Extraschicht der Lebensretter

In Eppendorf betreuen die "Jungen Naturwächter" die Krötenschutzzäune. Sie retten so Erdkröten, Grasfrösche und Molche.

Eppendorf.

Die Zeit drängt. Mit Spaten und Eimer haben die Eppendorfer "Jungen Naturwächter" am Dienstagnachmittag an der Waldsiedlung eine "Extraschicht" eingelegt - Regen und Wind störten nicht. Grund für die Eile beim Aufbau des Krötenschutzzauns war ebendieser Regen - kombiniert mit den derzeitigen Temperaturen.

Matthias Vogel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Eppendorf und Betreuer des Ganztagsangebots der Eppendorfer Schulen, ist sich sicher, dass bei der derzeitigen Konstellation die Kröten bald in großer Anzahl wandern: Sie müssen über die Straße zu den Drei Teichen, den Laichgründen der Tierchen.

Die "Jungen Naturschützer" als Ganztagsangebot der Heiner-Müller-Grund- und Mittelschule gibt es schon seit 2003. Gegenwärtig gehören 23 Schüler von der 1. bis 8. Klasse zur Arbeitsgemeinschaft. Neben dem Bau und Betreuen des Krötenzauns werden Nistkästen gepflegt und wird im Winter Wild gefüttert.

Der zehn Meter lange Zaun an der Waldsiedlung soll die Tiere vor den Autoreifen schützen. In zehn Eimern - in regelmäßigen Abständen am Zaun eingegraben - werden die Tiere aufgefangen und dann über den gefährlichen Teichweg gebracht. 2017 seien bisher die meisten Tiere gezählt worden, sagt Matthias Vogel. Damals wurden 622 Tiere gefahrlos zu den Laichplätzen getragen. Meist sind es Erdkröten; einige Grasfrösche und Molche sind auch darunter.

In diesen Tagen sind in ganz Mittelsachsen die mobilen Leiteinrichtungen zum Schutz von Amphibien aufgebaut worden. Organisiert wird dies von der Unteren Naturschutzbehörde - unterstützt von den Mitarbeitern der Straßenmeistereien, der betroffenen Städte und Gemeinden und von Ehrenamtlichen wie in Eppendorf.

Die Schutzzäune hätten im vergangenen Jahr gut acht Wochen an den Straßen gestanden. Das sei außergewöhnlich lange gewesen. "Dies war dem Wetter geschuldet, das entweder zu kalt oder zu trocken für die Amphibien war, denn sie benötigen für ihre Wanderung eine Nachttemperatur von wenigstens 5 Grad Celsius und Regen", erklärt der Leiter des Referats Naturschutz, Udo Seifert. Wie lange die Schutzzäune in diesem Jahr stehen, könne noch nicht gesagt werden. In Mittelsachsen müssen 27 sogenannte Konfliktpunkte betreut werden. 2019 konnten mittels Fangeimer 11.562 Tiere sicher über die Straße getragen werden. Gleichzeitig werden Erhebungen geführt, um aktuelle Informationen zu den Vorkommen zu erhalten. (mit ka)

Mobile Schutzzäune stehen unter anderem zwischen Marbach und Waldkirchener Straße, am Ortsausgang Schellenberg in Richtung Hohenfichte, neben der B 173 in Memmendorf am Gasthof "Goldener Stern", in Flöha zwischen Lärchenstraße und der Straße Am Pfarrwald sowie an der Kleingartenanlage "Bergidyll".


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