Es wird wieder dramatisch in Oederan

Mein Oederan Es war ruhig geworden um eine Schauspieltruppe, die seit 1992 für mehr Kultur in der Stadt gesorgt hatte. Jetzt startet das Ensemble neu durch - mit Zuwachs und Drogen.

Oederan.

Heute wird der Text mal langsam gesprochen. Muss ja auch mal sein. Das ist gut für die Aussprache und damit für das Verständnis. Schließlich soll im Publikum ja jeder Besucher verstehen, wie genau der grantige Opa seine Familie nervt und weshalb ihn Pillen plötzlich zu einem Tyrann der ganz anderen Art werden lassen. Ja, es wird auch um Drogen gehen, wenn der Dramatische Verein Oederan im Januar 2020 nach einem Jahr Pause wieder ein Stück auf die Bühne bringt. "An allem war'n die Pillen schuld!" heißt es dann.

Heute ist Probe. Das Kommando im Oederaner Bürgersaal hat der grantige Opa höchstselbst. Denn er wird von Mario Böhme gespielt. Der ist auch Regisseur des Stücks. Mehr noch: Seit Frühjahr ist der 51-Jährige zudem Chef der Laienspielgruppe, die seit 1992 besteht und Anfang dieses Jahres vor dem Aus stand. Die Mitbegründer und Vereinschefs hatten nicht mehr die Muße und die Kraft, sich um Nachwuchsgewinnung zu kümmern und die vielen organisatorischen Aufgaben zu meistern. So wollte sich zum Beispiel die langjährige Leiterin Sabine Stache wieder mehr darauf konzentrieren, selbst auf der Bühne zu stehen. "Das ist diesen verdienstvollen Leuten natürlich nicht zu verdenken", sagt Mario Böhme. "Allerdings wussten die Mitglieder des Vereins plötzlich nicht mehr, wie und ob es überhaupt weitergeht."

Als im Januar 2017 das Stück "Der eingebildete Kranke" aufgeführt wurde, hatte der Dramatische Verein Oederan nur noch 17 Mitglieder. "Aus verschiedenen Gründen hatten einige aufgehört", sagt Böhme. "Deshalb mussten wir 2018 eine Pause einlegen. Ein Jahr später stand alles auf der Kippe." Böhme, hauptberuflich als Ausbilder und Sozialpädagoge tätig und seit 1996 im Verein aktiv, erklärte sich bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Er begann sofort damit, neue Schauspieler zu suchen. "Das hat auch zu meiner eigenen Überraschung gut geklappt; wir hatten sehr schnell vier neue Mitstreiter."

Seit August laufen die Proben für die Aufführungen von "An allem war'n die Pillen schuld!". Am 19. Januar und am 1. März wird die Komödie im Bürgersaal aufgeführt. Die vier neuen Mimen haben auch Rollen abbekommen; nach den zwei Vorstellungen sollen sie entscheiden, ob sie dabeibleiben wollen. Da, so betont Vereinschef Böhme, der Spaß bei den Proben fast noch wichtiger sei als die Aufführungen selbst, werden die Neuen wohl auch weiter bei der Stange bleiben. "Und wenn sich noch mehr Leute finden, die gern auf der Bühne stehen oder im Hintergrund helfen wollen, können sie sich sehr gern bei uns melden."

Der Dramatische Verein Oederan trifft sich immer dienstags ab 19 Uhr zur Probe, meist im Bürgersaal. Interessenten können sich bei Mario Böhme unter der Mail-Adresse boehmemario@t-online.de melden.


Der Neue

Maurice Reinhardt (19) hat bei einer Geburtstagsfeier auf sich aufmerksamgemacht. "Bei einer kleinen Einlage muss ich mich dort wohl so gut angestellt haben, dass mich der Chef des Dramatischen Vereins gleich mal angesprochen hat, ob ich mitmachen möchte", sagt der Auszubildende zum Industriemechaniker. "Ich habe dann ziemlich schnell zugesagt und es bis heute auch nicht bereut. Die Proben machen viel Spaß", sagt er. "Mal sehen, wie es ist, wenn die Premiere näherrückt." (tre)


Die Aufmüpfige

Maria Böhme (26) hatte kaum eine andere Wahl, als auf der Bühne zu landen. Immerhin ist ihr Vater Mario schon seit vielen Jahren im Dramatischen Verein dabei und leitet ihn heute. "Zum Schauspielen gezwungen wurde ich aber natürlich nicht; ich habe mit neun Jahren angefangen und seitdem immer mitgemacht, weil es Spaß macht", sagt die junge Mutter. "Am häufigsten wurde ich in der Rolle des aufmüpfigen Teenagers besetzt. Da konnte ich alles ausleben, was mich in der Pubertät genervt hat", sagt sie lachend. (tre)


Das Urgestein

Liane Bertram (62) ist seit der ersten Stunde Mitglied im Dramatischen Verein Oederan. "In der allerersten Aufführung, die 1992 zum Stadtfest auf die Bühne kam und "Kleinstadtzauber" hieß, spielte sie eine Bäuerin. "In den Jahren danach habe ich so ziemlich alles gespielt", sagt sie. "Auch einige Männerrollen waren dabei." In der aktuellen Inszenierung ist die begeisterte Hobbyschauspielerin Frau Kümmerling. "Es macht richtig Spaß, nicht mehr im Vorstand zu sein und sich auf das Spielen konzentrieren zu können", sagt sie. (tre)

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