Essen gibt es noch - aber nur außer Haus

Die Coronainfektionszahlen steigen, ein Ende des Lockdowns ist nicht in Sicht. Schwer betroffen sind vor allem Gastronomen in der Region. Doch nicht jeder steckt den Kopf in den Sand.

Flöha.

Die neue sächsische Corona-Schutzverordnung sieht nun doch schärfere Maßnahmen für die Hotspots des Infektionsgeschehens vor. Dies geht aus dem Entwurf der Verordnung hervor, der dem Landtag zugeleitet wurde. Beschlossen werden soll sie am Freitag. Die Gaststättenbetreiber müssen also damit rechnen, dass ihre Häuser weiter geschlossen bleiben.

Dabei hat Tilo Appelt vom Gasthaus "Zum Schlossberg" in Augustusburg schon jetzt schwer mit den Corona-Verordnungen zu kämpfen. "Im ersten Lockdown hatten wir 40.000 Euro Umsatzeinbußen", sagt der Gastwirt. "Wir bieten jetzt im zweiten Lockdown zwar wieder Außer-Haus-Essen an, aber das macht maximal acht Prozent des normalen Umsatzes aus", so Appelt. Wirtschaftlich sei das zwar nicht, aber wie viele seiner Kollegen greife auch er in diesen Zeiten nach jedem Strohhalm. Appelt stellt wöchentlich wechselnde Speisekarten online auf Facebook.

Der Sommer lief für Appelt außergewöhnlich gut. Viel mehr Touristen als im Vorjahr seien bei ihm eingekehrt und hätten einige Verluste aus dem ersten Lockdown wettgemacht. Dafür hat er auch sechs Wochen in den Sommerferien ohne einen einzigen Ruhetag durchgearbeitet. "Wir hatten für November und Dezember ein volles Reservierungsbuch. Diesen Einbruch holst du dann aber einfach nicht wieder auf", sagt er. Von der versprochenen Finanzhilfe für Restaurantbetreiber sei noch nichts angekommen. "Es gibt ja noch nicht einmal Anträge dafür", klagt Appelt. Ein Kollege von ihm hätte in drei Ministerien in Berlin angerufen. Dort habe man ihm mitgeteilt, dass es vermutlich erst ab Mitte bis Ende November Formulare und Anträge für die Förderungen geben würde. "Bis jetzt gibt es leider noch keine", so Appelt.

Nicolle Tüchert vom Hotel "Am Kunnerstein" in Augustusburg macht aus der Not eine Tugend: "Wir nutzen den zweiten Lockdown und bauen weiter um", sagt sie. Seit März wären alle Mitarbeiter von der Putzfrau bis zum Kellner in Kurzarbeit. Sie und ihre Mutter Sybille Seidel kümmern sich aktuell allein um die wenigen geschäftsreisenden Übernachtungsgäste. Sporadisch wäre die Köchin auch im Einsatz gewesen. "Die Bowlingbahn hat seit März geschlossen", so Tüchert. Das läge am fehlenden Virenfilter, einem fehlenden zweiten Fenster für die Querlüftung sowie an dem Eingangstunnel zur Bowlingbahn, der einen angemessenen Abstand beim Passieren der Gäste nicht gewährleisten könne.

"Es war schon lange geplant, dass wir Zimmer im Sommer renovieren lassen. Alle unsere ortsansässigen Handwerker haben ihre Pläne kurzfristig ändern können und sich bereits im März beim ersten Lockdown in unserem Hotel an die Arbeit gemacht", freut sich Nicolle Tüchert über diese unkomplizierte und schnelle Hilfe. Nun habe sie sich im zweiten Lockdown dafür entschieden, noch die letzten Zimmer und den Eingangsbereich mit Rezeption zu erneuern. "Das geschieht mit Geldern, die wir in den vergangenen Jahren erwirtschaftet haben", sagt Tüchert. Zudem wurde ein Kredit aufgenommen.

Das Hotel "Am Kunnerstein" ist bekannt dafür, dass oft Seminargäste im Haus übernachten. "Im Sommer hatten wir viele Fahrradtouristen oder Gäste, die in der Region unterwegs waren. Diese Chance wollen wir auch in Zukunft nutzen", sagt Tüchert. Ganz neu bietet das Hotel deshalb beispielsweise einen Stellplatz für acht Wohnmobile an, die aufgrund der Reisebeschränkungen häufiger in der Region unterwegs seien als vorher. "Die Genehmigungen dafür sind alle durch. Wir können starten."

Auch Gastronomin Claudia Otto denkt trotz der Einschränkungen positiv. "Da hilft kein Jammern. Ich hatte damit gerechnet, dass wieder solche einschneidenden Maßnahmen ergriffen werden müssen. So hat uns der aktuelle Teil-Lockdown nicht so empfindlich getroffen wie der harte Schnitt im Frühjahr", sagt die Inhaberin der Bauernschänke "Zum Pomselberg" Flöha. Sie habe nun unter Beachtung des Hygienekonzepts relativ problemlos wieder auf Außer-Haus-Verkauf umstellen können. Das Angebot ist dabei auf die Jahreszeit abgestimmt. So stehen unter anderem Gänsekeulen und -brust auf der Karte. "Die Gäste haben die Situation angenommen. Wir bieten den Service von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr an. Samstags und sonntags sind wir zusätzlich von 11 bis 14 Uhr da", sagt die Chefin. Im laufenden Monat habe sie noch keine staatlichen Hilfen beantragt.

Kalt oder heiß? - Das ist die Frage, die Kunden beantworten müssen, wenn sie im Trakehnerhof Großwaltersdorf eine Bauerngans aus Breitenau bestellen. Denn das Restaurant im Eppendorfer Ortsteil bietet das Geflügel zum Beispiel zum Aufwärmen für zu Hause an. "Wir betreiben zunächst das Außer-Haus-Geschäft weiter und müssen erst einmal abwarten, was die Regierung entscheidet. Aktuell gibt es noch keine klaren Regelungen für die Hilfen, die in Aussicht gestellt wurden", sagt Chefin Martina Kerber.

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