Fahndung per Internet: Beute bleibt meist unauffindbar

"Rund um Zschopau" ist für viele Fahrer und Fans die schönste Motorradgeländefahrt Deutschlands. Allerdings sorgen Diebstähle im Umfeld der Veranstaltung seit Jahren für negative Schlagzeilen.

Waldkirchen/Flöha.

Sören Hunger traute seinen Augen nicht. Keine halbe Stunde war es her, dass er am Samstagmittag sein Moped auf einem Waldparkplatz am Hölzelweg in Waldkirchen abgestellt hatte. "Wir wollten die Fahrer an der Steilauffahrt im Hüblerbusch sehen", berichtet der 17-Jährige. Als er zurückkam, war das S 51 weg. "Erst dachte ich, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat", berichtet der Azubi aus Reifland. Doch als er dann die Reste des mit einer Flex durchtrennten Schlosses gesehen habe, sei ihm klar geworden. "Es wurde geklaut."

Zusätzlich zur Anzeige bei der Polizei stellte Sören Hunger ein Foto des aufwendig hergerichteten Schmuckstücks (Wert 2000Euro) ins Internet - als Fahndungsaufruf in den sozialen Medien. Die Chancen, dass der junge Mann seine Simme wiedersieht, sind jedoch alles andere als aussichtsreich.

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Zwar lag die Aufklärungsquote bei Motorraddiebstählen 2017 in Sachsen nach Angaben eines Versicherungsvereins bei 27,5Prozent, doch von den mehr als 40 in den vergangenen 15 Jahren im Umfeld von "Rund um Zschopau" als gestohlen gemeldeten Fahrzeugen dürften nur ganz wenige wieder aufgetaucht sein.

Geländesportmotorräder, die für Diebe eine viel leichtere Beute sind als etwa mit elektronischer Wegfahrsperre versehene Straßenmaschinen, verschwinden in der Regel meist ganz von der Bildfläche. "Entweder landen die im Ausland oder in Einzelteile zerlegt bei Ebay", sagt Marcus Kehr aus Flöha. Dem ehemaligen Geländefahrer, der es auf mehr als 20 nationale Meistertitel brachte, ist in seiner aktiven Zeit nicht nur einmal das Wettkampfgerät gestohlen worden. "In der Slowakei, in Dahlen und auch aus meiner Garage in Flöha", zählt der 35-Jährige auf und weist damit darauf hin, dass Motorradklau überall ein Thema ist. "Motorsportveranstaltungen ziehen leider immer auch Diebe an. Und wenn Leute mit der Absicht kommen, ein Motorrad zu klauen, dann tun sie das meist auch", meint Kehr. "Mit Bolzenschneider, Eisspray oder Flex." Auch seine Maschinen blieben verschwunden. "Verfahren eingestellt" hieß es stets.

Fälle, in denen spezialisierte Diebesbanden bei Veranstaltungen Motorräder gleich dutzendweise verschwinden ließen - wie in Dahlen und Uelsen -, habe es zum Glück seit Jahren nicht mehr gegeben, so Kehr. Im Jahr 2003 war in Zschopau eine vermutlich organisierte Bande am Werk. 23 Motorräder wurden damals gestohlen. Obwohl der Fall sogar Thema in der MDR-Fernsehsendung "Kripo live" war, verlief die Suche nach den Tätern und der Beute im Sand.

André Rudolph hört es nicht gern, wenn Motorraddiebstahl in Zusammenhang mit der Geländefahrt gebracht wird. "Unsere Pflicht ist es, die Motorräder der Sportler im Parc fermé zu sichern. Da ist seit Jahren nichts passiert", so der Fahrtleiter vom MSC Rund um Zschopau. "An die Besucher können wir immer nur appellieren, die Fahrzeuge ausreichend zu sichern."

Hauptaufgabe der Polizei sei es, während der Veranstaltung für Verkehrsfluss und -sicherheit zu sorgen, so die Pressestelle der Chemnitzer Direktion. Spezielle Kontrollen gebe es nicht. Falls möglich, werde bei einem Diebstahl eine Tatortbereichsfahndung vorgenommen. Jedes als gestohlen gemeldete Fahrzeug komme auf eine bundesweite Fahndungsliste. Darauf stehen auch noch die 2017 am "Rund um Zschopau"-Wochenende verschwundenen Bikes. Für Sören Hunger kein gutes Zeichen.


Negativ-Rekord: 2003 werden bei "Rund um Zschopau" 23 Motorräder gestohlen

2018: Drei Motorräder und ein Gespann werden im Laufe der Veranstaltung gestohlen.

2017: Drei Motorräder kommen weg, unter anderem eine an der Thumer Straße abgestellte Yamaha und eine an der Scharfensteiner Straße geparkte KTM.

2015: Aus dem Fahrerlager in Zschopau verschwindet ein Quad der Marke Bombardier. Bei Scharfenstein entwenden Unbekannte aus einem Kleintransporter und von einem Anhänger eine KTM und eine Husqvarna.

2013: In Zschopau werden zwei Motorräder der Marke KTM gestohlen.

2011: An der Heinzebank wird aus einem Transporter eine KTM gestohlen, in Drebach eine Honda.

2005: Aus dem Fahrerlager in Zschopau, vom Teufelsberg und aus der näheren Umgebung verschwinden Motorräder im Gesamtwert von über 58.000 Euro.

2003: 23 Motorräder sowie jede Menge Ersatzteile werden gestohlen. So entwenden Unbekannte vor einem Hotel an der B 174 zwei Enduromaschinen. Weitere Motorräder verschwinden aus Kleintransportern. Gesamtschaden: mehr als 200.000 Euro. Die Polizei vermutet spezialisierte Diebesbanden als Täter.hd

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