Falken in der Baumwolle - Abriss später?

Die Baumaschinen sind schon vor Ort. Doch bevor es in Erdmannsdorf losgehen kann, muss die Stadt nun ein Gutachten einholen. Das könnte auch für Mehrkosten sorgen.

Augustusburg.

Der Abbruch-Zeitplan für die Erdmannsdorfer Baumwolle ist in Gefahr. Darüber hat der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) am Dienstagabend den Stadtrat informiert. Der Grund: Auf dem Areal werden Turmfalken vermutet. Ein entsprechender Hinweis sei bei der Unteren Naturschutzbehörde eingegangen, die die Stadt darüber am Dienstag unterrichtet habe.

Wer wann der im Landratsamt angesiedelten Stelle die mutmaßliche Sichtung angezeigt hat, war aus der Kreisverwaltung zunächst nicht zu erfahren. Das Landratsamt informierte aber gestern darüber, einen Hinweis erhalten zu haben, dass in dem Objekt, das von Mai bis Juli abgerissen werden soll, "gebäudebewohnende Arten vorhanden seien", so Lisa-Maria Schöne aus der Pressestelle. Die Augustusburger Stadtverwaltung müsse nun, bevor Bagger rollen können, zunächst "die artenschutzrechtliche Betroffenheit klären", also den Tierbestand auf dem an der Zschopau gelegenen Gelände erfassen lassen. Wie lang dies dauert, ließ Schöne offen. Das Prüfergebnis sei "zur abschließenden Bewertung der rechtlichen Folgen dem Referat Naturschutz und Landwirtschaft vorzulegen", ergänzte sie.

Sollten Turmfalken auf dem Areal nachgewiesen werden, was meist durch "Bodenbeobachtung mit leistungsstarker Optik" erfolge, könne dies zum Aufschub des Abrisses für das gesamte oder Teile des Ensembles führen, sagte der ehrenamtliche Kreisnaturschutzbeauftragte Volkmar Kuschka. Üblicherweise sei eine solche Untersuchung schon Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Der Biologe erstellt selbst derartige Gutachten, ist mit dem konkreten Fall aber nicht betraut. Er weist jedoch darauf hin, dass die Hauptbrutzeit der "streng geschützten" Turmfalken von März bis Juli dauere, nach einem kalten Frühjahr für eine Zweitbrut auch bis August.

Bei einem Aufschub der Arbeiten könnte nicht nur der Abriss teurer werden, der bislang mit rund 220.000 Euro deutlich weniger kosten soll, als zunächst erwartet. Auswirkungen werden auch auf die Rückzahlung von Fördergeld befürchtet, das die Stadt für den Abriss erhalten hat. Der Stadtrat fasste daher am Dienstag einen Beschluss unter Vorbehalt. Demnach sollen nach bisheriger Planung nicht erforderliche 250.000 Euro an den Fördermittelgeber vorzeitig zurückgezahlt werden. Über den Fortgang der Beratungen mit dem Kreis will das Rathaus kommende Woche im Technischen Ausschuss informieren, sagte Neubauer. Der Erdmannsdorfer Ortsvorsteher Dietmar Katzorreck hofft aber weiter, "dass es mit dem Abriss bald losgeht", sagte er gestern.

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