Auskunft einer Sprecherin nicht, wenn das Feuerwerk von einem "gewerblichen Pyrotechniker als Erlaubnisinhaber nach § 7 oder § 27 Sprengstoffgesetz" ausgeführt und angemeldet wird. Der Veranstalter Stephan Boden verweist darauf, das Feuerwerk ordnungsgemäß beim Landratsamt angemeldet zu haben. "Im Zusammenhang mit der sprengstoffrechtlichen Anzeige werden durch das Landratsamt Erzgebirgskreis sonstige Belange wie zum Beispiel des Arten-und Naturschutzes geprüft. Im konkreten Fall lagen hierzu keine Einwände vor", sagt Katja Peter aus der Pressestelle des Landratsamtes. Offenbar hat es schon vor dem Spektakel Kontakt zwischen Boden und einigen Bauern gegeben. Daher habe er großkalibrige Feuerwerksbomben nur in Meinersdorf und Hormersdorf abgefeuert, in Eibenberg und Dittersdorf hingegen sei auf die großen Effekte verzichtet worden und es seien nur kleinkalibrige Batteriefeuerwerke in niedrigerer Höhe abgefeuert worden.

Rolf Seyffert vom Rößlerhof in Burkhardtsdorf sieht das Problem nicht im Feuerwerk selbst. Aber die Flurschäden, von denen ihm Kollegen erzählt hätten, bereiteten ihm Sorgen. Demnach seien Zuschauer durch Weizenfelder gelaufen, um das Feuerwerk zu betrachten. "Das ist das Schlimme."

Im Vorfeld hatte auch der BUND mit Verweis auf die Brut- und Setzzeit Kritik geäußert. Ein so groß angelegtes Feuerwerk könne nicht nur in der näheren, sondern auch in der entfernteren Natur erheblichen Schaden anrichten. "Sicherlich steckt ein guter Wille dahinter, den Menschen in dieser schwierigen Zeit der Corona-Krise Freude zu schenken, aber der Preis ist in diesem Fall unverhältnismäßig hoch", so Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. (mit mb/bjost/mik)

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