Experiment gelungen

Nach langem Kampf wurde die Mittelschule in Oederan 2008 in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Das Modellprojekt wurde jetzt beendet. Doch die Entwicklung geht weiter.

Oederan.

Gerade einmal zehn Jahre ist es her, da stand die Mittelschule in Oederan vor dem Aus. Zu geringe Schülerzahlen hatten das Kultusministerium veranlasst, ein Auslaufen der Schule anzudrohen. Dass die Schule heute nicht nur weiterhin besteht, sondern zu einer der schönsten Einrichtungen im Landkreis geworden ist, hat zwei Gründe.

Nummer eins: Das sächsische Kultusministerium genehmigte ab 2008 die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule mit Modellcharakter. Vorausgegangen war ein langer Kampf der Regionalpolitiker und ein Gesamtkonzept, das 22-mal überarbeitet werden musste. Grundidee war, dass die Schüler von der 5. bis zur 9. Klasse gemeinsam lernen und erst dann entscheiden, ob sie auf das Gymnasium wechseln oder ihren Abschluss machen. Zudem wurden Real- und Hauptschüler in ein und derselben Klasse unterrichtet, eine zweite Fremdsprache ab der 6. Klasse war ebenfalls neu. Nun ist das Modellprojekt planmäßig beendet worden.

Vom Kultusministerium gab es dafür eine Urkunde mit der Auszeichnung als "Oberschule mit besonderem pädagogischen Profil". Denn auch nach Beendigung des Projekts wollen die Oederaner mit verschiedenen Angeboten wie gemeinsames Lernen in Leistungsgruppen und mit gezielter Förderung den Lehrplan ergänzen.

Für das jetzt beendete Modellprojekt gab es nun Lob von höchster Stelle. Aus dem Kultusministerium in Dresden hieß es: "Die Oberschule Oederan hat durch die Erprobung ihres besonderen pädagogischen Konzeptes zur Weiterentwicklung der Oberschule und zur individuellen Förderung von Schülern beigetragen." Wesentliche Teile der besonderen pädagogischen Konzepte würden seit einigen Jahren auch im Rahmen des Regelschulbetriebs weitergeführt. Unter anderem ist es mittlerweile in jedem Schuljahr möglich, von der Oberschule auf das Gymnasium zu wechseln.

Hauptgrund Nummer zwei für die Erfolgsgeschichte der Oederaner Oberschule: Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung funktioniert sehr gut. "Um nicht zu sagen, sie funktioniert perfekt", bekräftigt Schulleiter Frank Hunger. "Vom ersten Tag der Bewerbung als Modellschule bis heute wurden wir immer unterstützt, vieles wurde auf dem kurzen Weg geklärt."

Mit der Investition von nahezu 20 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren wurde nicht nur die Schule aufgewertet. Das gesamte Stadtbild wurde verschönert. Denn rund um den Schulstandort an der Frankenberger Straße entstanden eine große Drei-Felder-Sporthalle, Außensportanlagen, Parkplätze, ein Anbau für das Schulgebäude, Bushaltestellen und vieles mehr. Auch das historische Schulgebäude selbst erstrahlt seit diesem Sommer in neuem Glanz. "Man kommt einfach gern hierher", sagt die 15-Jährige Lea Hamalcik vom Schülerrat. "Wir sind stolz auf unsere Schule."


"Ich würde mich immer wieder für diese Schule entscheiden"

Anke Bernard gehört zum ersten Jahrgang, der nach der 9. Klasse ans Gymnasium wechseln durfte. "Im Verlauf der Schuljahre und auch nach dem Wechsel ans Gymnasium war klar, dass das Projekt ,Gemeinsames Lernen' sehr gut funktioniert hat", sagt die heute 18-Jährige. Es sei ein wunderbarer Austausch zwischen stärkeren und schwächeren Schülern möglich gewesen. Auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis sei dadurch entspannter geworden. "Probleme wurden immer gemeinsam gelöst", sagt die Oederanerin, die derzeit als Au-Pair in der Schweiz arbeitet. "Ich würde mich immer wieder für diesen Weg und damit diese Schule entscheiden."

Tilo Otto ist der Vater des 13-jährigen Vincent, der derzeit die 7. Klasse der Oberschule Oederan besucht. "Wenn man uns fragt, warum wir uns für diese Schule entschieden haben, sagen wir, man muss sich nur mal umschauen. Was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist, kann man kaum besser machen", sagt er. "Das ganze Schulklima ist zudem sehr gut." (tre)

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