Freizeitkapitäne schippern auf der Flöha

Nach Elbe und Spree fährt die Weiße Flotte nun auch auf der Flöha: In Hohenfichte legten am Sonnabend Boote Marke Eigenbau ab.

Hohenfichte.

Ganze neun Besatzungen wagten sich beim 20. Brücken- und Schützenfest mit ihren schwimmenden Vehikeln aufs Wasser. Sie lieferten sich eine Wettfahrt, bei der es nicht nur um sportliche, sondern auch um kreative und Ingenieursleistungen ging. Start war bei idealen Ausflugsbedingungen an der berühmten Holzbrücke.

Und da waren die vielen Landratten entlang des Flussabschnittes genauso verblüfft wie begeistert: Jeder der Freizeitkapitäne brachte pfiffige und vor allem schwimmfähige Exponate an den Start. Der Blickfang war der Raddampfer von Eigner Martin Pöschmann. Schon der Stapellauf hatte Showqualität: Mit einem Moped Schwalbe und dem selbst gebauten Trailer zog er sein Modell namens Hohenfichtener Spitze heran. Nichts, was an Bord fehlte, selbst Musik ertönte an Deck. "Jeden Sonntag und auch im Urlaub habe ich daran geschraubt", erklärt der 35-Jährige. Im Maschinenraum sitzend übertrug er seine Muskelkraft per Pedalsystem an ein präpariertes Fahrrad am Heck. Der Knüller: Die zwei weißen Rauch ausstoßenden Schornsteine. Deren Duftaroma namens Tutti-Frutti wurde mit der Nebelmaschine produziert. Für die Wettbewerbs-Juroren um Helmut Heinze stand fest: Feuerwehrmann Martin Pöschmann gewinnt die Konstrukteurswertung.

Mit Nebelrauch wusste auch der gestandene (Ein)-Heizer Jens Kluge zu begeistern. Sein Ausflugsschiff namens Große Lössnitz dampfte stilvoll aus der Esse und das dank einer Räucherkerzchen-Konstruktion. Vorbildlich: Zur Ausrüstung gehörte ein Feuerlöscher. Indes, die Aufbauten, die er auf den vor zwei Jahren erfolgreichen Plastik-Schwimmkörper seines Weißen Hais gesetzt hatte, hielten dem Renndruck diesmal nicht stand. Die gingen genauso über Bord, wie der 46-Jährige mit Tochter Johanna nach Zieleinlauf selbst von Deck ging. Den Sprung ins Nass wagte vor Freude ebenso die Crew des an ein Floss erinnernden Schwimmteils "Kirche im Dorf". Aufgeweckte Passanten dürften anhand der Flagge erkannt haben, unter welcher Fahne die Besatzung um Thomas Bruder paddelte: Die drei Kirchturmspitzen von Augustusburg, Erdmannsdorf und Hohenfichte zierten den Stoff.

Zu den gestandenen Fahrensleuten gehört Prisca Voigt. Die Pockau-Lengefelderin kreuzt seit elf Jahren in heimischen Gewässern und war zum dritten Mal im Flöhatal mit ihrer Griechischen Galeere dabei. Von Opa Dietmar Voigt als Werftarbeiter betreut, strampelte die 15-Jährige schweißüberströmt wie ihre Konkurrenten den Fluss hinauf.

Die mit Spannung erwartete Wettfahrt sicherten sich die Leichtbau-Matrosen. Da zeigte sich erneut, dass imposante Techniklösungen zulasten des sportlichen Erfolges gehen. Je weniger Ballast, desto schneller. Das bewiesen die Meister der Bierflasche. Dirk Fischer, Fabian Zenker und Marcel Steinhauer, in einem Gefäß aus vier geformten Blechfässern sitzend, setzten zu ihrem Siegeszug an und bewältigten die 400-Meter-Distanz, ohne allerdings als Schnellste die bestehende Bestzeit von 3:50 Minuten der Vorjahre zu unterbieten. Nun fiebern Schifffahrer und Publikum der zehnten Wettfahrt entgegen. 2020 könnten die Dampfer wieder ablegen. Dann sollte unbedingt auch die "Himmelfahrtsband" aus Döbeln wieder mit von der Partie sein, die zünftig den Seefahrern mit "Down by the riverside" und anderen Seemanns-Evergreens das Geleit gab.

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