Experte in Sachen August

"Gespräch mit Freunden" heißt eine neue Reihe auf den Schlössern der Region. Den Anfang machte in Augustusburg der Chef von Dresdner Grünem Gewölbe und Rüstkammer.

Augustusburg.

Er bezeichnet sich selbst scherzhaft als "Angestellten bei August dem Starken". Denn der Historiker Dirk Syndram ist Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zweier Einrichtungen, die dem berühmten Sachsenherrscher viel zu verdanken haben. Der Förderkreis der Schlössergemeinschaft Augustusburg/ Scharfenstein/Lichtenwalde hatte den Hüter beider Schatzkammern nun zum Auftakt der Reihe "Gespräch mit Freunden - Geschichte begeistert" auf Schloss Augustusburg eingeladen, und Hauptperson war diesmal nicht der starke August (1670 bis 1733), sondern dem Ort gemäß sein Namensvetter und Vorgänger Kurfürst "Vater August" (1526 bis 1586), Bauherr des Jagdschlosses Augustusburg.

Unter dem Titel "Der Kurfürst und sein Schloss - Augustusburg als politisches Manifest des Kurfürsten August" erzählte Syndram kurzweilig und interessant über das Leben und den Werdegang des Wettiners zum Herrscher Sachsens und über den geschichtlichen Hintergrund für den Schlossbau. Die etwa 150 Zuhörer erfuhren nicht nur, dass die Augustusburg eine ganz persönliche Schöpfung des Kurfürsten war und die Kapelle einen der schönsten Altäre besitzt, die Ende des 16. Jahrhunderts entstanden. Kurfürst August drängte auf eine schnelle Fertigstellung des Baus in nur vier Jahren, um seinen Freund, Kaiser Maximilian, hier empfangen zu können.

Das geschah aber nie, da der Kaiser schon 1576, vier Jahre nach Fertigstellung des Schlosses, verstarb und August daraufhin sein Feriendomizil kaum noch nutzte. Stattdessen ließ er ein neues Schloss bauen, die Annaburg in Sachsen-Anhalt. Soviel zum Thema Sparen.

Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Schlossbetriebe Augustusburg/ Scharfenstein/Lichtenwalde, freute es besonders, dass Syndram auf die Besonderheit und kulturgeschichtliche Einmaligkeit des Lindenhauses mit seinen Kaminen und Wandmalereien verwies. "Das Lindenhaus ist im Innenbereich noch nicht saniert. Dabei birgt es einen großen Schatz an Wandmalereien. Bisher gab es nur restauratorische Voruntersuchungen. Bereits seit 2004 arbeiten wir kontinuierlich an der Nutzungskonzeption von Schloss Augustusburg", erklärte sie. Genaue strategische Überlegungen seinen erforderlich, um dieses Kleinod der Renaissance zu erhalten und der Öffentlichkeit zu präsentieren, so Meyn weiter. "Wir wollen gemeinsam an der Erhaltung des Schlosses für die nächsten 100 Jahre und darüber hinaus arbeiten. So sind bei der Erarbeitung der Konzeption auch Mitarbeiter des Schlosses einbezogen."


"Dass wir 50 Stühle mehr brauchen, hat uns überrascht"

Evelyn Jugelt ist Vorsitzende des Förderkreises der Schlössergemeinschaft. Andrea Pötzscher sprach mit ihr über die neue Vortragsreihe.

Freie Presse: Hätten Sie mit diesem Interesse heute gerechnet?

Evelyn Jugelt: Das war überwältigend. Es ist immer ein Wagnis, neue Wege zu beschreiten. Wir hatten mit 60 Zuhörern gerechnet, haben aber vorsorglich 100 Stühle gestellt. Dass wir aber noch 50 weitere brauchten, hat uns wirklich überrascht und freut uns natürlich sehr.

Ist diese Veranstaltung nicht als Konkurrenz zur Gesprächsreihe "Zu Gast im Schloss Lichtenwalde" zu sehen?

Auf keinen Fall. Krankheitsbedingt musste diese Veranstaltungsreihe, die sehr gut besucht wurde, leider eingestellt werden. Wir möchten in unser neues Format "Gespräch mit Freunden - Geschichte begeistert" unbedingt Schloss Lichtenwalde und die Burg Scharfenstein in Zukunft mit einbeziehen.

Wann gibt es eine Fortsetzung?

2017 sind die nächsten Veranstaltungen geplant. Das große Interesse heute hat uns als Förderverein darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. Die Zahl der Mitglieder wächst und wir freuen uns über jeden, der sich unserem Verein anschließen möchte. Auf jeden Fall werden wir unseren 75 Mitgliedern anbieten, weiter auf den Spuren von Kurfürst August zu wandeln und das Renaissanceschloss Annaburg zu besichtigen. Und auch im heutigen Vortrag gibt es Ansatzpunkte, die einer weiteren Recherche bedürfen, weshalb wir auch diesen Kontakt weiter pflegen werden.

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