Futtermittel für Tiere werden knapp

Verglichen mit nördlichen Bundesländern fiel die Getreideernte in der Region zufriedenstellend aus. Doch etwas anderes macht den Landwirten das Leben schwer.

Gahlenz.

Wie fiel die Ernte aus? Wie hilfebedürftig sind die Bauern? Ein guter Indikator dafür ist seit über zehn Jahren Götz Eckardt. Er ist Vorstandsvorsitzender der Erzgebirgskorn Gahlenz e. G., einer Landhandelsgenossenschaft, die die Ernten in der Region aufkauft. Prägend für diesen Markt: Preisschwankungen von teils 40 Prozent. Wer die auspendeln kann, muss ein kühler Rechner sein und hat einen nüchternen Blick auf die Landwirtschaft.

Die Genossenschaft kauft, was Landwirte auf ihren Feldern ernten und verkaufen wollen. Naturprodukte pur. Bis zu 30.000 Tonnen werden in normalen Jahren in der Ernte umgeschlagen. Götz Eckardt und seine Mitarbeiter reinigen, trocknen und lagern Raps, Braugerste, Roggen, Hafer, Weizen und Bohnen ein und beliefern mit den so angelegten Vorräten die verarbeitende Industrie von der Mälzerei über die Getreide- bis hin zur Ölmühle. Und zwar bis zur nächsten Ernte, und bis Lagerhalle und Silos wieder leer sind.

Die Firma ist für die Region so wertvoll wie eine Talsperre. Nur dass sie Körnerfrüchte und kein Wasser lagert. In diesen Erntetagen hat Götz Eckardt aber keine Ruhe. Vieles treibt ihn um, die Qualität und Menge des angekauften Korns, schwindende Wertschätzung für die Landwirtschaft, die Tatsache, dass viele Deutsche nicht mehr wissen, wie jene Lebensmittel hergestellt werden, für die sie möglichst wenig zahlen wollen. "Einerseits handelt es sich bei Getreide um ein Naturprodukt, das Schwankungen unterworfen ist", sagt der Vorstandschef von Erzgebirgskorn. "Andererseits müssen wir Grenzwerte einhalten." Bestechend auch die Maße der für die Lagerung optimierten Behälter: Eines der großen Silos enthält allein 2100Tonnen Weizen, bei gerade einmal 35 Tonnen Eigengewicht. "Im Grunde ist das wie bei einer Fischbüchse", erklärt Götz Eckardt: "Eine dünne Hülle für viel Inhalt."

Wie angesichts der Trockenheit nicht anders zu erwarten, fiel die diesjährige Ernte in der Region nicht berauschend aus. "Bezogen auf Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern können wir aber noch zufrieden sein", sagt Götz Eckardt. "Sehr schlecht schnitten die Ackerbohnen ab, unterdurchschnittlich Raps und Wintergerste, eher durchschnittlich Weizen und Hafer. Nur die Braugerste erreichte normale Werte. Die komplette Nordhalbkugel ist zu trocken, vom Main über Skandinavien bis nach Russland", sagt Eckardt.

Extrem schlecht ist die Lage beim Futter in der Region. Den Verlust beim Silomais schätzt der Fachmann auf 30 bis 40 Prozent. Bei Ackerfutter und Gras-Silage dürfte es die Hälfte sein. "Üblich sind hier drei bis vier Schnitte im Grünland. Wir hatten anderthalb. Mais wird sonst Ende September gehäckselt. Doch die Landwirte fangen damit bereits an." Folglich füttern die Bauern schon teils Stroh, haben jetzt weniger Futter und zu wenig für den Winter. Beim Nachbarn können sie nicht zukaufen: Der hat auch nichts. Und der Milchpreis ist nicht auf dem Niveau, um das Dilemma abzufedern. "Es werden Köpfe rollen", prophezeit Götz Eckardt. Schlachtungen also. Nicht zu vergessen ist die Wasserversorgung der Landwirtschaft: Die Brunnen für die Versorgung des Viehs geben nicht mehr genügend Wasser, und der Boden ist so trocken, dass die Herbstaussaat nicht keimen kann.

Tiernotverkäufe dürften zunehmen. Aus Sicht von Wolfgang Vogel mit schlimmen Folgen. Denn: "Die Anrechnung der Erlöse aus Viehverkäufen aufgrund fehlender Futtergrundlage auf das Betriebsergebnis und damit auf die Berechnung des betrieblichen Verlustes ist problematisch", sagte der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) als Reaktion auf die vom Bund zugesagten "Dürrehilfen". "Mit der Anrechnung werden gerade diejenigen Betriebe benachteiligt, die eine finanzielle Hilfe am dringendsten benötigen." Kriterium zur Unterstützung sei ein gesamtwirtschaftlicher Verlust von 30 Prozent. "In einem diversifizierten Landwirtschaftsbetrieb werden alle innerbetrieblich erfassten Erträge für die Berechnung zu Hilfe genommen", erklärte der SLB-Präsident. Mit anderen Worten: Wer notgedrungen Tiere verkauft, rutscht wegen der Erlöse vielleicht unter die Hilfegrenze. Der SLB appelliert daher an den Freistaat, die sächsische Richtlinie "Krisen und Notstände" so anzupassen, dass alle bedürftigen Landwirtschaftsbetriebe eine schnelle finanzielle Unterstützung erhalten können. "Das beseitigt natürlich nicht die Futtermittelknappheit der Tierhalter", weiß Wolfgang Vogel.

Und was hält Götz Eckardt von Subventionen und den angekündigten Finanzhilfen? "Ich wünschte mir, das wäre überhaupt nicht nötig", sagte der Erzgebirgskorn-Chef. "Eine gerechte Verteilung ist schwierig und der Bevölkerung nicht zu vermitteln." Viel besser wäre ein funktionierender Markt mit auskömmlichen Erlösen. Die hohen Preisschwankungen pendelt er übrigens mit einer Preissicherung in beide Richtungen aus: Zu einem bestimmten Zeitpunkt verkauft er eine bestimmte Menge Getreide an einen bestimmten Kunden. Noch entspannter wäre das Geschäft, wären Lebensmittel in Deutschland wegen des Preisdrucks durch den Einzelhandel generell nicht so billig. Das aber ist eine andere Geschichte.

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