Freundschaft kennt keine Grenze

Trotz Sprachbarriere gibt es im Kreis Mittelsachsen viele deutsch-tschechische Partnerschaften. Ohne Zuschüsse würden einige Projekte jedoch auf der Strecke bleiben.

Rechenberg-B./Leubsdorf.

Heinz Lohse kennt nicht nur jeden Stein auf der deutschen Seite der Grenze - auch auf der böhmischen. So gut, dass der 68-Jährige viele Freunde in Tschechien gefunden hat. Mit denen konnte der Chef des Heimatgeschichtsvereins Rechenberg-Bienenmühle einige Vorhaben auf den Weg bringen. Dazu gehört zum Beispiel der grenzüberschreitende Lehrpfad Neugrabenflöße, den Lohse mit dem Tschechen Petr Fišer, Vorsitzender des Georgendorfer Vereins, zum Leben erweckt hat. Die 23 Kilometer lange Tour wurde 2013 eingeweiht und lädt Urlauber ein, die Geschichte der Flößer kennenzulernen.

"Ohne Förderung könnten einige Partnerprojekte sicher nicht umgesetzt werden", ist Lohse überzeugt. Der Senior lobt den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der 1997 von beiden Ländern ins Leben gerufen worden sei und seither 54 Millionen Euro für 9500 Projekte zur Verfügung gestellt habe. Auch mithilfe des in Freiberg ansässigen Vereins "Euroregion Erzgebirge" seien zig Kleinprojekte gefördert worden. Eines davon ist laut Rathauschef Volker Krönert (CDU) das Fußballcamp in Sayda, an dem Kinder der Partnerstadt Meziborí teilnehmen. "Neben Fußball stehen auch gemeinsame Freizeitaktivitäten auf dem Programm", sagt Krönert. Das diesjährige Camp wurde mit mehr als 8000 Euro gefördert.


Auch Lunzenau greift in den Fördertopf der Euroregion. Nach der Premiere in der Partnerstadt Libochovice soll das zweite Imkertreffen 2018 in der Muldestadt stattfinden. Wie Rathausmitarbeiterin Beate Steinert sagt, seien gut 10.000 Euro beantragt. Der Verein unterstützt nicht nur finanziell. "Über die Euroregion Erzgebirge hat die Stadt in der Nähe der Grenze den Kontakt zu uns gesucht - mit dem Wunsch nach Partnerschaft", sagt Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU). Das war 2013. Heute gibt"s einen regen Schüleraustausch, auch der Chor "Melodie" der Partnerstadt gastierte schon in der Lunzenauer Kirche.

Geld der Euroregion ist ebenfalls nach Mittweida geflossen, das seine Partnerschaft mit der Ceská Lipa vor allem auf sportlichem Gebiet vertieft. Für die diesjährigen Begegnungen der Fußballer hatte Harald Kaehs, Präsident des SV Germania, die tschechischen Gäste zum Altstadtfest-Wochenende eingeladen. Dadurch sei es möglich gewesen, den Gästen viel zu zeigen.

Ähnlich sieht das in der Gemeinde Leubsdorf aus, die seit 2005 eine Partnerschaft mit der tschechischen Mikroregion Peruc pflegt. Wann immer es einen Anlass gebe, werden die Freunde aus Tschechien eingeladen, sagt eine Mitarbeiterin der Verwaltung. So gastierte erst kürzlich zum Kulturtreffen der Chor der Mikroregion im Lindenhof vor 175 Zuhörern. Die Sporthalle der Grundschule und die Kirche wurden bei dieser Gelegenheit besichtigt. Feuerwehren, Schulen und Sportvereine treffen sich regelmäßig. So spielte zum Pfingstfest des SVGrün-Weiß dieses Jahr eine tschechische Vertretung beim Freizeitturnier mit.

www.fondbudoucnosti.cz/de

www.euroregion-erzgebirge.de


Beispielhaft: Projekte in Mittelsachsen

Sportlich: Ob Fuß- oder Handball, vor allem im sportlichen Bereich gewinnt die Partnerschaft zwischen Mittweida und Ceska Lipa weiter an Fahrt. Längst gehört es zum guten Ton, dass die Tschechen auch zum traditionellen Handballfest im Talgut (Bild) anreisen. Seit dem Jahr 1976 gibt es bereits freundschaftliche Kontakte.Foto: F. Bernhardt/Archiv

Optimistisch: Schon beim grenzüberschreitenden Lehrpfad Neugrabenflöße haben Heinz Lohse und sein tschechischer Mitstreiter Petr Fišer kooperiert. Nun machen sich beide für eine Buslinie zwischen Holzhau und Moldava stark. Noch steht aber die Finanzierung nicht. Bisher sollen die Busse lediglich am Wochenende verkehren.Foto: K. Hahn/Archiv


"119 Vorhaben bewilligt"

Beate Ebenhöh, Geschäftsführerin des Vereins "Euroregion Erzgebirge", bringt Menschen zusammen. Jochen Walther hat sich mit ihr unterhalten.

Freie Presse: Wer darf Anträge für die Projektförderung stellen?

Beate Ebenhöh: Kreise, Kommunen, Vereine und andere kommunale Einrichtungen. Wer sich nicht sicher ist, sollte mit uns Kontakt aufnehmen.

Wie viele Kleinprojekte wurden bisher in der aktuellen Förderperiode finanziell unterstützt?

Seit 2016 wurden 119 deutsch-tschechische Vorhaben bewilligt. Dahinter stehen etwa 1,3 Millionen Euro.

Schafft es der Verein, die Menschen zusammenzubringen?

Auf jeden Fall. Das steht neben den Projekten ganz oben auf unserer Agenda. Ich weiß, dass sich persönliche Freundschaften entwickelt haben, die noch heute bestehen.

Trotz Sprachbarriere?

Die gibt es leider, die lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Aber da die Beteiligten sich zumeist für eine Sache begeistern, klappt"s am Ende trotzdem mit der Verständigung. Ich hab auch dazugelernt: Prátelství heißt Freundschaft.

Sind Sie selbst ab und an in Tschechien auf Tour?

Natürlich. Ich wohne in Nassau nahe der Grenze. Dadurch gehen wir auf Wanderschaft, am liebsten mit der Familie und guten Freunden.

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